Burkardroth
Visitation

Die Kirche soll im Dorf bleiben

Was tun, wenn es keine Kandidaten für den Pfarrgemeinderat gibt? Bischof Dr. Friedhelm Hofmann informiert sich bei der Rundfahrt über die Situation im Markt Burkardroth - Austausch mit den Ehrenamtlichen vor Ort.
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Bischof Dr. Friedhelm Hofmann begrüßte zu Beginn der Rundfahrt in Burkardroth alle Teilnehmer persönlich. Foto: Markus Hauck/ pow
Bischof Dr. Friedhelm Hofmann begrüßte zu Beginn der Rundfahrt in Burkardroth alle Teilnehmer persönlich. Foto: Markus Hauck/ pow
Ein Bus voll mit Ehrenamtlichen, begleitet von den verantwortlichen Seelsorgern, und an der Spitze Bischof Dr. Friedhelm Hofmann: Eine besondere Rundfahrt durch die Pfarreiengemeinschaft "Der Gute Hirte im Markt Burkardroth" hat im Rahmen der Visitation des Dekanats Bad Kissingen am Samstag stattgefunden. Acht von zehn Gotteshäusern der zwölf Ortschaften umfassenden Pfarreiengemeinschaft besuchte der Bischof und stellte sich jeweils vor Ort den Fragen und Anliegen der
Gemeindevertreter. In der Pfarrkirche von Burkardroth hatte er am Morgen die Tageszeitenliturgie gebetet, in Waldfenster feierte er zum Abschluss des Tages ein Pontifikalamt.

"Ein wirkliches Kleinod", lobte der Bischof die renovierte ehemalige Kloster- und heutige Filialkirche Sankt Blasius in Frauenroth. "Was lässt sich tun, um zu verhindern, dass unsere Kirche zum Museum wird, weil es nur noch wenige Gottesdienste, meist Taufen oder Hochzeiten, hier gibt?", wollte Maria Hartmann, örtliche Vertreterin des Pfarrgemeinderats Burkardroth, vom Bischof wissen. Der empfahl, andere Gottesdienste wie Rosenkranz, Andachten oder die Tageszeitenliturgien anzubieten. "Das neue Gotteslob bietet viele Anregungen."

Die Heizung ist zu teuer

In Stralsbach wurde die Kirche in den 1970er Jahren durch einen zeltartigen Anbau erweitert. Der ist für die heutige Sonntagsgemeinde überdimensioniert, das Beheizen im Winter überfordert die Möglichkeiten der Kirchenstiftung, erläuterte Kirchenpfleger Erwin Grom dem Bischof. Dessen Vorschlag: nach Möglichkeit für die Gottesdienste in den historischen Teil der Kirche umzuziehen. Ähnliche Sorgen trugen in Gefäll Pfarrgemeinderatsvorsitzende Melanie Wehner und Kirchenpfleger Hartwig Voll vor. Bischof Hofmann regte an, ein Abtrennen der 1978 geweihten seitlichen Anbauten mittels gläserner Wände prüfen zu lassen. Was die aufgrund seltener großer Gottesdienste vor Ort fehlenden Einsatzmöglichkeiten für Chor und Blaskapelle von Gefäll betrifft, empfahl der Bischof, Einsätze innerhalb der Pfarreiengemeinschaft zu prüfen.

In der Filialkirche Sankt Johannes Enthauptung in Lauter klagte Pfarrgemeinderatsvorsitzende Ute Weissenberger, dass es dort keine Osternacht, keine Christmette, keine Feier der Erstkommunion mehr gebe. Auch Bischof Hofmann bedauerte diese durch die Pfarreiengemeinschaft bedingte Zentralisierung in größere Kirchen. "Das ist schade, aber erscheint uns derzeit als der einzig sinnvolle Weg." Auch in Lauter regte der Bischof an, dass die Gläubigen vor Ort die Kirche für verschiedene andere liturgische Feiern nutzen sollten.

Im Altarbereich zu eng

Auch in Katzenbach ist die 1956 erbaute Kirche relativ eng kons truiert, vor allem im Altarbereich. Für eine Renovierung wünschte sich Kirchenpfleger Ewald Metz Unterstützung des Bistums für eine Neugestaltung zum Beispiel mit flexibler Bestuhlung oder abtrennbarem Altarbereich. Wichtig sei es, vor einem möglichen Umbau ein Gesamtkonzept zu entwickeln, hob Bischof Hofmann hervor.

Anders geartet sind die Herausforderungen in Oehrberg. Einen "Riesentempel" hat die Filiale nach den Worten von Pfarrgemeinderatsvorsitzender Barbara Markert: zu groß für die Zahl von Gottesdienstbesuchern, aber in der Pfarreiengemeinschaft gerne genutzt bei Terminen wie der Erstkommunion. Es gebe bereits Planungen, den Anbau als Jugendraum abzutrennen und die Lampen aus Wartungsgründen niedriger zu hängen. "Was uns wichtig ist: Wir bringen uns gerne in Eigenleistung ein, möchten aber nicht, dass in Würzburg gesagt wird, was wir zu machen haben." Auch diese Anliegen nehme er gerne mit, sagte der Bischof.

Die Gemeinde hielt sich fern

In Stangenroth gibt es an diesem Nachmittag erstmals keine größere Gruppe von Gläubigen, die den Bischof begrüßt. Für Kirchenrechnerin Christina Keßler symptomatisch für die Pfarrei: Die Gottesdienste seien gut besucht, aber bei der Pfarrgemeinderatswahl gab es keine Kandidaten. Jetzt versuchten die vier Leute der Kirchenverwaltung und freiwillige Helfer, das Pfarreileben aufrechtzuerhalten. Hofmann nannte diese Situation beängstigend und kündigte an, den Ursachen auf den Grund zu gehen. Er schlug vor, junge Menschen anzusprechen. Kindergärten seien hierfür besonders geeignet. "Positive Erlebnisse zu schaffen ist ein Prozess, der Zeit braucht."

Die Pfarrkirche Sankt Laurentius in Premich wurde grundlegend saniert und unter anderem auch bei Heizung und Beleuchtung fit gemacht. "Der Farbtopf allein reicht nicht", betonte Kirchenpfleger Hubert Herbert. "Das ist zum Abschluss unserer Rundfahrt wirklich ein Highlight", zeigte sich der Bischof von der sanierten Kirche angetan.
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