Viele Leser haben durch die Bilder ihre Heimat quasi neu entdeckt. "Das Portal der katholischen Kirche oder das Wasserrad an der Herrenmühle schauen plötzlich ganz anders aus, wenn sie im Detail fotografiert werden", erläutert der engagierte Ruheständler. Die ästhetischen Bilder weckten bei einigen auch schöne Kindheitserinnerungen, hat Weidenthaler erfahren.
Bei einem Besuch in der Stadtverwaltung stellte er fest, dass es hier sehr große Wandflächen gibt, "an denen nix hängt". Das brachte ihn auf die Idee, diese Flächen für eine Ausstellung zu nutzen. Er sprach zunächst mit August Brendan und dann mit Detlef Mohr und konnte die beiden Amtsleiter gleich für seine Pläne begeistern.

Vor allem Heimataufnahmen


Seit gestern ist nun eine Auswahl der Fotografien im Bereich des Bürgerbüros in der Frobeniusstraße 2 zu sehen. Weil die beiden Tausende Bilder ausstellen könnten, wofür der Platz natürlich nicht reicht, sollen die Exponate spätestens alle drei Monate ausgetauscht werden.
Zu sehen sind vor allem Aufnahmen, welche die schönsten Seiten der Heimat in Hammelburg und Umgebung zeigen. "Die Menschen sollen immer wieder mal reinschauen, weil sie wissen, dass es was Neues gibt", so Weidenthaler. Eine zeitliche Begrenzung gibt es für die Ausstellung bislang nicht. Theoretisch könnte sie Jahre dauern.
Ein Anliegen der Bilderschau ist es, ein Forum zu schaffen, um weitere Menschen für das Hobby der Fotografie zu begeistern. "Ziel ist es, in Hammelburg einen Fotoclub ins Leben zu rufen, wie es ihn zum Beispiel in Münnerstadt gibt. Einige der Mitglieder dort sind schon mit Preisen für ihre Arbeiten ausgezeichnet worden", weiß Weidenthaler.

Fruchtbarer Austausch


Mit Sebastian Mützel hat er zumindest schon einen Mitstreiter gefunden, mit dem er auf einer Wellenlänge liegt. Mit ihren Leicas, Wechselobjektiven, Stativ und Wasserwaage ziehen die beiden los, um schöne Motive auf Film zu bannen. Und weil sie ihre Einschätzungen auch gleich austauschen, kann es schon mal passieren, dass sie eine Viertelstunde diskutieren, bevor der Auslöser das erste Mal durchgedrückt wird. "Mich fasziniert die ästhetische Fotografie, mit der Kamera Schönes zu beschreiben und anderen zu zeigen", erklärt Sebastian Mützel.
Dabei hat auch der 25-Jährige sich der analogen Fotografie auf Diafilm verschrieben. "Die Farben sind einfach schöner und natürlicher als bei digitalen Aufnahmen und auch Strukturen kommen besser raus", so Mützels Erfahrung.
Sein Einstieg in das Hobby war vor sieben Jahren die Konzertfotografie. Durch die Bekanntschaft mit Armin Weidenthaler entdeckte er dann auch die Schönheit der Landschaft.

"Teufel ist mein Lehrmeister"


Armin Weidenthaler hat schon in jungen Jahren mit dem Fotografieren begonnen, zwischenzeitlich aber zu wenig Zeit hierfür gehabt. Seitdem er vor rund zehn Jahren in Rente gegangen ist, kann er sich dafür umso intensiver dieser Leidenschaft widmen. Stetig hat er sich fortgebildet, unter anderem Lehrgänge bei dem preisgekrönten Fotografen Heinz Teufel absolviert. "Er ist mein Lehrmeister", bekennt er.

Per E-Mail erreichbar


Weidenthaler und Mützel haben für ihre Kooperation das Signum wei:mü entworfen und sind per E-Mail unter weimue@gmx.de erreichbar. Die beiden hoffen nun, dass sich viele Gleichgesinnte für die Gründung eines Fotoclubs bei ihnen melden.
Bürgermeister Ernst Stross begrüßt die Ausstellung, die jetzt die Gänge des Verwaltungsgebäudes belebt. "Ich würde mich natürlich freuen, wenn möglichst viele Menschen ihre Freude daran haben und auch anderen davon erzählen", so der Stadtchef.