Münnerstadt
Kirche

Ein Augustiner plaudert aus seinem Leben

"Unterwegs als Augustiner" war das Erzählcafé im Juliusspital betitelt. Der 83-jährige Augustinerpater P. Jordan Fenzl erzählte von seinem abwechslungsreichen Ordensleben. Im Betreuten Wohnen des Augustinerkonvents St. Michael in Münnerstadt verbringt er seinen Lebensabend.
Artikel drucken Artikel einbetten
Pater Jordan Frenzel. Foto: maa
Pater Jordan Frenzel. Foto: maa

1930 wurde er in Roßau im Egerland nahe der Grenzstation Waidhaus geboren. Er wuchs mit drei Geschwistern in einer Bäckerfamilie auf, wo er auch gerne mithalf. Er kam aufs Gymnasium nach Mies bei Pilsen. 1945 wurde das Internat aufgelöst, in dem er wohnte. Er erinnerte sich, dass er für die amerikanischen Besatzungssoldaten Dolmetscher spielen durfte. Damit er seine Ausbildung fortsetzen konnte, verließ er heimlich seine Heimat und kam nach Weiden ins Studienseminar der Augustiner. Dort fasste er den Entschluss, selbst Augustiner zu werden. Um den Orden näher kennenzulernen, wechselte er nach Münnerstadt in die Klosterschule. Nach dem Abitur 1952 begann er hier das einjährige Noviziat. Dies war geprägt von strengen Regeln, erzählte er. Bereits fünf Minuten vor fünf Uhr am Morgen ging es in die Klosterkirche zum Meditieren. Um sechs Uhr war die hl. Messe. Der Novizenmeister P. Navigius habe ihn auch an Sauberkeit gewöhnt. Er musste ein Jahr lang "Zimmerkatze" sein und für Ordnung sorgen. Die Gemeinschaft mit den Mitbrüdern hinterließ gute Eindrücke. Besonders das Fußballspiel am Samstag bereitete ihm Vergnügen. Nachdem er 1957 die Ewige Profeß abgelegt hatte und zum Priester geweiht worden war, begann für ihn ein abwechslungsreiches Ordensleben. Seine ersten Priesterjahre verbrachte er in Würzburg als Krankenhausseelsorger und Religionslehrer und in Günzburg als Präfekt im neu eröffneten Internat der Augustiner. In der Stuttgarter Diaspora half P. Jordan eine neue Klosterniederlassung zu gründen. Es wurden eine Kirche und ein Jugendhaus gebaut. Ökumene sei damals noch klein geschrieben worden. Aber P. Jordan erinnerte sich, dass er gemeinsam mit evangelischen Mitchristen unterwegs war, um für die Anschaffung von Kirchenglocken zu sammeln.
Für den Bau eines Kindergartens konnte er vom evangelischen Bürgermeister eine große Summe Geldes erhalten. Das Augustinerkloster bekam eines Tages einen Mercedes geschenkt, mit dem P. Jordan zum Betteln von Lebensmitteln ausfuhr. Er stellte in das Autofenster ein Schild "Dieses Auto wurde uns gespendet".
1965/66 wurde P. Jordan als 1. Stadtkaplan nach München versetzt. Er war damals zusammen mit dem ehemaligen Münnerstädter Pfarrer P. Rainer Nörthen. Gerne war P. Jordan auch als Nikolaus in Familien unterwegs. Am Wochenende ging er in die Münchner Fußballstadien. Dabei habe er seine Gunst gleichermaßen zwischen Bayern und Sechzigern verteilt.
1973 kam er wieder nach Günzburg, diesmal als Prior und Direktor des Internats. Diese Zeit bezeichnet er rückblickend als die schönste Zeit seines Lebens. Leider wurde das Internat fünf Jahre später aufgelöst, nachdem im Umkreis mehrere neue Gymnasien entstanden waren. In der Diözese Augsburg wurde P. Jordan mit der Betreuung der Heimatvertriebenen beauftragt. Er bekam ein Büro mit Sekretärin im Bischöflichen Ordinariat. Für die Heimatvertriebenen organisierte er pro Jahr sechs Wallfahrten, dabei kam er auch nach Lourdes, Mariazell und Altötting.
Mit 63 Jahren wurde er nochmals als Prior und Pfarrer nach Wien versetzt. Die dortige Augustinerkirche war die ehemalige Hofkirche des österreichischen Kaiserhauses. Pater Jordans Wirken wurde auch mehrfach ausgezeichnet. Er trägt den Titel "Geistlicher Rat", erhielt das Bundesverdienstkreuz am Bande und wurde in Wien zum "Erzbischöflichen Konsistorialrat" ernannt.


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren