Frauenroth
Kulinarisches

Ein Hoch auf die Bratwurst

Die Metzgerei Alles veranstaltet ein Bratwurstfestival. Etwa 20 Sorten werden am Wochenende gereicht.
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Metzgermeister und Juniorchef Markus Alles bereitet den Darm für die Bratwurstfüllung vor, während Lehrling Christopher Albert die Würste abbindet und somit portioniert. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
Metzgermeister und Juniorchef Markus Alles bereitet den Darm für die Bratwurstfüllung vor, während Lehrling Christopher Albert die Würste abbindet und somit portioniert. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
Wie soll sie sein, eine richtig gute Bratwurst? Eine klare Antwort darauf gibt es nicht. Der eine mag sie schön "rösch", also dunkel und ganz knusprig gebraten. Anderen wiederum reicht eine gesunde Grillbräune aus. Geschmacklich mögen die meisten eine gut gewürzte Wurst, nicht zu salzig, aber auch nicht zu lasch. Mancher legt zudem auch Wert auf etwas Gaumenkitzel, erzeugt durch Kräuter, spezielle Würzungen oder Schärfe. Und dann wäre da noch die Konsistenz. Sie reicht von fein und fest über saftig bis hin zu grob und krümelig.
Die Liste der Bratwursteigenschaften ließe sich noch beliebig fortsetzen, schließlich gibt es die beliebte Grillspezialität in verschiedenen Regionen mit entsprechenden Besonderheiten, wie etwa die Thüringer Roster oder die Rote Wurst im Schwäbischen. Und dann wäre noch das Thema Senf. Für manche ist er unverzichtbares Accessoire, andere leben nach der Devise: "Eine gute Wurst braucht keinen Senf". Soll heißen: Ob die Bratwurst gut ist, entscheidet die Herstellung.


Wunderbar wandelbar

Die läuft in der Metzgerei Alles in Frauenroth momentan auf Hochtouren. Mehr als 20 verschiedene Sorten wollen die beiden Metzgermeister Markus und Rainer Alles mit Lehrling Christopher Albert bis zum Wochenende herstellen. Schließlich findet auf dem Hof der Familie in Frauenroth das erste Bratwurstfestival statt, verwandelt sich das 180-Seelen-Dorf zum Mekka für Bratwurstfans. "Die Idee dazu haben wir schon länger", erklärt Juniorchef Markus Alles. Schließlich sei das Produkt Bratwurst wunderbar wandelbar. "Man muss sich nur trauen, etwas auszuprobieren", fügt der 30-Jährige hinzu.
Ein Standardrezept für die Bratwurstherstellung habe er nicht, auch kein Rezeptbuch. "Das habe ich alles im Kopf". Vielmehr müsse man zunächst wissen, ob man eine grobe, mittelgrobe oder feine Wurst herstellen möchte und welche Sorte Fleisch zum Einsatz kommen soll - Rind, Schwein, Geflügel oder Lamm. Das seien die Grundvoraussetzungen, entsprechend würden die Gewürze und Beigaben ausgewählt. Auch die seien wichtig. Denn um eine gute Bratwurst herzustellen, brauche man Zutaten mit richtig guter Qualität.
Seit etwa zwei Jahren experimentieren er und sein Vater mit Bratwurstrezepturen, probieren stets neue Variationen aus. Deshalb gibt es an den Wochenenden während der Grillsaison etwa zehn verschiedene Sorten. Die beiden Metzgermeister wollten zeigen, dass eine handwerklich hergestellte Bratwurst ihre Vorzüge hat.


Experimentierfreude

Mit ihrer Experimentierfreude haben die beiden inzwischen nicht nur Kreationen wie etwa die Hirtenbratwurst mit Tomaten und Schafskäse, die Schwarzbier- oder Kartoffelbratwurst geschaffen, sondern auch ihre Mitstreiter angesteckt. Lehrling Christopher Albert beispielsweise, der erst seit September zum Metzger ausgebildet wird, hat bereits das Modell "Angry Beef" entwickelt. Es handelt sich dabei um eine etwas schärfere Wurst aus Rindfleisch. Selbst Markus' Frau Bianca hat eine eigene Sorte, Biancas Bacon Bratwurst, ausgetüftelt, obwohl sie eigentlich keine Bratwürste isst. Nun hat die Metzgerei mit dieser sogar eine Silbermedaille beim Internationalen Qualitätswettbewerb des Deutschen Fleischerverbandes gewonnen.


Auszeichnungen

"Insgesamt wurden vier unserer Bratwurstsorten ausgezeichnet", sagt Markus Alles. Ebenfalls mit Silber prämiert wurde die Rhöner Apfel- und die Grobe Bratwurst. Gold bekam die Rhöner Lammbratwurst. "Die Urkunden werden beim Bratwurstfestival am Wochenende überreicht", so Rainer Alles.
Ursprünglich hatte die Familie die Idee, das Fest mit mehreren Metzgern der Region zu veranstalten, um die Vielfalt aufzuzeigen. Entsprechend sei die Fleischerinnung informiert worden. "Jedoch hat sich nix getan", erklärt der Seniorchef. Lediglich Hubert Gleisner aus Wittershausen, der Wildbratwürste produziert, habe sich gemeldet. Diese werden neben den hauseigenen am kommenden Wochenende angeboten. Bleibt zum Schluss noch die Frage: Wie soll sie denn nun sein, die richtig gute Bratwurst? Auch die beiden Metzgermeister können das nicht beantworten. "Das muss jeder für sich entscheiden", so Markus Alles.

Programm Das Festival beginnt Samstag, 28. Mai, mit Betriebsführungen zwischen 10.30 Uhr und 16.30 Uhr, ab 14.30 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen, ab 17.30 Uhr Bratwurstbuffet, ab 18 Uhr spielt das Duo Franken Mix. Am Sonntag, 29. Mai, findet um 10 Uhr ein Gottesdienst in der Frauenrother Kirche statt, ab 11.30 Uhr gibt es Mittagstisch, ab 13 Uhr folgen Festansprachen zum fünfjährigen Bestehen der Metzgerei, ab 14.30 Uhr folgen erneut Kaffee und Kuchen, es spielt die Musikkapelle Frauenroth. Um 17.30 Uhr gibt es eine Verlosung.

Historie Nach Angaben des Deutschen Fleischerverbandes verzehrt jeder Deutsche etwa 2,6 Kilo Bratwürste pro Jahr (Stand 2013). Urkundlich erwähnt und beschrieben ist die Bratwurst erstmals in Thüringen. Das historische Dokument dazu ist auf das Jahr 1404 datiert. Doch auch vorher gab es bereits Bratwürste, in Nürnberg tauchen sie in einer Ratssatzung von 1303 auf. Die Ursprünge der Herstellung von Wurst dieses Typs wurden von Historikern bei den Kelten entdeckt, die diese Speise den Römern weitergaben. Anschließend nahm die Verbreitung ihren europaweiten Lauf. (Quelle: Deutsche Lebensmittelgesellschaft DLG).



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