Ludwig Dietz ist stocksauer: Wenn die Bad Kissinger Stadtwerke mit ihrem Antrag Erfolg hätten und das Wasserschutzgebiet bei Münnerstadt wirklich erweitert würde, dann wäre sein landwirtschaftlicher Betrieb in seiner Existenz bedroht. Dann würde ihm "jede Möglichkeit genommen, wirtschaftlich zu arbeiten", klagt er.
Zusammen mit einigen Berufskollegen und Vertretern des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) war der Schweinezüchter und -mäster am Mittwoch ins Landratsamt gekommen, um seinem Ärger Luft zu machen.

Auf der Suche nach Lösungen


Denn diese Behörde entscheidet über das Gesuch der Stadtwerke. Sie ist an Recht und Gesetz gebunden, machte Thomas Schoenwald deutlich. Seine Abteilung ist zuständig für diesen Verwaltungsakt. Schoenwald gelang es, das anfangs emotional geführte Gespräch auf eine sachliche und ruhige Ebene zu führen. Er ließ anklingen, dass man gewillt sei, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, mit denen alle leben können: "Wir wissen, wie man damit umgeht, wir sind ja nicht weltfremd." Die Regierung von Unterfranken habe aber schon mehrfach gedrängt, jetzt endlich tätig zu werden. Dabei sei die Staatsbehörde als "Herrin des Verfahrens" jedoch auf Gutachten angewiesen, die die Stadtwerke in Auftrag gegeben haben und die das Wasserwirtschaftsamt geprüft habe. Er werde die Einwendungen der Betroffenen "sortieren und an die Fachbehörden weitergeben". Dort würden sie in einem Erörterungstermin behandelt.

Gülleverbot und Wertverlust


Zurück zu Ludwig Dietz und seinem 100-Hektar-Betrieb: Wenn die Verordnung erlassen werde sollte, dürfte er die Schweinegülle - rund 2000 Kubikmeter im Jahr - im Schutzbereich nicht mehr ausbringen. Er müsste diesen natürlichen Rohstoff auf eigene Kosten entsorgen lassen und statt dessen mineralischen Dünger einsetzen. Und auch der hat seinen Preis. Edgar Dömling verwies auf ein anderes Problem: Grundstücke im Schutzbereich würden 25 bis 50 Prozent an Wert verlieren, habe ihm seine Bank gesagt.
Franz-Josef Scheublein hat kein Verständnis für die drohenden Einschränkungen und Verbote, wenn gleichzeitig Tanklaster auf der Autobahn und Kesselwagen auf der Schiene das Schutzgebiet durchquerten.
Edgar Thomas, der stellvertretende BBV-Kreisobmann, nannte die Ausweitung "ein für uns ganz wichtiges Thema". Man vermisse aber bislang - vor allem bei den Stadtwerken - "ein gewisses Entgegenkommen".
BBV-Geschäftsführer Scheuring schlug dem Versorger vor, einen "Kurs in Kommunikation zu belegen". Daran hapere es. Der verweigere sich ("das ist selten") nach dem Motto "wir haben es nicht nötig, mit Betroffenen zu reden". Das irritiere ihn.
Scheuring nannte die Größe des geplanten Schutzgebietes angesichts der tatsächlichen Wasserentnahme "überzogen". So seien Betriebsvergrößerungen nicht mehr möglich. Das sieht auch Bäuerin Petra Schmalbruch so: Es sei dann nicht mehr möglich, einen Stall zu bauen, weil das Fundament nur einen Meter tief sein dürfe.

"Wir sind der Prügelknabe"


Mit Erstaunen vernahmen die Landwirte, dass das Gesetz seit Neuestem unter gewissen Voraussetzungen auf Antrag Entschädigungen vorsehe. Es sei wünschenswert, dass die Stadtwerke freiwillige Zahlungen leisteten, regte Schoenwald an. Er zeigte Verständnis für Landwirte, die besonders stark tangiert würden. Ausnahmen von den Verboten seien denkbar: "Wir wollen ja Rannungen nicht komplett stilllegen." Es sei stets die Frage, wie man es umsetzt.
Der Oberregierungsrat wunderte sich: "Woanders klappt das einvernehmlich". Vielleicht könnten die Stadtwerke einen Kompromiss anbieten: Etwa eine kleinere Schutzfläche bei geringerer Wasserentnahme.
Bad Kissingens Stadtwerke-Chef Manfred Zimmer sagte, die Autobahn A 71 sei "schuld" an den geplanten Schutzzonen, die aus neues geologischen Erkenntnissen resultierten. Sie dienten der Prävention. Die Stadtwerke müssten hier "die nicht ganz nette Position des Hardliners vertreten." Zimmer: "Wir sind der Prügelknabe, da stehen wir auch dazu". Es gehe schließlich um den Schutz des Trinkwassers. Er sei davon überzeugt, dass die Genehmigungsbehörden sorgfältig die Interessen aller Betroffenen abwägen werden, so Zimmer.

Jetzt auf dem Dienstweg


Was so emotional begonnen hatte, endete ganz friedlich. Und weil alles seine Richtigkeit haben muss, hat BBV-Geschäftsführer Scheuring die vierseitige Liste mit Einwendungen und Bedenken an der Behörden-Poststelle offiziell abgegeben.
1,5 Millionen Kubikmeter Wasser fördern die Stadtwerke pro Jahr aus dem Talgrund bei Münnerstadt. 2,5 Millionen dürften es sei. Die Gestattung läuft bis 2022. Jetzt soll der Wasserschutz gesteigert werden. In der Schutzzone wäre vieles nicht erlaubt, was die Qualität des Wassers gefährden könnte: Es darf keine Gülle mehr aufgebracht werden. Auch Keller, Baustofflager und Geothermie werden davon erfasst. ed