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Maßbach
Serie

Der Geschichten-Sammler

Klaus Bub ist Leiter des Heimatmuseums in Poppenlauer und Ahnenforscher. Obwohl er gegen Krieg und Patriotismus ist, setzt er Geschichten aus dem Ersten Weltkrieg zusammen wie ein Puzzle.
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Fotos: Carmen Schmitt
Fotos: Carmen Schmitt
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"Krieg war nie so richtig mein Thema", sagt Klaus Bub. Vor ihm auf dem Holztisch liegen Schwarz-Weiß-Fotos. Einige sind aus den Jahren 1914 bis 1918. Den Betrachter stieren Soldaten in Uniform an. Ihre Blicke sind starr. Nur ein paar Männer setzen für den Fotografen ein Lächeln auf. Klaus Bub ist "gegen Krieg und Patriotismus". Dennoch kommt er bei seiner Heimatforschung am Leid und dem Wahnsinn der Kriegsjahre nicht vorbei.
Der Leiter des Museums in Poppenlauer gestaltete eine Ausstellung zum Thema Krieg und erzählt bei Dorfrundgängen die Geschichte des Kriegerdenkmals in Maßbach. Ein Dachbodenfund aus der Nachkriegszeit erzählt ein Kapitel seiner eigenen Familiengeschichte.

"Die Schweine sind um die Hälfte billiger geworden...", schreibt ein Verwandter an Klaus Bubs Ur-Großmutter. "Zucker ist um ein Dreifaches gestiegen... der Kaffee kostet 50 statt 25 Cent." Der Verwandte berichtet der Familie in Deutschland von der Wirtschaftslage im US-Bundesstaat Illinois. Im November 1919 schilderte er den ausbleibenden "Handel und Wandel" innerhalb des Landes und die Auszehrung der Menschen: "...wenn der Kohlenstreik noch lange anhält, werden viele Leute erfrieren", übersetzte Klaus Bub die Zeilen der Sendung. In einer Schachtel verbargen sich die Briefe, die Klaus Bub auf seinem Dachboden fand. Seine Ur-Großmutter hatte sie nicht wegwerfen wollen und sie in ihrem Haus aufbewahrt.

Zeitreise vor der Haustür

"Ich bin ein Geschichtensammler", sagt der Museumsleiter. Seit 1989 hat ihn zunächst die Leidenschaft für die Archäologie gepackt. Für Geschichte interessiert er sich schon immer. Als ihm bewusst wurde, wie weit er direkt vor seiner Haustür in die Vergangenheit reisen kann, war der Grundstein für ein "sehr zeitintensives Hobby" gelegt. Er habe die ganze Welt bereist, bis er merkte, wie viel es in seiner Heimat zu entdecken gibt. "Geschichte ist wie ein Puzzle. Manchmal hat man drei Teile, aber noch kein Bild. Dann heißt es: Weitersuchen", sagt er und lacht. Wie bei seinen Forschungen zum Kriegerdenkmal in Maßbach. Über den Bau des zehn Meter hohen Denkmals hat er bereits einiges vom Hörensagen gewusst. Den Rest um die Geschichte und den Hintergrund sammelte und recherchierte er im vergangenen Jahr. Aus einer Chronik, Informationen aus dem Internet und Erzählungen von Leuten setzte sich das Bild zusammen. Heute erzählt er bei Dorf-Rundgängen von der ersten Idee des Denkmals über die Spendenbeschaffung bis zur Errichtung und Einweihung am 28. Juni 1928 durch Pfarrer Hans Endres.

"Wenn man etwas findet und das Leuten erzählt, wissen die dazu oft auch noch etwas", sagt er. Diese Daten sammelt er. "Wenn ich etwas höre, schreibe ich es auf."

Sein eigener Großvater marschierte 1916 mit den Truppen in den Ersten Welt krieg. Eine Schwarz-Weiß-Fotografie zeugt vom Einsatz des jungen Mannes. Er war gerade 18 Jahre alt, als er mit Gewehr und Helm hinauszog. "Viel früher konnten sie ihn nicht einziehen. Er war ja noch viel zu jung." Der Großvater überlebte den Krieg und kam zurück in die Heimat.

Klaus Bub kommt vom einen zum anderen. Er hangelt sich an geschichtlichen Fakten der Gemeinde entlang und zeichnet seinem Zuhörer ein Bild der Vergangenheit. Im Museum in Poppenlauer verbirgt sich in jeder Ecke ein historischer Schatz. Für Klaus Bub steckt in jedem Teil eine Geschichte. Er kann sie erzählen.
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