Münnerstadt
Ausstellung

Die Motorisierung des Fahrrads

Im Henneberg-Museum ist ein breites Spektrum an kleinmotorisierten Fahrzeugen zu sehen.
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Ivan Sojc vom Deutschen Fahrradmuseum Bad Brückenau gab nach der Eröffnung der Sonderausstellung einen Einblick in die Motorisierung des Fahrrads. Foto: Björn Hein
Ivan Sojc vom Deutschen Fahrradmuseum Bad Brückenau gab nach der Eröffnung der Sonderausstellung einen Einblick in die Motorisierung des Fahrrads. Foto: Björn Hein
Für Fahrradfreunde wird in den Galerie-Räumen des Henneberg-Museums in Münnerstadt noch bis 31. August etwas ganz Besonderes geboten. "Vom Hühnerschreck zum Schluchtenflitzer - wie das Fahrrad den Motor bekam und ein echtes Motorrad werden wollte", so ist die Sonderausstellung überschrieben, die seit Sonntag besucht werden kann. Bürgermeister Helmut Blank freute sich, die Ausstellung eröffnen zu dürfen.
"Sie korres-pondiert hervorragend mit dem Oldie-Treffen, das heute in Münnerstadt stattfindet", sagte er.

Erfindungsreichtum

Wie Museums-Leiter Björn Hein betonte, wird in der Sonderausstellung ein breites Spektrum an kleinmotorisierten Fahrzeugen beleuchtet, die in Augenschein genommen werden könnten. "So wird ein Fenster in die jüngere Geschichte eröffnet, die den Erfindungsreichtum gerade der notleidenden Nachkriegsgeneration vor Augen führt", betonte er.
Doch auch wenn die Not damals groß war, auf eine Motorisierung wollte man dennoch nicht verzichten. Schon damals sei laut Hein die heute vielbeschworene Mobilität von den Menschen gefordert worden, die bereits der damaligen Zeit ihren Stempel aufdrückte, und in deren Verlauf zahlreiche Erfindungen gemacht wurden, die das Leben erleichterten.
Wie der Museumsleiter ausführte, habe man schon seit der Einführung der Verbrennungsmotoren in den 1880er und 90er-Jahren versucht, das Fahrrad zu motorisieren. Konnte die verarmte Bevölkerung doch im besten Fall auf einen Drahtesel zurückgreifen. Motoren wurden an den verschiedensten Stellen am Rad angebracht, man experimentierte mit Zwei- und Viertaktmotoren. Letztendlich kam man jedoch zu dem Schluss, dass die Konstruktionen zu schwer für die Fahrräder waren - Gabel- und Rahmenbrüche waren an der Tagesordnung.
Etwas Neues musste her - seit 1952 entwickelten Hersteller wie NSU und Zündapp eine neue Fahrzeugart: das Moped (ein Kunstwort aus "Motor" und "Pedale"). "Das Ganze wurde ein wirtschaftlicher Erfolg, und die Kunden wollten auch Sport und Luxusmodelle", merkte Hein an. Im Zeichen des Wirtschaftswunders wollten die Menschen dann sehr bald ein Auto, so dass die Kleinmotorisierung stärker in den Hintergrund gedrängt wurde. Als Fachmann für die Zweiräder war Ivan Sojc vom Deutschen Fahrradmuseum in Bad Brückenau vor Ort, um durch die Ausstellung zu führen. Dort waren neben einem Verkaufsladen aus den 50er Jahren zahlreiche motorisierte Zweiradunikate zu bestaunen. Ein Kuriosum war unter anderem das Tandem- Motorfahrrad "Sachsfil", das im Jahr 1952 gebaut wurde.
Interessant war auch das Rahmenprogramm zur Vernissage. Im Innenhof des Deutschordensschlosses standen viele kuriose Räder zum Ausprobieren bereit. Unter anderem ein Hochrad, verschiedene Fahrräder mit "Harley"-Fahrgefühl, aber auch Artisten- und Spaß räder. Für die Unterhaltung sorgte die Band Venus, und das Team von Kultourismus kümmerte sich um das leibliche Wohl der Gäste. khb


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