Bad Kissingen
Erlöserkirche

Die Würde des Anlasses blieb immer gewahrt

Der Fernsehgottesdienst des ZDF kam am Sonntagvormittag live aus der Erlöserkirche in Bad Kisssingen. Trotz der Kameras im Kirchenschiff blieb der geistliche Aspekt der Messe zum Toten- und Ewigkeitssonntag immer im Vordergrund.
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Pfarrer Wolfgang Ott am Sonntagmorgen im Gottesdienst der Erlöserkirche in Bad Kissingen: Seine Predigt und der gesamte Gottesdienst wurden vom ZDF live übertragen. Es war für die Beteiligten und die Gottesdienstbesucher ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Foto: Gerhild Ahnert
Pfarrer Wolfgang Ott am Sonntagmorgen im Gottesdienst der Erlöserkirche in Bad Kissingen: Seine Predigt und der gesamte Gottesdienst wurden vom ZDF live übertragen. Es war für die Beteiligten und die Gottesdienstbesucher ein sehr beeindruckendes Erlebnis. Foto: Gerhild Ahnert
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Totensonntag oder Ewigkeitssonntag heißt der letzte Sonntag im Kirchenjahr, der letzte Sonntag vor dem 1. Advent. Beide Begriffe umreißen, was gläubige Christen mit dem Tod verbinden: Die positive Aussicht auf ein besseres, erfülltes, "neues" Leben in Ewigkeit.
Am Ewigkeitssonntag gedenken evangelische Christen ihrer Verstorbenen und das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) hat an diesem besonderen Tag den immer sonntags live gesendeten Fernseh-Gottesdienst aus der
Erlöserkirche in Bad Kissingen übertragen. Dabei haben Patienten aus dem Kurort ihre persönlichen Gedanken zu Leben und Sterben und Erwartung im Glauben mitgeteilt.

Rund 700 000 Zuschauer

Als Klinikseelsorger an einer der größten Reha-Kliniken in Bad Kissingen ist Klinikpfarrer Wolfgang Ott in seiner täglichen Arbeit ständig mit Fragen zu Leben, Sterben und dem Warum konfrontiert. Er war Zelebrant dieses besonderen Gottesdienstes zum Totensonntag, den rund 700 000 Zuschauer nicht nur in Deutschland in der Fernseh-Liveübertragung mitgefeierten.
"Grenzenloser Lebensmut" lautete ihr Motto und den bezeugten vor allem drei ehemalige Patienten, die Pfarrer Ott bei ihrer Krankheit begleitete: Detlef Rausch, den ein Burnout aus dem erfolgreichen Berufsleben gerissen hat, Heidi Sattes-Müller, die aufgrund einer Borreliose ihren Beruf als Schäferin bereits in jungen Jahren nicht mehr ausüben kann, und Christel Schultes, die nach langem Koma nun im Rollstuhl sitzt. Sie gaben offen Auskunft darüber, wie ihre Krankheiten ihrem vorherigen Leben ein abruptes Ende bereiteten und wie sie durch ihren Glauben zu einem erfüllten Leben trotz der Krankheit zurückgefunden haben. Sie erzählten, wie sie diese Erfahrung befähigt, sich nun ihrerseits der Betreuung von Kranken zu widmen.
Die Äußerungen dieser drei Betroffenen bildeten das Zentrum des Gottesdienstes. Religionspädagoge Martin Vogtmann bettete die Selbstbekenntnisse der ehemaligen Patienten ein in Psalmworte der Heiligen Schrift und besorgte die Lesung aus dem 21. Kapitel der Offenbarung des Johannes.

Musikalische Begleitung

Zuversicht auf die "Erlösung" und das Aufgehobensein in Gottes Hand hatten alle Gemeindelieder des Gottesdienstes zum Inhalt, die Kirchenmusikdirektor Jörg Wöltche, der musikalische Leiter der Sendung, auf der Orgel begleitete. Das Kammerorchester der Erlöserkirche, ein Novum für die seit 1979 ausgestrahlten Fernsehgottesdienste, wie Frau Rudloff betonte, leistete einen großen Beitrag zur feierlichen Gestaltung. Die fünfzehn Laienmusiker spielten unter der Leitung ihrer Konzertmeisterin Christel Gimmler.

Sehr eindrucksvoll

Er war ein äußerst eindrucksvoller Lohn der Anstrengungen aller Beteiligten über die letzten Wochen und Monate und der minutiösen und stressigen Arbeit anhand eines sekundengenauen Drehbuchs, unter dem Druck der Live-Ausstrahlung mit unzähligen Scheinwerfern an allen Ecken und Enden, umringt von drei Kameras im Kirchenraum und einer auf der Empore. Dank der Professionalität des Aufnahmeteams und der gründlichen Vorbereitung der Mitwirkenden aus Bad Kissingen vollbrachten die Beteiligten eine präzis ablaufende Sendung, die aber dennoch die technischen Aspekte des Gottesdienstes nicht in den Vordergrund geraten ließ, diesem seine Würde und unmittelbare Wirkung ließ.
Das war auch der Tenor der Aussagen der Gottesdienstbesucher. Ludwig Schüssler meinte, "es war so überwältigend und so begeisternd, dass ich darüber hinaus keine Worte mehr finde. Es war sehr schön." Für Herbert Schmidt aus Bad Kissingen war ein anderer Aspekt noch wichtig: "Es ist auf jeden Fall einmal eine Möglichkeit, Gottes Wort auch einmal in ein weiteres Publikum zu bringen. Und was mir auch wichtig ist, dass sehr viele Gläubige die Gelegenheit wahrgenommen haben, auch mal so einen Ablauf zu sehen. Wie professionell die Herren vom ZDF das alles so gehandelt haben. Dass die geplante Renovierung unserer Kirche noch nicht den optimalen Zustand hat, hat mich natürlich ein bisschen traurig gemacht."

Eine Bereicherung

Magda Henneberger (Kissinger Neubürgerin, aus Karlstadt zugezogen): "Aus dem Gottesdienst mitgenommen habe ich Bereicherung in Krankheit, Trost und neuen Lebensmut zum Schöpfen." Auch Marius Meinck (Gymnasiast der 8. Klasse aus Bad Kissingen) zog ein sehr positives Resümee des Fernseh-Gottesdienstes aus seiner Heimatstadt: "Ich war sehr beeindruckt von dem Ganzen. Die Musik von dem Orchester, und dass so viele Menschen da waren. Und einfach die Stimmung."
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