Bad Kissingen
Senioren

Das Teenageralter ist gerade erst vorbei

Der Seniorenbeirat der Stadt wird 25 Jahre alt. In dieser Zeit hat er einige Metamorphosen durchlaufen und auch einiges erreicht.
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25 Jahre zwischen Aktendeckeln: Vorsitzender Helmut Beck (63) verschafft sich einen Überblick über den Werdegang des Kissinger Seniorenbeirats
25 Jahre zwischen Aktendeckeln: Vorsitzender Helmut Beck (63) verschafft sich einen Überblick über den Werdegang des Kissinger Seniorenbeirats
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Der Bad Kissinger Seniorenbeirat feiert sein 25-jähriges Bestehen. Zu diesem Jubiläumsgeburtstag wird es am Freitag, 17. Juni, zwischen 15 und 18 Uhr im Parkwohnstift eine Feier mit viel Musik und einigen Festreden geben. Die Senioren der Kurstadt sind hierzu eingeladen.
Es war vor 25 Jahren wohl eine schwierige Geburt des Seniorenbeirats. Selbst der genaue Zeitpunkt ist unklar.
Sein "erster Schrei" war jedenfalls in der konstituierenden Sitzung am 1. Juli 1991 zu hören.
Geburtshelfer waren einige Wohlfahrtsverbände, die sich in ihrem Tagesgeschäft seit jeher um ältere Mitbürger kümmerten, Leiter von Kissinger Seniorenheimen sowie Kurdirektor Walter Rundler und Oberbürgermeister Christian Zoll. Doch eingeleitet wurde die Geburt schon 1990.
Als Taufpaten kann man Bernd Seeberger bezeichnen, den damaligen Kreisvorsitzenden der Caritas. Er brachte die Idee 1990 in den Stadtrat und fand schnell Unterstützung bei Dorothea Hildenbrand-Zierhut (Freie Wähler), die wegen ihrer ehrenamtlichen Aktivität schon längst als "geheime Seniorenbeauftragte des Stadtrates" galt. Nach Beratung im Kulturausschuss beschloss der Stadtrat am 15. Mai 1991 die Gründung eines Seniorenbeirats. Elf stimmberechtigte, von Wohlfahrtseinrichtungen benannte Delegierte kamen am 1. Juli in einer konstituierenden Sitzung zusammen und bildeten fortan über zwei Jahrzehnte lang den Beirat. Vorsitzender wurde Oberbürgermeister Christian Zoll und Hildenbrand-Zierhut nun auch offiziell die erste Seniorenbeauftragte des Stadtrats.
Aufgabenstellung des Beirats ist bis heute die "Beratung des Stadtrates [...] in allen öffentlichen Angelegenheiten, welche die Interessen der älteren Menschen berühren; Vertretung der Belange der älteren Bürger in der Öffentlichkeit; Mitwirkung bei Planung und Maßnahmen, die ältere Bürgerinnen und Bürger betreffen; Förderung der sozialen und kulturellen Anliegen älterer Menschen; Beratung der Seniorinnen und Senioren unserer Stadt".
Ein erstes Ergebnis seiner Arbeit konnte der Beirat noch im Gründungsjahr vorlegen: Seinen "Ratgeber für ältere Menschen" gibt es noch immer.


Direkt gewählt

Im Lauf der Jahre wuchs die Mitgliederzahl durch Hinzunahme nicht stimmberechtigter Stellvertreter auf 25 Personen an. Erst der heute amtierende Stadtrat beschloss 2014 eine Neufassung der Beiratssatzung und die Einführung des aktiven und passiven, ausschließlich personenbezogenen Wahlrechts. Alle Bürger der Kreisstadt durften sich als Kandidaten zur Wahl stellen.
Gewählt wurden schließlich elf Senioren, die im Februar 2015 Helmut Beck (63) zu ihrem Vorsitzenden beriefen. "Mit der strafferen Organisationsform lässt es sich besser arbeiten", hat dieser nach einjähriger Amtszeit festgestellt. "Wenn jemand sich wählen lässt, will er doch etwas bewegen." Für Beck ein wichtiger Unterschied zum früheren Beirat nur aus Delegierten. "Man spürt mehr Idealismus."
Der Beirat, der seine Arbeit in drei Ausschüsse für Bau und Verkehr, für Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen sowie für Soziales aufgeteilt hat, vertritt heute die Interessen der Senioren mehr denn je. "Es gibt in Verwaltung und Politik eine gewisse Betriebsblindheit", meint Beck keineswegs böse. "Jüngeren fehlt oft der Blick für die Probleme der Älteren." Vorrangige Aufgabe des Seniorenbeirats ist es deshalb, Verwaltung und andere für diese Nöte zu sensibilisieren. "Es gibt viele Ecken und Kanten für ältere Menschen, die man mit wenig Aufwand abrunden kann." Seien es fehlende Bänke an Bushaltestellen oder zugeparkte Gehsteige. Am Ende hilft dies sogar Jüngeren.


Expertenrat ist gefragt

Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) ist sich der Problematik bewusst und sieht nur Vorteile in der Zusammenarbeit: "Eine Verwaltung verwaltet, ein Beirat gestaltet." Er und seine Mitarbeiter nutzen das Gremium der Senioren als Expertenrat, "um in allen öffentlichen Angelegenheiten, die die Interessen der Senioren berühren, gut beraten zu sein". Auch David Rybak kennt als zuständiger Abteilungsleiter im Rathaus nur Vorteile in der Zuarbeit des Seniorenbeirats: "Die Älteren kennen ihre Lebenswelt am besten."


Zusammenarbeit von Jung und Alt

Doch sieht er nicht allein die Senioren. Als Sozialreferent ist ihm gelegen, Alt und Jung zusammenzubringen. Deshalb ist der Seniorenbeirat auch bei den Spielewochen eingebunden. Stadträtin Karin Renner (CSU) will als neue Seniorenbeauftragte im Stadtparlament das Sprachrohr der Senioren sein und deren Anliegen durch Vermittlung zwischen Beirat, Stadtrat und Verwaltung zu einer alle Seiten befriedigenden Lösung führen. "In unserer Stadt leben so viele ältere Mitbürger. Sie sollen gern hier leben und sich wohlfühlen."

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