Oerlenbach
Integration

"Die Sprache ist das A und O"

Peter Iberl trainiert mit Asylbewerbern die deutsche Sprache. Und stellt dabei die ersten Erfolge fest.
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Sprache ist die Basis für die Asylbewerber, sich in völlig fremder Umgebung zurechtzufinden. Grundkenntnisse vermittelt Lehrer i. R. Peter Iberl, der mit einem Besuch in einem Einkaufsmarkt praktische Ansätze für die Menschen aus Syrien und Südosteuropa vermittelt.  Foto: Stefan Geiger
Sprache ist die Basis für die Asylbewerber, sich in völlig fremder Umgebung zurechtzufinden. Grundkenntnisse vermittelt Lehrer i. R. Peter Iberl, der mit einem Besuch in einem Einkaufsmarkt praktische Ansätze für die Menschen aus Syrien und Südosteuropa vermittelt. Foto: Stefan Geiger
"Die Sprache ist das A und O". Diese Überzeugung bringt Lehrer i. R. Peter Iberl einigen Asylbewerbern näher, die seit Dezember in Ebenhausen wohnen und wöchentlich zweimal in die Schule nach Oerlenbach kommen. Iberl will sie mit Beispielen aus dem Alltag an die deutsche Sprache heranführen. In Zusammenarbeit mit Gemeinde und Volkshochschule hat Iberl ein Finanzierungskonzept für das Sprachangebot entwickelt.


Der Unterricht läuft in der Mittelschule Oerlenbach, wo Räume und Medien genutzt werden können. Auf diese Sonderaufgabe hat sich der pensionierte Lehrer über Fortbildungen eingestimmt. Aktuelle Lehr- und Arbeitsbücher finanziert das bayerische Sozialministerium. Alltagssituationen greift das Lehrbuch "Berliner Platz 1" mit Video- und Hörspielszenen auf. "Damit lässt sich ganz gut arbeiten", erklärt Iberl, "die lebensnahen Beispiele verdeutlichen, worauf es ankommt, um in Deutschland Fuß zu fassen".

Die Asylbewerber müssen sich mit einem Euro pro Stunde an den Kosten beteiligen. "Das machen sie gerne", berichtet Iberl, bedauert aber, dass regelmäßig nur acht der 23 Erwachsenen kommen. Als kürzlich Faschingsferien waren, brachten die Eltern auch ihre Kinder mit. Für Iberl kein Problem, denn für alle möglichen Situationen bringt er aus seinem Erfahrungsschatz als Lehrer reichlich Kreativität und Anpassungsvermögen mit. Immer hat er seine Gitarre dabei, um mit Liedern zum Erlernen der deutschen Laute beizutragen.

Die Proben fielen gut aus

"Es macht mir mit den Asylbewerbern viel Spaß. Die Teilnehmer machen toll mit und müssen das Erlernte in Tests beweisen. Die beiden Proben mit Wort- und Satzaufgaben sind sehr gut ausgefallen", lobt Iberl. Die Leistungen hätten motiviert, mit noch mehr Eifer an die Aufgabe heranzugehen. Auf ehrenamtlicher Basis gibt es Unterstützung für Kindergarten, Schule und Alltagssorgen. Dass dabei Helfer an Grenzen stoßen, verdeutlichte vor kurzem ein Treffen mit der Regierung von Unterfranken und der Caritas.

Die Asylbewerber kommen aus Syrien und Südosteuropa. 11 Kinder besuchen die Schule, die meisten der 13 Kleinkinder den Kindergarten. Alle hoffen, in Deutschland Bleibe zu finden und einen Neuanfang zu starten. Diesem Ziel dient die sprachliche Kompetenz, die Peter Iberl mit einem Einkaufsbesuch im Oerlenbacher Edeka-Markt vor Ort praktizierte. Ganz neugierig waren die Asylbewerber auf all das, was in den Regalen steht oder an der Fleischtheke serviert wird. Immer wieder setzt Iberl sein iPhone ein, um nach der Wareneingabe gleich die Übersetzung in verschiedene Sprachen aufzurufen. "Das ist eine ganz tolle Sache. Die Asylbewerber haben Handys und können sich mit diesen Übertragungen gut orientieren", betont Iberl.

Mit jeder Stunde gewinnen die Asylbewerber an Selbstsicherheit und Mut, in der für sie fremden Welt Tritt zu fassen. "Auch mich bereichert diese Aufgabe, für die ich gerne zusätzliche Zeit in die Vorbereitung investiere", sagt Iberl. Und freut sich aufs nächste Treffen.
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