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Bad Bocklet
Vortrag

Die Trauer gehört zum Leben

Vielen Eltern fällt es schwer mit ihren Kindern über den Tod zu sprechen. Bei einem Elternabend gab Gabriela Amon Tipps für den Umgang mit der Trauer.
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Kinder haben oft einen anderen Weg zu trauern, aber es ist wichtig, die Trauer zuzulassen und mit ihnen darüber zu reden. Das machte Gabriela Amon in einem Infoabend für Eltern deutlich. Symbolbild: Arne Dedert/dpa
Kinder haben oft einen anderen Weg zu trauern, aber es ist wichtig, die Trauer zuzulassen und mit ihnen darüber zu reden. Das machte Gabriela Amon in einem Infoabend für Eltern deutlich. Symbolbild: Arne Dedert/dpa
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Der Tod ist eines der großen Tabuthemen in unserer Gesellschaft. Nur selten kommen wir mit ihm in Berührung, gesprochen wird so gut wie überhaupt nicht mehr über ihn. Dabei gehört das Sterben ebenso zum Leben dazu wie die Geburt. Es ist eines der wenigen Dinge, denen wir unausweichlich ausgeliefert sind. Und weil kaum mehr über den Tod gesprochen wird, fällt es auch den Eltern zunehmend schwerer, bei Fragen ihrer Kinder dazu die richtigen Worte zu finden.
Dennoch spüren die Kinder die Sorgen und Ängste ihrer Eltern und werden selbst unsicher, wenn sie nicht darüber reden können.
"Mit Kindern über den Tod eines nahestehenden Menschen sprechen zu können fällt uns nie leicht - ist aber sehr wichtig, damit die Kinder ihre und unsere Gefühle bzw. Reaktionen einordnen und verstehen können", erklärt die Krankenhaus-Seelsorgerin, Gestaltungspädagogin und Erzieherin Gabriela Amon (Bad Kissingen). Auch als Notfallseelsorgerin vor Ort wird sie immer wieder mit dem Thema Tod und Sterben konfrontiert. Darüber referierte sie auf dem Elternabend in Bad Bocklet, der im Kursaal stattfand.


Großes Interesse

Unter der Überschrift "Warum bist Du so traurig?" gab sie zahlreiche Praxisbeispiele und Möglichkeiten des Umgangs mit der Trauer. Dass dieses Thema einen Nerv getroffen hat zeigte die Tatsache, dass fast 50 junge Eltern, aber auch Erzieher aus den Kindergartenteams aus Steinach, Aschach, Bad Bocklet, Nüdlingen und Haard zum Infoabend gekommen waren. Dabei kamen auch Betroffene zu Wort, deren Partner früh gestorben ist und sie erzählten, wie sie und ihre Kinder mit dieser Tatsache umgegangen sind.
Wichtig sei in jedem Fall, dass mit den Kindern überhaupt über den Tod gesprochen werde, gerade, wenn ein solcher Trauerfall im unmittelbaren Lebensumfeld stattfindet. "Wenn dies nicht getan wird, dann können die Kinder an solcher Sprachlosigkeit zerbrechen", erklärte Amon. "Ich kann mir gut vorstellen, dass sie mit ihren Kindern nicht über Trauer sprechen wollen - aber auch diese ist Teil des Lebens und darf nicht verschwiegen werden", so die Krankenhaus-Seelsorgerin.
Dafür müsse man sich erst einmal seiner eigenen Gefühle klar werden und seine eigene Trauer begreifen. Diese sollte man vor den Kindern auch nicht verbergen, da sonst bei ihnen das Gefühl aufkommen kann, dass man selbst gefühlskalt ist.


Neue Identität entwickeln

Auch die Trauer hat eine wichtige Funktion im Leben, wie der Psychologe James William Warden richtig erkannt hat. "Es geht darum die Realität zu erkennen und den Abschiedsschmerz zu durchleben. Man muss dabei die Tatsache verinnerlichen, was genau passiert ist und aus diesen Vorgängen eine neue Identität entwickeln", erklärte Amon. Sie zeigte in ihrem Vortrag auch auf, wie sich das Verständnis von Tod je nach Lebensalter der Kinder unterschiedlich entwickelt und ging darauf ein, wie man als Elternteil oder Erzieher die Kinder bei der Trauerbewältigung unterstützen kann.
Wichtig sei es, die Kinder immer auch in den Prozess miteinzubinden. So solle man fragen, ob beispielsweise Kinder noch einmal ans Totenbett oder mit zur Beerdigung gehen wollen und ihre Wünsche dann dementsprechend akzeptieren. "Ich glaube, dass Kinder sehr gut spüren, was sie verkraften können und was nicht", so Amon. Wichtig sei, dass die Kinder selbst entscheiden können auch im Hinblick darauf, dass sie so aus ihrer Ohnmachtssituation herauskommen, die der Tod automatisch mit sich bringt.
Dabei gelang es Gabriela Amon, mit dem Thema sehr behutsam und gefühlvoll umzugehen. Mit Beispielen aus ihrer Praxis als Notfall-Seelsorgerin sorgte sie dafür, dass den anwesenden Eltern und Erziehern die Angst vor Gesprächen über den Tod genommen wurde - gerade auch deshalb, weil Amon immer wieder betonte, dass man die eigene Unsicherheit beim Umgang mit dem Tod zulassen und auch darüber mit den Kindern sprechen solle. Auch auf Tabuthemen wie Suizid ging sie ein und den Umgang mit solchen Vorfällen.


Wertvolle Praxisbeispiele

Der Abend war sehr eindringlich und informativ, Gabriela Amon verstand es mit ihrer warmen und einfühlsamen Art, die Angst vor dem Sprechen über den Tod zu nehmen und vermittelte zudem wertvolle Praxisbeispiele. Zahlreiche Themen wurden angesprochen, unter anderem auch Gottesbilder und welche Jenseitsvorstellung für die Kinder hilfreich sein kann. Dabei hatte sie weiterführende Literatur mitgebracht, zum einen natürlich für die Eltern, aber auch für Kinder anhand von Bilderbüchern und Geschichten, mit deren das Phänomen des Todes und der Trauer kindgerecht vermittelt werden kann.