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Münnerstadt
Klerus

Die Pfarrer treffen vier Mal ins Schwarze

Die Bayerische Klerus- Fußball-Auswahl gibt ein Gastspiel in Münnerstadt. Die Pfarrer beeindrucken mit Technik, Kampfgeist ... und einem ganz jungen Nachwuchsstar.
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Spannende Torraumszenen, technisch guter Fußball: Die Bayerische Klerus-Auswahl spielte am Sonntagnachmittag gegen eine Promi-Auswahl mit Vereinsvorständen aus Münnerstadt ein Auftaktspiel zur Bayerischen Klerus-Meisterschaft. Fotos: Peter Seufert/Gerti Ziegler
Spannende Torraumszenen, technisch guter Fußball: Die Bayerische Klerus-Auswahl spielte am Sonntagnachmittag gegen eine Promi-Auswahl mit Vereinsvorständen aus Münnerstadt ein Auftaktspiel zur Bayerischen Klerus-Meisterschaft. Fotos: Peter Seufert/Gerti Ziegler
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Paul schreibt Fußballgeschichte. Nicht nur der FC Bayern. Paul ist acht Jahre alt und hat heute seinen großen Auftritt in der Bayerischen Klerusmannschaft. Das ist sowas wie die Bayerische Nationalmannschaft der Pfarrer. Und Paul darf mitspielen.
Nervös ist Paul nicht. Im Gegenteil: Selbstbewusst läuft er auf, als er in der 30. Minute der ersten Halbzeit eingewechselt wird. Seine Mannschaft spielt zum Auftakt der Bayerischen Klerusmeisterschaften im Fußball - gestern auf dem Sportgelände des TSV Münnerstadt - gegen eine Promi-Mannschaft aus den Münnerstädter Vereinen, die Ex-Bürgermeister Eugen Albert und TSV-Vorstandsmitglied Roland Ballner aufgestellt haben.

Guter Draht nach oben

Doch aller Augen richten sich am Sonntagnachmittag auf die fußballspielenden Pfarrer. Die sieht man auch nicht jeden Tag spielen. Und sie haben einen guten Draht nach oben. Wirklich. "Ich hab' mit einem Kollegen telefoniert", erzählt Helmut Kormann, der Manager des Teams, "und der hat mir gesagt, dass der einzige Fleck in Bayern, auf den heute (Sonntagnachmittag, Anm. d.Red.) die Sonne scheint, Münnerstadt ist."

Da kann es ja losgehen mit den fußballspielenden Pfarrern. Nun ja, nur Pfarrer sind es auch nicht in der Mannschaft, wie Paul beweist. Es sind auch Diakone und Pastoralreferenten dabei, die Mannschaftsmanager Kormann aufgeboten hat. Darunter ist Diakon Michael Nowak (Pfarreiengemeinschaft Theres, Wonfurt und Steinfels), der ebenfalls im Team steht und der Papa von Paul ist.

Die Bayerische Klerus-Auswahl bestreitet pro Jahr etwa sechs Spiele, in unterschiedlichen Formationen. "Wer kann, ist dabei", so Mannschaftsmanager Helmut Kormann. Für das Gastspiel in Münnerstadt stehen natürlich die Lokalmatadoren im Mittelpunkt: Markus Reis, Augustiner und Stadtpfarrer ist dabei, Michael Kubatko, Pfarrer in Bad Bocklet.

Kubatko mit eigenem Fanclub

Kubatko ist einer der Motoren in der Klerus-Mannschaft. Er ackert auf dem Platz, zeigt seine ganze Klasse, was sich in zwei Toren niederschlägt. Motiviert wird er nicht nur von seinen Kollegen, er wird auch angefeuert von einem kleinen Fanclub, der aus Bad Bocklet und Windheim nach Münnerstadt gekommen ist. Eigens Fähnchen mit dem Konterfei des Pfarrers haben sie dabei und sind mit ihren Anfeuerungsrufen nicht zu überhören. Jeder Torschuss Kubatkos wird mit Applaus kommentiert.

Pater Eric Englert ist dabei, er ist Präsident von Missio München, er war zwölf Jahre lang Provinzial der deutschen Augustiner und lange Jahre Direktor des Studienseminars in Münnerstadt.

Allenthalben freut man sich ob der Begegnung auf dem Fußballplatz, ein Deja-Vu für etliche Akteure auf dem Feld, denn Pater Eric hat früher bei den Mittwochsfußballern mitgespielt. "Der Eifer übertrifft das Können", sagt Pater Eric selbst von seinem fußballerischen Vermögen, das er aber keinesfalls unter den Scheffel stellen muss.

Dreh- und Angelpunkt der Klerikermannschaft ist Diakon Gerhard Rummel als Türkheim im Unterallgäu. Ihm merkt man an, dass er Kapitän der AH Mannschaft seiner Heimatgemeinde ist, er wirbelt im Mittelfeld und ist torgefährlich: Das 1:0 für die Kleriker markiert er nach einem Solo durch die Promi-Hintermannschaft, er umspielt am Ende auch Torwart Johannes Wolf (Top-Leistung, viele Paraden).

Dem Promi-Team merkt man an, dass es noch nie in dieser Formation zusammengespielt hat. Man geht diszipliniert zu Werke. Mit Norbert Düring steht ein Mesner in der Mannschaft und Herbert Schleier (Großwenkheim) sorgt in der 1. Halbzeit für eine stabile Abwehr.

Mit Klaus Katzenberger, Claus Schmitt und Michael Nöth weiß man drei erfahrene Reichenbacher Fußball-Teutonen in den Promi-Reihen. Allerdings: Ihr Team bringt wesentlich mehr Gewicht auf die Waage als die Pfarrer. Das macht sich bei der Kondition bemerkbar, unter anderem bei Saale-Zeitung Redaktionsleiter Paul Ziegler, der sich in der ersten Halbzeit redlich müht und im zweiten Abschnitt doch mehr den Mittelkreis bewacht.

Der Sitzungspräsident trifft

Dass es am Ende mit einem 4:4 Unentschieden ein gerechtes Ergebnis gibt, dafür ist vor allem der Sitzungspräsident der Kolpingsfamilie Münnerstadt, Andreas Albert, verantwortlich. Er verwandelt in der 19. Minute einen Foulelfmeter - auch Pfarrer grätschen im Strafraum von hinten - und steuert zwei weitere Tore zum letztendlichen Unentschieden bei. Dass es ein Unentschieden noch wurde, ist Michael Kubatko zu verdanken. Er stellt kurz vor Schluss mit einem Volleyschuss ins lange Eck (Haltungsnote 10,0) den Ausgleich her. Das passt.

Das Einlagespiel zum Auftakt der Bayerischen Meisterschaft der Kleriker war gelungen, keine Frage. Die Zuschauer hatten ihre Freude an dem Kick, die Mannschaften begegneten sich auf gleichem Niveau und es war schön, sich in diesem Kreis und bei dieser Gelegenheit zu treffen. Und Paul? Er war am Ende ganz stolz. "Das hat Spaß gemacht", sagte der Jüngste, der vielleicht jemals in einer Pfarrer-Fußball-Mannschaft mitspielen darf.

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