Bei dem traditionellen alpenländischer Kraftsport blieben die Bayern unter sich, denn es hatten sich keine Teilnehmer von außerhalb des Freistaats angemeldet. Fingerhakeln ist in anderen Bundesländern schlicht kein Thema.

"Die am weitesten angereisten Hakler kommen aus dem Spessart in Unterfranken", erläuterte Leonhard Thurnhuber. Der Einheimische hatte die Meisterschaft zusammen mit den Verantwortlichen des veranstaltenden Schlierachgaus organisiert. Gekämpft wurde in fünf Alters- und vier Gewichtsklassen.

"Auffänger" sitzt hinter Hakler


Die Hochburg des Fingerhakelns liegt am Alpenrand. Aber auch aus dem Bayerischen Wald kommen immer wieder Meister ihres Faches. Beide Gegner sitzen sich bei dem Wettbewerb auf Hockern sitzend an einem Tisch gegenüber und versuchen, den Gegner am Finger zu sich herüberzuziehen. Hinter jedem Hakler sitzt ein Auffänger.

Die Spielregeln sind genau festgelegt und auch die Ausmaße der Utensilien genormt: Der Tisch darf nur 79 Zentimeter hoch, 74 Zentimeter breit und 109 Zentimeter lang sein. Um die Mittelfinger legen die Konkurrenten einen Lederring - zehn Zentimeter lang, sechs bis acht Millimeter dick. Den Finger reiben die Wettkämpfer fest mit Magnesium ein. Auf Kommando des Schiedsrichters geht's dann los. Wer seinen Gegner über den Tisch zieht, hat gewonnen. Wer zweimal verliert, scheidet aus.

Verletzungen nicht selten


Die Redewendung "Jemanden über den Tisch ziehen" kommt möglicherweise von diesem Volkssport der Alpenbewohner, mit dem einst angeblich Streitereien ausgetragen wurden. Das Fingerhakeln ist längst ein organisierter Sport geworden. Jedes Jahr werden bayerische, österreichische, deutsche und alpenländische Meisterschaften ausgetragen. Zimperlich darf ein Fingerhakler freilich nicht sein: Nicht selten ziehen sich Teilnehmer schmerzhafte Risse an den Fingern zu. dpa