Bad Kissingen
Kultur-Knigge

Die Etikette bei Konzert ist im Wandel

Was dürfen Besucher in Konzerten und was sollten sie besser lassen? Wir haben vor Beginn des Kissinger Sommers nachgefragt. Ergebnis: Das hängt auch von Ort und Künstler ab.
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Geiger Janusch Duda (von links) und Kontrabassist Gregor Winkler gestern nach dem Konzert des Kurorchesters. Foto: Ralf Ruppert
Geiger Janusch Duda (von links) und Kontrabassist Gregor Winkler gestern nach dem Konzert des Kurorchesters. Foto: Ralf Ruppert
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Ab heute geben sich in Bad Kissingen wieder einen Monat lang Spitzen-Orchester und Weltstars ein Stelldichein: Die mittlerweile 30. Auflage des "Kissinger Sommers" lockt Besucher aus ganz Deutschland ins Weltbad, manchen Einheimischen schrecken Namen wie Cecilia Bartoli und eine strenge Etikette eher ab. Dabei muss es in und um den Bad Kissinger Regentenbau oder den Bad Brückenauer Kursaal gar nicht so steif zugehen.
Das hat unsere Nachfrage bei Künstlern und Veranstaltern gezeigt.
"Wir sind sehr tolerant, weil wir nicht wollen, dass die Leute Angst haben vor klassischer Musik", sagt etwa Pavol Tkac, Manager des Bayerischen Kammerorchesters Bad Brückenau. "Wir haben noch niemanden abgewiesen, nur weil er nicht entsprechend gekleidet ist." Eine feste Kleiderordnung gebe es auch beim Kissinger Sommer nicht, sagt Mit-Organisatorin Erna Buscham, aber: "Man sollte nicht in kurzen Hosen und Schlappen kommen, die Garderobe sollte dem Festival angepasst sein." Gefragt seien in diesen und vielen weiteren Fragen die Kurwarte vor Ort. Sie wachen auch über das strikte Fotografier-Verbot für Privat-Personen. Früher sei deshalb auch schon mal ein Film aus der Kamera genommen worden, in jüngster Zeit habe es aber keine Verstöße gegeben: "Wir haben ein sehr rücksichtsvolles Publikum", lobt Buscham die Besucher. Wichtig sei, dass die Konzentration weder bei Besuchern, noch bei Künstlern gestört wird. Deshalb sind überall Handy-Klingeln, laute Gespräche und aufdringliches Verhalten tabu.
Auch die Regel, dass zwischen den Sätzen eines Werkes nicht geklatscht wird, sei nach wie vor aktuell, auch wenn das nicht jeder so eng sehe: "David Garrett zum Beispiel stört das nicht, weil er ja viel im Pop-Bereich macht." Beim Bayerischen Kammerorchester gibt es keine Verbotsschilder, sondern Erläuterungen: "Unser Dirigent sagt meist etwas zu den Werken oder gibt auch mal ein Zeichen", sagt Tkac. Immerhin sei Zwischenapplaus bis zur Wiener Klassik üblich gewesen, erst später seien die strikten Regeln des Klassik-Betriebs aufgestellt worden.
Ein Problem ist in allen Konzertsälen das Zu-Spät-Kommen: "Das kann mal vorkommen, aber man sollte dann eben nicht erwarten, sofort in den Saal gelassen zu werden", sagt Tkac. "Nach Beginn wird bis zum nächsten Applaus gewartet, das kann natürlich auch mal 50 Minuten dauern bei einer großen Sinfonie", ergänzt Erna Buscham.
Deutlich lockerer geht es bei den Bad Kissinger Kurkonzerten zu: "Wir pflegen hier die Symbiose zwischen Heilwasser-Trinken und Musik-Hören", sagt Elena Iossifova, Leiterin des Kurorchesters. Die Hauptbühne des 13-köpfigen Salonorchesters ist die Wandelhalle, aber sie spiele auch gerne in den anderen schönen Konzertsälen der Stadt, sagt Iossifova, und: "Im Max-Littmann-Saal benehmen sich die Besucher ganz anders als in der Wandelhalle."
Aber auch Künstler verhielten sich anders: Das Kurorchester breche zum Beispiel bei medizinischen Notfällen immer ab. "Die großen Orchester spielen da vermutlich weiter."
Und welche Besucher wünschen sich die Künstler? "Wir wollen die Leute mitnehmen, sie müssen nur dafür offen sein und nicht dagegen arbeiten", fasst Tkac seine Erwartungen zusammen.

Kissinger Sommer Die 30. Auflage des Kissinger Sommers dauert von heute, Freitag, 19. Juni, bis Sonntag, 19. Juli. Zum Eröffnungskonzert heute spielt das Deutsche Sinfonieorchester Berlin, für morgen und Sonntag stehen jeweils um 11 Uhr eine Klaviermatinee und um 16 Uhr Klavierkonzerte im Programm. Morgen beginnt um 20 Uhr der Duoabend in Bad Brückenau, am Sonntag um 19 Uhr die Rosengala im Max-Littmann-Saal.
Kurorchester Das Bad Kissinger Kurorchester spielt von Dienstag bis Sonntag täglich um 10.30 und um 15.30 Uhr in der Wandelhalle. Dazu kommen einzelne Abendkonzerte, etwa am Dienstag, 23., und Mittwoch, 24. Juni.

Kammerorchester Das nächste Konzert des Bayerischen Kammerorchesters Bad Brückenau ist das Sommerkonzert am Samstag, 18. Juli, mit Picknick.
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