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Bad Kissingen
Umwelt

Der Wald braucht Wasser

Wenn es im Gehölz trocken wird, steigt die nicht nur die Gefahr eines Waldbrandes. Ein kleines Insekt hat dann besonders leichtes Spiel. Mit Folgen, die sich erst Jahre später zeigen.
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In dem Haufen aus Baumkronen hinter Gunter Hahner hat sich der Kupferstecher breit gemacht. Die Baumstämme der Fichte sind vom Buchdrucker befallen. Das Holz muss so schnell wie möglich aus dem Wald geschafft werden, damit die Borkenkäfer nicht noch mehr Schaden anrichtet. Die Wärme und Trockenheit bieten ihnen im Moment die besten Bedingungen sich zu vermehren. Foto: Carmen Schmitt
In dem Haufen aus Baumkronen hinter Gunter Hahner hat sich der Kupferstecher breit gemacht. Die Baumstämme der Fichte sind vom Buchdrucker befallen. Das Holz muss so schnell wie möglich aus dem Wald geschafft werden, damit die Borkenkäfer nicht noch mehr Schaden anrichtet. Die Wärme und Trockenheit bieten ihnen im Moment die besten Bedingungen sich zu vermehren. Foto: Carmen Schmitt
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Sie sehen aus wie ein Kunstwerk und sind trotzdem tödlich. Die dünnen Gänge schlängeln sich wie ein feines Labyrinth in der Rinde der Fichte. Von außen würden die wenigsten dem Baum etwas anmerken. Gunter Hahner erkennt die Einbohrlöcher des Borkenkäfers sofort. Für die Fichte kommt jede Hilfe zu spät. Sie geht langsam zugrunde. Der Stamm liegt am Waldrand, bereit zum Abtransportieren.
Und das muss so schnell wie möglich passieren, bevor sich das Insekt weiter vermehrt. Weil es trocken und warm ist, hat es der Schädling gerade besonders leicht.

Gunter Hahner freut sich in diesen Tagen über jede dunkle Wolke. "Aber bis jetzt ist jedes Gewitter an uns vorbei gezogen", sagt der stellvertretende Leiter des Hammelburger Forstbetriebs. Der Boden ist vertrocknet. Die flachen Wurzeln der Nadelbäume strecken sich nach Feuchtigkeit - vergeblich. "Wir haben einen Zustand wie normalerweise im August", sagt er. So etwas habe er während seiner 40 Arbeitsjahre im Wald erst zweimal erlebt: in den außerordentlich trockenen Jahren 1976 und 2003, erzählt er.

Waldbrandgefahr auf Stufe drei

"Wir kriegen ein Problem, wenn es noch ein, zwei Monate so bleibt", sagt Berhnhard Zürner, der seit sechs Wochen das Forstamt in Bad Kissingen leitet. Laubholz macht das zwei Drittel des Bad Kissinger Waldbestands aus. Das sei aufgrund der Wurzeln, die weit in den Boden reichen, noch gut versorgt. Bernhard Zürner hat stattdessen die Waldbrandgefahr im Blick.

Der Deutsche Wetterdienst stuft die Waldbrandgefahr im Landkreis heute auf der mittleren Stufe ein. In den kommenden Tagen soll das Risiko weiter sinken. Trotzdem - die Regierung, die die Luftbeobachtungsflüge anordnet, bleibt wachsam: "Wir beobachten das Wettergeschehen laufend", sagt Johannes Hardenacke von der Regierung Unterfranken. Zur Zeit besteht in Unterfranken eine mittlere bis hohe Waldbrandgefahr. Ob am kommenden Wochenende weitere Befliegungen geplant werden, wird heute oder am Donnerstag entschieden, meint Johannes Hardenacke.

Angriff auf wehrlose Bäume

"Uns fehlt die Hälfte des Niederschlags", sagt Adolf Herr, Leiter des staatlichen Forstbetriebs Hammelburg. "Um dieses Defizit aufzufüllen, müsste es tagelang regnen." Nur dann könnten sich die Bäume wieder gegen den Buchdrucker wehren, der zwischen Holz und Rinde brütet. Wenig Wasser bedeutet für die Fichte einen niedrigeren Harzdruck. Mit dem wehrt sich der Baum gegen den Schädling. Der macht es sich auch in dem Holz gemütlich, das der Sturm "Niklas" beschädigt hat.

"Momentan ist der Borkenkäfer auf der Fläche gefährlicher als der Waldbrand", meint Gunter Hahner. Die Auswirkungen der anhaltende Trockenheit werden erst später sichtbar, sagt er. "Der Wald ist ein langwieriges System, das funktioniert nicht so schnell wie die Landwirtschaft." Die Bäume werden geschwächt und anfälliger für Schädlinge und Pilzkrankheiten, meint Adolf Herr. "Das Laubholz reagiert erst in den Folgejahren auf die momentane Dürre."

Gunter Hahner kommt in einem Waldstück bei Reith an einer Quelle vorbei. Das Bachbett ist ausgetrocknet. Andernorts könnte man jetzt Holz machen, wo die Maschinen sonst um diese Zeit einsinken würden, sagt Adolf Herr. Er könne sich nicht daran erinnern, dass es Mitte Juni einmal so ausgesehen habe.
"Letztes Jahr um Pfingsten war die Waldbrandgefahr hoch, dafür war es im August regnerisch", sagt Elisabeth Brunnbauer, Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst. "Im Jahr zuvor war es wieder anders herum." Trockene Phasen gebe es jedes Jahr, meint sie. Deshalb seien pauschale Aussagen über das Wetter problematisch. "Den August und den Sommer gibt es nicht", sagt Elisabeth Brunnbauer.

Gunter Hahner spürt, dass die Wetterextreme zunehmen und die Temperaturen steigen. Er macht sich Sorgen um die jungen Buchen, die vor ein paar Monaten auf über zehn Hektar gepflanzt wurden. Die brauchen in den nächsten zwei Monaten dringend Wasser, um überhaupt eine Chance zu haben. Gunter Hahner freut sich weiter über jede dunkle Wolke.

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