Auch in Zeiten von Austrittswellen und leeren Kirchen hat die Kurseelsorge in Bad Kissingen weiterhin ihre Existenzberechtigung. "Es ist gut, dass wir da sind, denke ich", sagte dazu die katholische Gemeindereferentin Ursula Summa. Pastor Jochen Wilde teilt diese Meinung: "So lange die Leute kommen..." Ansonsten stimme wohl etwas mit den Angeboten nicht mehr. Viele Gäste hätten ein "Aha-Erlebnis - ach, auch das ist Kirche, sagen sie."
Kurseelsorge sei nicht für alle, aber für zahlreiche Patienten sehr wichtig, so Pfarrer Wilde. Das gelte vor allem für Menschen, die sehr belastet sind.
Auch wenn katholische und evangelische Kur- und Rehaseelsorger als Hingucker auf ihren beiden Programmheften Holzskulpturen gewählt haben, auf dem Holzweg sind sie nicht.
Ursula Summa sagte, was die Gottesdienstbesuche betreffe, gebe es eine gewisse Zurückhaltung. Aber die Menschen hätten Sehnsucht nach Spiritualität und Gott, "da sind wir mit auf dem Plan". Sie suchten Ruhe und das Gefühl angenommen zu sein mit allen ihren Schwächen, so Pfarrerin Claudia Weingärtler.
Das wird auch in den beiden Programmheften deutlich. Die katholische Seelsorge hat ihre Angebote unter die Überschrift "Glücksmomente " gestellt, die evangelische hat das Motto "Facetten des Menschseins" gewählt. Beide ergänzen sich gut, kommen sich nicht in die Quere.
Die Organisationen arbeiten eng zusammen, alles ist aufeinander abgestimmt oder findet, wie die Mittwochsgespräche, im Wechsel statt. Das gemeinsame "Wort in den Tag" verhallt nicht ungehört. "Da erreichen wir richtig viele Leute", sagte Ursula Summa. Die Seelsorger vertreten sich auch gegenseitig.
Der Schwerpunkt der evangelischen Reha-Seelsorger liegt noch mehr als früher auf der Arbeit in den Kliniken, sagte Pfarrerin Weingärtler. Denn viele Patienten seien so krank, dass sie die Häuser nicht mehr verlassen können. Deshalb finden dort Gespräche und - an Weihnachten - Gottesdienste statt. Ursula Summa bietet in acht Kliniken Meditationen an, "eine halbe Stunde Stille, da geht keiner raus." Viele Teilnehmer sagten hinterher, das habe ihnen gut getan, was sie toll finde.
Alle Veranstaltungen - darunter eine ganze Reihe von Highlights wie Konzerte und Musicals - der beiden Kur-seelsorgestellen sind in zwei handlichen und übersichtlichen Broschüren aufgelistet. Deren Auflage beträgt knapp 8000 Stück. Die Hefte liegen in den Bad Kissinger Kirchen aus, in Informationsstellen und in Kliniken.
Die Kurseelsorger der beiden großen christlichen Kirchen arbeiten eng zusammen, sie praktizieren Ökumene. Bei den Katholiken ist Gemeindereferentin Ursula Summa dafür verantwortlich (Telefon: 0971/ 78 57 02 93 oder 0151/ 10 63 17 23. Ihre Sprechzeiten: freitags von 10 bis 11.30 Uhr oder auch nach Vereinbarung im Kontaktpunkt, Ludwigstraße 7). Unterstützt wird Ursula Summa von Kontaktpunkt-Leiter Bernd Keller. Das Pastorenehepaar Claudia Weingärtler und Wolfgang Ott sind die evangelischen Kur- und Rehaseelsorger (die Sprechzeiten im "Menzelzimmer" im Arkadenbau: dienstags von 11 bis 12 und von 14 bis 15 Uhr sowie nach Vereinbarung; Telefon: 0971/ 785 36 46). Sie werden unterstützt von Pfarrer Jochen Wilde sowie - von Juli bis September - von Kirchenrat i. R. Detlev Hapke und Pfarrer i. R. Rudolf Ranzenberger. ed