Stangenroth
Wildtiere

Drei Luchse im Kreis Bad Kissingen heimisch

Immer wieder wird die große Raubkatze im Landkreis gesichtet. Experten vermuten, dass die Tiere aus dem Harz eingewandert sind.
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Am Sonntag ist Michael Söder am Basaltwerk Stangenroth auf den Luchs gestoßen.  Foto: Michael Söder
Am Sonntag ist Michael Söder am Basaltwerk Stangenroth auf den Luchs gestoßen. Foto: Michael Söder
Am Basaltwerk in Stangenroth wurde er jetzt wieder fotografiert: der Luchs. Michael Söder aus Waldberg war gerade beim Lauftraining für einen Marathon, als er in einigen Metern Entfernung eine Bewegung im Gebüsch wahrgenommen hat. "Ich habe zuerst den Kopf und die Ohren gesehen. Das war das einzige, was sich bewegt hat", berichtet der 30-Jährige. Ansonsten war das Tier perfekt getarnt.

Wegen der charakteristischen Pinsel auf den Ohren sei ihm klar geworden, dass es sich um die große Raubkatze handle. "Ich bin stehen geblieben und habe mich nicht bewegt, um ihn nicht zu erschrecken", sagt Söder. Trotzdem hat er vorsichtig seine Kamera rausgeholt und Bilder gemacht. Als der Luchs am Ende ganz langsam aufgestanden ist und sich seelenruhig getrollt hat, war der Sportler erleichtert. "Ich war froh, dass er nicht in meine Richtung gelaufen ist." Nach der ersten Überraschung habe sich die Situation aber schnell als ungefährlich herausgestellt.


Ostluchs und Westluchs

Schon im Oktober wurde ein Luchs am Basaltwerk gesichtet, im Dezember haben Jäger wieder einen bei einer Drückjagd am Totnansberg nördlich von Burkardroth gesehen. "Wir vermuten, dass es immer dasselbe Tier ist, das östlich der Autobahn agiert", sagt Wolfram Zeller, Leiter der Bayerischen Staatsforsten Bad Brückenau. Es handle sich um ein starkes, wahrscheinlich männliches Exemplar. Es durchstreift ein etwa 10 000 Hektar großes Gebiet, vom Salzer Forst im Landkreis Rhöngrabfeld über den Kreuzberg Südhang und die Schwarzen Berge bis zur A7.


Geringe Scheu vor Menschen

"Es gibt weitere Luchse westlich der Autobahn", berichtet der Förster. Er geht davon aus, dass dort zwei weitere große Raubkatzen heimisch sind. Der Neuwirtshäuser Forst und Umgebung gehören zum Streifgebiet eines körperlich etwas schwächeren Tieres. Im Sinntal lebe ein stärkeres Exemplar. Dass es sich bei dem Luchs im Sinntal und den von Stangenroth um ein und das selbe Tier handelt, ist zwar denkbar, aber laut Zeller "eher unwahrscheinlich". Das Tier müsste dazu regelmäßig die Autobahn überqueren. Die fehlende Scheu der Rhöner Luchse - immerhin lassen sie Menschen auf bis zu 50 Meter Nähe herankommen - deute auf eine Herkunft aus dem Harz hin. "Luchse wurden dort aufgepäppelt und ausgewildert", sagt er. Die Angstfreiheit vor dem Menschen kann von einer Generation an die nächste weitergegeben werden.

Dass der Luchs in der Gegend Fuß fasst, wertet der Förster als erfreuliche Entwicklung. "Die Arten die früher als Konkurrenz zur Jägerschaft massiv bekämpft wurden, sind wieder auf dem Vormarsch", sagt er. Bei Naturfreunden und Wanderern überwiege die Neugier und das Interesse nach einer Begegnung mit der Raubkatze.
Es gibt aber auch Bedenken und Ängste, nicht ganz unbegründet: Im Dezember hat der Luchs aus dem Neuwirtshäuser Forst bei Schönderling drei Rehe aus einem Wildtiergehege gerissen. Bisher blieb es ein Einzelfall. "Es ist kein weiteres Nutzwild mehr zu Schaden gekommen", weiß Zeller. Der Schaden für Jäger durch Luchse sei überschaubar. Die Raubkatze schlägt in ihrem riesigen Streifgebiet etwa 50 Rehe pro Jahr und damit nur einen kleinen Bruchteil des ganzen Bestandes. Durch Zusammenstöße mit Autos verenden mehr Tiere. Nichtsdestotrotz haben die Bayerischen Staatsforsten, die Untere Jagdbehörde sowie die Hegegemeinschaft die Entwicklung im Blick.
 


Der Luchs in Bayern

Kennzeichen Ein ausgewachsener Luchs wird etwa so groß wie ein Schäferhund und wiegt rund 20 Kilogramm. Sein Fell ist gefleckt. Besondere Merkmale sind die Pinselohren. In der freien Wildbahn wird die Raubkatze zwischen acht und 15 Jahren, in Gefangenschaft sogar bis zu 20 Jahre alt.

Vorkommen Der Luchs lebte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts als in den Wäldern der bayerischen Gebirge, danach wurde er ausgerottet. Erst in den 1970er Jahren gelang auf Initiative von Naturschützern eine Wiederansiedlung im Bayerischen Wald. Nach dem Bären und dem Wolf ist der Luchs das größte europäische Landraubtier. Mittlerweile leben nach aktuellen Schätzungen vom Bund Naturschutz zwischen zehn und 20 erwachsene Luchse im Bayerischen Wald, entlang des Oberpfälzer Waldes und des Fichtelgebirges. Die in der Rhön lebenden Tiere waren bislang nicht näher erfasst.

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