Hammelburg
Zucht

Die Schafe wandern aus

Familie Scherpf hat 55 Zuchtschafe und zwei Böcke aus dem Saaletal an einen großen Betrieb in der Ukraine verkauft. Die Nachfrage ist groß.
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Thorsten Scherpf bringt die Herde von Zuchtböcken abends in den Stall, da lockt leckeres Futter.  Foto: Elisabeth Assmann
Thorsten Scherpf bringt die Herde von Zuchtböcken abends in den Stall, da lockt leckeres Futter. Foto: Elisabeth Assmann
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Normalerweise herrscht Ruhe um Mitternacht am Schafstall der Familie Scherpf in Hammelburg. Aber heute hat sich ein besonderer Tiertransporter angemeldet. Mehrmals ändert sich die angekündigte Ankunftszeit des Lasters der Firma vom Allgäu. Er kommt gerade leer von Spanien und wird im Saaletal 55 Zuchtschafe und zwei Böcke für einen Betrieb in der Ukraine laden. "Wir könnten noch mehr Zuchttiere verkaufen, aber wir brauchen auch Schafe für die Nachzucht in unserem eigenen Herdbuchbetrieb," erklärt Seniorchef Bonifaz Scherpf.
Bevor die Tiere aufgeladen werden konnten, gab es einige Vorarbeiten. Eine Delegation des Käufers besuchte alle fünf Schäfereien, die in Frage kamen und suchte insgesamt 270 Zuchttiere aus. Dann mussten die Schafe über Blutuntersuchungen auf Krankheiten getestet werden und standen seit März diesen Jahres in Quarantäne.
Auch beim Zielort werden die Tiere zur Sicherheit für die Herdengesundheit nochmals separat gehalten. Jedes Schaf hat eigene Papiere, die im sogenannten Herdbuch erfasst werden. Dieses Zuchtbuch wird vom Zuchtverband geführt und enthält beglaubigte Abstammungsnachweise aller Zuchttiere. So können Rassen reinrassig gezüchtet und seltene Rassen erhalten werden. Auch die Papiere mussten für den Transport vorbereitet werden. Rund eine Stunde dauert es, bis alle Tiere verladen sind. Die Lkw-Fahrer und die drei Schäfer Thorsten, Bonifaz und Andrzej arbeiten ruhig und konzentriert. Schafe sind Herdentiere. Läuft ein Tier in den Wagen, stürmen alle anderen hinterher. Das lässt sich durch geschicktes Locken und Zurufen steuern.
Nach dem Stopp in der Schäferei Scherpf kommen noch Schafe von vier anderen Betrieben aus Bayern dazu bei diesem Tiertransport. Die Transporteure bemerken: Dies ist schon die fünfte Fahrt 2017 zu dem gleichen Betrieb in der Ukraine. Der Besitzer baut eine große Herde von Merinolandschafen auf, errichtet auf seinem Betrieb auch Ferienwohnungen für Gäste. Weideland ist im Gegensatz zu Deutschland genügend vorhanden.


Gesicherter Abnahmemarkt

"Wir haben unsere Herdbuchschafe auch schon nach Serbien, Kroatien und Bosnien verkauft, erklärt Thorsten Scherpf stolz. Entgegen dem Trend, dass immer mehr Wanderschäfer vor Ort ihren Betrieb aufgeben, hat die Schafzucht über Auktionen einen relativ gesicherten Abnahmemarkt. Neben dem Zuchtbetrieb führt Thorsten Scherpf mit Schäfer Andrzej eine zweite Merinoherde, die extensiv genutzte Flächen wie auf dem Truppenübugsplatz beweidet.
Das Merinolandschaf ist eine Zweinutzungsrasse, das heißt Fleisch und die Wolle können vom Menschen verwendet werden. Sie ist in Deutschland mit 30 Prozent am häufigsten anzutreffen. Als Eigenschaft stechen hervor, dass die Merinolandschafe sehr robust, geländetauglich und fruchtbar sind. Sie haben eine feine, hochwertige Wolle, sie wachsen schnell und sind einfach zu halten.
Die Fahrer achten darauf, dass die wertvollen Tiere die rund 1500 Kilometer lange Reise gut überstehen. Daher auch die Fahrt in der Nacht.
Maximal 24 Stunden dürfen die Tiere am Stück transportiert werden. Aber in diesem Fall werden die Schafe schon am kommenden Tag ausgeladen und nach einer Pause wieder aufgeladen. Im Laster werden die Tiere in Boxen von je 25 Tieren auf drei Etagen mit Kühlung durch Ventilatoren transportiert.
Nach gut einer Stunde sind alle Schafe sicher aufgeladen und transportbereit. Nun ist der LKW auf den Weg nach Irmelshausen. Dort warten die nächsten Schafe auf ihre Fahrt in die neue Heimat.
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