Stangenroth
Tierwelt

Der Luchs geht um...

Bei einer Drückjagd, die Ende November im Staatswald der Bayerischen Rhön stattfand, wurde eine verhältnismäßig zutrauliche Raubkatze von mehreren Jägern am Totnansberg gesehen. Neu ist ihr Erscheinen offenbar nicht.
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Diese Foto vom Luchs in den Schwarzen Bergen ist Hans-Peter Seifert gelungen. Er hat das Tier mit dem Handy durchs Fernglas fotografiert. Ein Luchs ist auch im Gemeindegebiet des Marktes Burkardroth gesehen worden. Foto: Hans-Peter Seifert
Diese Foto vom Luchs in den Schwarzen Bergen ist Hans-Peter Seifert gelungen. Er hat das Tier mit dem Handy durchs Fernglas fotografiert. Ein Luchs ist auch im Gemeindegebiet des Marktes Burkardroth gesehen worden. Foto: Hans-Peter Seifert
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Der Luchs ist zurück. Auch im Gemeindegebiet des Marktes Burkardroth. Am letzten Novemberwochenende wurde die Raubkatze bei einer Jagd am Totnansberg von mehreren Jägern beobachtet. Einer von ihnen konnte das Tier sogar fotografieren, andere filmten den Luchs mit dem Handy. "Das stimmt", bestätigt Heinrich Hümpfner, der stellvertretende Betriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten Bad Brückenau auf Nachfrage der Saale-Zeitung.
Doch es war nicht das erste Mal, dass der Luchs in diesem Abschnitt des Staatsforstes, in den Revieren Stangenroth und Salzforst, auftaucht.
Bereits Ende Oktober sind Wanderer einem Luchs am Basaltwerk begegnet, teilen die Bayerischen Staatsforsten in ihrer Pressemitteilung vom 3. Dezember mit. Dieses Tier habe ohne Scheu einen Forstweg, keine 100 Meter entfernt, überquert. "Ein ehemaliger Förster hat daraufhin berichtet, dass er in dem Bereich ein Stück Fallwild, eine Rehgeiß, gefunden habe. Die Untersuchung durch unseren Luchsfachmann Joachim Urban vom Netzwerk Große Beutegreifer ergab anhand der Befunde eindeutig den Luchs als Verursacher", heißt es in der Mitteilung weiter. Zwangsläufig stellt man sich die Frage: Müssen sich die Bewohner in den nördlichen Gemeindeteilen Stangenroth und Gefäll nun Sorgen machen?


Wie ein Sechser im Lotto

Doch Forstfachmann Heinrich Hümpfner gibt Entwarnung: "Für den Menschen ist der Luchs ungefährlich. Wanderer in der Rhön brauchen keine Angst haben." Normalerweise sind die Tiere sehr scheu und leben zurückgezogen in einem recht großen Revier. "Es ist wie ein Sechser im Lotto, auf einen Luchs zu treffen", fügt er hinzu. Jedoch räumt Hümpfner ein, dass es schon sehr außergewöhnlich sei, dass das nun mehrfach beobachtete Tier Menschen relativ nahe an sich heran lässt. Zwar würde dieser Luchs sich natürlich verhalten, einen Abstand von 40 bis 50 Metern wahren und in geduckter Haltung abwarten. "Dennoch liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei ihm um ein ausgesetztes Tier handelt, das den Kontakt zu Menschen gewöhnt ist", so der Forstfachmann.
Parallel dazu geht man in dem Forstbetrieb davon aus, dass es im Gebiet der Rhön noch weitere Luchse gibt, die jedoch eingewandert sind. Beispielsweise aus dem Harz, wo die Population mittlerweile sehr groß ist. "Ausgewachsene Luchse laufen nachts und legen weite Strecken zurück", erklärt Heinrich Hümpfner. Auch vom Harz in die Rhön. Er geht davon aus, dass die Raubkatze hier wieder heimisch wird.
Für den Zahlbacher Jäger Erich Metz sind die aktuellen Nachrichten rund um den Luchs nichts Neues. Seit mehreren Jahrzehnten ist er Pächter eines Jagdreviers im Gemeindegebiet Burkardroth. "Der Luchs ist schon seit etwa drei Jahren da", sagt er.


Rehe sind vorsichtiger geworden

Belegen kann er das aber nicht. Denn weder ist er einem begegnet noch auf ein von ihm gerissenes Reh gestoßen. Letzteres sei sehr schwierig, da die Raubkatze ihren Riss verblendet, heißt: vor anderem Raubwild versteckt. "Und da der Luchs kein Aas frisst, holt er sich jeden Tag was Frisches", erklärt der Jäger. Er habe festgestellt, dass der Bestand des Rehwildes in seinem Jagdrevier in den vergangenen Jahren enorm zurückgegangen ist. Metz vermutet, dass hier noch jemand jagt, halt auf vier Pfoten. "Wir müssen damit leben", sagt er.
Heinrich Hümpfner jedoch glaubt nicht so recht daran, dass der Wildbestand in der Rhön unter der Rückkehr des Luchses leiden wird. "Rehe sind durch ihn nur vorsichtiger geworden, sind auf der Hut und lassen sich schwerer jagen", sagt er. Auch müssen Landwirte keine Schäden befürchten, da die Raubkatze nun mal nur Rehe reiße.
Ganz anders bewertet Georg Scheuring vom Bauernverband die aktuelle Entwicklung. "Der Luchs ist für uns schon ein Thema", sagt er auf Nachfrage. Allerdings sei noch nicht klar, wie man mit dessen Auftauchen und Heimischwerden umgehen wird. Probleme sieht Scheuring vor allem auf die Landwirte zukommen, die Schafe und Ziegen als Weidetiere in der Rhön halten. Zwar glaubt er nicht unbedingt daran, dass die Luchse die Tiere reißen werden. Jedoch können die Wildkatzen die Herden aufscheuchen. Offen sei momentan, wer für eventuelle Schäden aufkommt. Zudem müsse geklärt werden, wie man die Weidetiere schützen kann. "Schließlich haben wir hier keine Naturlandschaft mehr, sondern eine Kulturlandschaft", so Scheuring.


Vorkommen Der Luchs lebte als "bayerischer Löwe" bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in den Wäldern der bayerischen Gebirge. Erst in den 1970er-Jahren gelang auf Initiative von Naturschützern eine Wiederansiedlung im Bayerischen Wald. Mittlerweile leben nach aktuellen Schätzungen des Vereins Bund Naturschutz zwischen zehn und 20 erwachsene Luchse im Bayerischen Wald, entlang des Oberpfälzer Waldes und des Fichtelgebirges. Die in der Rhön lebenden sind bisher noch nicht näher erfasst.

Kennzeichen Ein ausgewachsener Luchs wird etwa so groß wie ein Schäferhund und wiegt rund 20 Kilogramm.
Sein Fell ist gefleckt. Besonderes Kennzeichen sind die Pinselohren.
In der freien Wildbahn lebt das Tier zwischen acht und 15 Jahren, in Gefangenschaft sogar 20 Jahre.
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