Bad Kissingen
Winterzauber

Die Musik hat den Gospelsänger wieder

Es war fast wie ein Besuch bei ihm zu Hause, dieses Konzert mit Reggae-Ikone Wally Warning im Rossini-Saal.
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BUZ: Zurück auf der Bühne im begeisterten Rossini-Saal: Reggae-Ikone Wally Warning und seine Tochter Ami beim ersten Konzert nach seiner schweren GBS-Erkrankung im Juli 2016. Foto: Gerhild Ahnert
BUZ: Zurück auf der Bühne im begeisterten Rossini-Saal: Reggae-Ikone Wally Warning und seine Tochter Ami beim ersten Konzert nach seiner schweren GBS-Erkrankung im Juli 2016. Foto: Gerhild Ahnert
Als bei ihm im Juli 2016 die seltene Guillain-Barré-Krankheit (plötzliche allgemeine Muskelschwäche) zuschlug, musste er alle Konzerte für 2016 absagen. So war der Auftritt in Bad Kissingen der erste, in dem er wieder fit genug war für ein öffentliches Konzert. Der als Ewald Warning auf Aruba auf den Niederländischen Antillen geborene Sänger betrachtet seine Krankheit und Genesung auf seine ganz persönliche und von tiefer Religiosität geprägte Art: Wie ihn Jesus einst von einem Moment auf den anderen von seiner Drogensucht befreit hat, hat er auch seine fast vollständige Heilung nach nur fünf Monaten bewerkstelligt. Warning versteht sich als Gospelsänger: "Ich liebe die Reggae-Rhythmen, aber meine Musik ist Gospel-Musik. Meine Botschaft von Jesus verpacke ich in verschiedene Rhythmen. In den Reggae-Rhythmus, manchmal in Funk, manchmal bluesig und manchmal ein wenig soulig."

Zusammen mit seiner Tochter Amira (Ami) feierte er im Rossini-Saal vor allem im ersten Teil des Konzerts seine Genesung mit vielen Songs, in deren Mittelpunkt stand, was für ihn persönlich am wichtigsten ist: In "Slow down" ruft er dazu auf, sich selbst zu finden; "Mama Nature" führt vor Augen, was das Geld mit der Natur gemacht hat, "Overcome Babylon" empfiehlt in Rastafari-Tradition, den Sündenpfuhl der westlichen Welt hinter sich zu lassen. Bei seiner Familie bedankte er sich mit "Family" und "Thankful" für deren große Unterstützung. Tochter Ami feierte er mit "Foundation" und erzählte von seiner Hoffnung während seiner Krankheit, wieder einmal mit ihr aufzutreten. Den sehr bekenntnishaften ersten Teil schloss das Duo mit dem Folk-Gospel-Song "Amen", bei dem das Publikum auch zaghaft mitsang.


Längere Zeit gemeinsam

Tochter Ami musiziert mit ihrem Vater schon längere Zeit auf der Bühne, hat von ihm das Gitarre-Spielen gelernt, in verschiedenen Bands als Bassistin gespielt. Wenn die beiden zusammen singen, ist es verblüffend, wie ihre rauchige, soulige Stimme zu der klaren, wendigen, zu Ausflügen in große Höhen fähigen Stimme ihres Vaters passt. Sie war in diesem Konzert aber nicht nur als Backup und Duopartnerin dabei, sondern Wally räumte ihr großen Raum ein. Denn sie hat sich auch schon gelöst vom bloßen Mitmusizieren mit dem berühmten Vater. Natürlich kommt ihr zugute, dass sie heimisch geworden ist in seinem Repertoire, das kaum in einer Musikrichtung festzumachen ist, doch von Latino- und Reggae-Rhythmen weitgehend geprägt. Aus diesem ihrem 1. Album sang sie "A blessing and a curse" zur Rhythmusgitarre, während ihr Vater sie mit schönen Basslinien begleitete.


Neuerdings auch auf Deutsch

Und sie hat begonnen, ihre eigenen Songs auf Deutsch zu schreiben. In "Frei für ihn" mit der jugendlich unvorsichtigen Idealvorstellung "Frei fühlen und springen, um tief zu fallen" zeigte sie, dass sie thematisch und musikalisch einen ganz anderen Weg einzuschlagen vorhat. Und ganz im Singer-Songwriter-Stil folgte ihr Solo-Vortrag: "Ich hänge an dir, aber du hängst nicht an mir!"


Rätselhaftes Instrument

Für den zweiten Teil ihres Programms hatten die beiden Highlights aus dem Programm ihres Vaters mitgebracht. Und ein Instrument, das er in München, wo er wohnt, in einem Musikladen entdeckt hat. Keiner wusste, was man damit macht, denn man kann nur einen Akkord einstellen und bei dessen Wiederholung meditieren. Wally hatte auf diese Shrutibox einfach ein Pickup gesetzt und benutzte das "eintönige Akkordeon" effektvoll als Percussion-Instrument bei seinem alten Song "Promises" und einem Song in der auf Aruba heimischen Sprache Papiamento.

Ebenfalls aus Aruba stammt der Tanz "Tumba", bei dem Wally das Publikum zum Tanzen aufforderte, was aber angesichts des vollen Saales trotz der mitreißenden südamerikanischen Rhythmen nicht ganz so einfach war. Das Mitsingen der Aufforderung "La gabai!" (Loslassen!) in "Material" zeigte allerdings, dass einige Aficionados sogar den ganzen Text parat hatten und mitsingen konnten. Das Mitklatschen im Reggae "We don't wanna fight" brachte allerdings doch den Saal in Schwung, womit eine der vier offiziellen Zugaben schon mit der Aufforderung endete: "Love and peace - Sing it!" Großen Jubel gab es bei der tollen rhythmischen Gestaltung von Amis wildem Frauensong "Be myself" mit dem Bekenntnis "Ich muss immer ich selbst sein." Und natürlich bei Wallys einstigem Sommerhit "No Monkey". Ein wirklicher Höhepunkt des Abends war der Song "Stormy" mit einer wunderbar als Dialog gestalteten stürmischen Beziehungsgeschichte.

Eigentlich sah man Wally beim tosenden Schlussapplaus mit vielen Bravos an, dass er ziemlich geschafft war nach diesem ersten Konzert, aber einige rabiate Fans holten die beiden, als fast alle schon draußen waren, noch einmal aus der Garderobe für eine eigene Zugabe. Ein Konzert mit einer großartigen, vielseitigen Musikerpersönlichkeit mit enormer Ausstrahlung und seiner auch für die Zukunft vielversprechenden Tochter.
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