Bad Kissingen
Engagement

Einblicke in den Pflegealltag im Parkwohnstift

Nun ist das Parkwohnstift kein typisches Altenheim - Bezirksrätin Angelika Strobel hat beim Awo-Rollentausch dennoch einen Einblick in die Arbeit der Pflegekräfte bekommen. Ein Vormittag im Altersheim der Extraklasse.
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"Wenn der Kuchen im Ofen ist, riecht's nach Weihnachten", sagt Betreuungsassistentin Cornelia Loos.
"Wenn der Kuchen im Ofen ist, riecht's nach Weihnachten", sagt Betreuungsassistentin Cornelia Loos.
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Vorbei an Clubräumen, Billardzimmer und Kegelbahn geht es in den kleinen Einkaufsladen im ersten Untergeschoss der Seniorenresidenz Parkwohnstift.

Vor dem Verkaufstresen von Lena Schlereth erstrecken sich genau zwei Gänge.
In den ersten Regalreihen stehen Kondensmilch, Kaffee, Zucker und Tee. Geöffnet ist an sieben Tagen die Woche, immer Vormittags. Die Verkaufsschlager sind Süßigkeiten, Wein und Zeitschriften. Im Angebot ist, was nachgefragt wird.
Schlereth besorgt auch mal Aftershave bei Douglas, Rheinländisches Bier, oder, erst letztens gewünscht: größere Tic-Tacs.

Eine kleine Frau, beige Steppjacke, rosa Schirm über dem Handgelenk, hat bereits bezahlt, ihre Sachen verpackt, da greift sie in ihre Tasche, holt ein kleines Bonbon raus, das sie im Vorbeigehen auf den Tresen legt. Lena Schlereth steckt es schnell ein und sagt: "Danke".

Genau darum, sagt Angelika Strobel, mache ich mit. "Die Verbundenheit von den alten Leuten zu sehen, und zu erleben, was man alles zurückbekommt."

Angelika Strobel ist 65 Jahre alt, aus Werneck, Rentnerin, für die Linke aber noch als Bezirksrätin tätig und heute für vier Stunden als Hilfskraft in der Bad Kissinger Seniorenresidenz Parkwohnstift. Rollentausch nennt sich die Aktion, organisiert vom Awo Bezirksverband Unterfranken. Rund 15 Personen haben sich unterfrankenweit an der Aktion beteiligt, darunter mehrere Bürgermeister, Mitglieder des jeweiligen Bezirkstages, des Landtages und der Presse, sagt Pressereferentin Stefana Körner. Ziel der Aktion sei es, die Politiker selbst erleben zu lassen, was es heißt, in der Pflege tätig zu sein und so den Dialog zwischen Politik und Wohlfahrtsverbänden neu beleben.

Für Angelika Strobel nichts neues, bereits im vergangenen Jahr hatte sie beim Rollentausch mitgemacht, damals im Seniorenheim in Bad Brückenau. "Da ist es hier im Parkwohnstift schon anders", sagt sie. Mehr Hotel als Altenheim, mehr Perlenketten als Infusionsschläuche. Im Fahrstuhl sind drei Stockwerke ausgezeichnet: Gartenweg, Sonnenschein und Meerblick.

260 Bewohner leben in Appartements - das größte ist 100 Quadratmeter groß und kostet bis zu 4000 Euro im Monat. Betreutes Wohnen in einer ganz eigenen Kategorie. Wenn es irgendwo Meerblick gibt, dort muss er sein. Neben den Appartements gibt es auch eine ganz normale Pflegestation, 76 Personen liegen dort.
Auf den Esstischen in der Stationsküche liegen Sets mit den Namen der Bewohner, an der Wand hängt in großen Zahlen das heutige Datum, daneben ein Bild mit dem Wort "Winter". Spätestens hier erinnert auch das Parkwohnstift an ein gewöhnliches Altersheim. Auch Geld macht nicht jünger.

Gebacken wird jeden Freitag. Die Betreuungskräfte laufen dann durch die Station und fragen, wer Lust hat. Zwischen fünf und neun Leute finden sich immer. Darunter meist auch zwei Männer. Einer davon ist Herr Schell. Ein freundlicher alter Mann, 78 Jahre, roter Pullover und elegante Herrenuhr. Er hört ein bisschen schlecht. Vor ein paar Tagen war er beim Kegeln. Da habe er so viel Bewegung gehabt - besser als jedes Fitness-Studio. Er lächelt nur, als Ergotherapeutin Sabine Robinson sagt: "Herr Schell, wenn sie noch länger rühren, haben sie morgen Muskelkater."

Herr Schell hat es gern ordentlich. Er setzt sich erst wieder hin, als er den Teig in der Backform komplett eben gestrichen und die Backüberreste vor sich auf dem Tisch zuerst mit einem Lappen, dann noch mit dem Zipfel seiner Schürze bis auf den letzten Teigflecken entfernt hat.


Kuchen als Erinnerung an Früher

Frau Viering, schlohweißes Haar, um den Hals eine Perlenkette, ist 80 Jahre alt, sitzt in einem ausgepolsterten Pflegerollstuhl mit Kopfstütze und besteht darauf, selber mit dem Handrührgerät das Eigelb mit Butter und Zucker schaumig zu schlagen. Es gibt Gewürzkuchen. Frau Vierings Lieblingskuchen ist Käsekuchen. Den Quark dafür, sagt sie, habe sie früher immer selber gemacht.

Frau Viering gegenüber sitzt Frau Schwarze, sie hält vorsichtshalber die Schüssel fest. Schwarze ist fast jeden Freitag dabei. "Ich muss nicht immer mithelfen, einfach nur dabei sein, das reicht mir schon."
Den Kuchen gibt es später zum Kaffee, jetzt gibt es erstmal Mittagessen. Angelika Strobel hilft, die Bewohner nach dem Backen wieder auf ihre Zimmer zu bringen.

Ob wohl nächste Woche schon Plätzchen gebacken werden, will Frau Viering wissen. Plätzchen, sagt Robinson, gibt es erst in der Adventszeit. Nächste Woche, da gibt es Käsekuchen.
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