Hammelburg
Stadtgeschichte

Durch ihre Bilder leben sie weiter

Josef Kirchner hat sich mit der Historie der Fotografen in Hammelburg befasst.
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Aus den 60er Jahren stammt diese Aufnahme, die Hedi Hepperlin von Sprösslingen des Kindergartens St. Josef in Hammelburg geschossen hat. Beim jährlichen Sommerfest zeigten die Kleinen ihren Eltern verschiedene Aufführungen. Fotos: Archiv Josef Kirchner
Aus den 60er Jahren stammt diese Aufnahme, die Hedi Hepperlin von Sprösslingen des Kindergartens St. Josef in Hammelburg geschossen hat. Beim jährlichen Sommerfest zeigten die Kleinen ihren Eltern verschiedene Aufführungen. Fotos: Archiv Josef Kirchner
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Eine lange Tradition hat die professionelle Fotografie in der Saalestadt. Das machte Josef Kirchner mit einem Vortrag im Geschichtskreis deutlich. Im Jahre 1842 kam Michael Spahn in die Stadt. "Er war der erste, der sich mit der Fotografie beschäftigt hat", hat Kirchner herausgefunden.
Spahns Sohn Andreas kaufte 1860 in der Weihertorstraße ein Haus und eröffnete hier ein Fotogeschäft. Auch dessen Filius Hans trat in die Fußstapfen des Vaters und übernahm das Geschäft im Jahre 1900. Bereits sieben Jahre später verkaufte er es aber an seinen Gesellen Oscar Hepperlin.
Hans Spahm wurde 1910 vom königlich-bayerischen Armeekorps nach Grafenwöhr berufen. Dort setzte er die berufliche Familientradition fort. So berichtet der Grafenwöhrer Stadt-Anzeiger im April 2010 über das 100-jährige Jubiläum des Fotostudios Spahn.

Verwundete im Bürgerspital

Ein weiterer Fotograf in Hammelburg war Martin Redwitz. Er war ab 1863 für einige Jahre in der Stadt tätig. Danach eröffnete er in Bad Neustadt an der Saale ein Atelier. "Von ihm besitzen wir ein Foto vom Bruderkrieg nach dem Gefecht bei Hammelburg am 10. Juli 1866. Verwundete werden im Bürgerspital von den Klosterschwestern versorgt", erläutert Josef Kirchner den Hintergrund der Aufnahme.
Aus Nürnberg kam Hans Alberti nach Hammelburg. Er eröffnete 1906 ein Fotogeschäft und 1913 ein Stummfilm-Theater in der Weihertorstraße. Hier wurden die Vorführungen mit einem Klavier begleitet.
Der Truppenübungsplatz Hammelburg, der 1895 eröffnet wurde, war für die Fotografen Hepperlin und Alberti eine gute Einnahmequelle. Beide eröffneten im Lager eine Niederlassung. "Unzählige Soldatenfotos und Ansichtskarten wurden von den Soldaten gekauft und in alle Gegenden verschickt", weiß Josef Kirchner.
Nach dem Tod von Oscar Hepperlin 1931 führten seine Frau Hedwig und die Tochter Hedi das Fotogeschäft weiter. Hedi Hepperlin war auch einige Jahre bei der Bundeswehr in Lager Hammelburg beschäftigt, bis sie dann wieder nach Hause musste, weil ihre Mutter schon recht betagt war.
Im Jahre 1946 kam dann Fotgrafenmeister Josef Hersche als Heimatvertriebener mit seiner Familie nach Hammelburg. Zunächst pachtete er das Fotogeschäft Alberti in der Weihertorstraße. Einige Jahre später kaufte er ein Wohnhaus in der Kissinger Straße und eröffnete hier ein Fotogeschäft. Sein Sohn Christian führte dieses weiter.

Apparate wurden erschwinglich

Mit Einführung der D-Mark im Zuge der Währungsreform begann das Wirtschaftswunder. "Jede Familie konnte sich jetzt einen Fotapparat kaufen", erinnert sich Kirchner. Hepperlin und Hersche hatten im Laufe der Jahre viele Stammkunden gewonnen. Insbesondere die Zunahme der Farbfotografie, die nun auch für Otto Normalverbraucher erschwinglich wurde, belebte das Geschäft sehr.
Eine weitere technische Innovation, die Einführung der Digitalfotografie, führte indes dazu, dass der herkömmliche Fotoapparat immer mehr an Bedeutung verlor. "Wenn auch die Berufsfotografen in unserer Stadt ausgestorben sind, so leben sie doch mit den zahlreichen historischen Fotografien weiter", unterstreicht der Hammelburger.
Die Sammler alter Posktarten, Helmut Leidner, Helmut Emmert, Erich Hutzelmann und Lothar Sikora, haben viele hundert, teils rare und wertvolle Stücke zusammengetragen. So bleiben die Aufnahmen der Hammelburger Fotografen unvergessen.



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