Stralsbach
Infrastruktur

Das Stralsbacher Industriegebiet ist vom Tisch

Nicht nur die Stralsbacher hatten erhebliche Bedenken gegen das Vorhaben, sondern auch die Regierung von Unterfranken und der Bayerische Bauernverband.
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Nicht nur für die zahlreichen Besucher war die über drei Stunden dauernde Gemeinderatssitzung anstrengend, auch für den Planer Johannes Hahn (links). Er las mehr als 40 Stellungnahmen vor. Auf dem Foto außerdem die drei Bürgermeister: Waldemar Bug (2. von links) sowie seine Stellvertreter Daniel Wehner und Egon Kessler.  Foto: Kathrin Kupka-Hahn
Nicht nur für die zahlreichen Besucher war die über drei Stunden dauernde Gemeinderatssitzung anstrengend, auch für den Planer Johannes Hahn (links). Er las mehr als 40 Stellungnahmen vor. Auf dem Foto außerdem die drei Bürgermeister: Waldemar Bug (2. von links) sowie seine Stellvertreter Daniel Wehner und Egon Kessler. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
Aufatmen bei den Stralsbachern. Der Gemeinderat hat seine Pläne für das Industriegebiet am Poppenrother Berg aufgegeben. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Gremiums deutlich.
Zwar gibt es noch keinen endgültigen Beschluss darüber, denn dafür reichte die Zeit an dem Abend nicht aus. Jedoch fasste der Gemeinderat zahlreiche Teilbeschlüsse für ein künftiges Gewerbegebiet, als Reaktion auf die 42 eingegangenen Einwände und Anregungen der
Träger öffentlicher Belange. Dazu zählen Behörden und Ämter, Verbände und Institutionen sowie die Nachbarkommunen.


Drei Stunden lang verlesen

Deren Stellungnahmen zu den Plänen für das Industriegebiet sowie die der Stralsbacher Interessengemeinschaft wurden von Planer Johannes Hahn im öffentlichen Teil der Sitzung verlesen, was schließlich mehr als drei Stunden dauerte. Entsprechend wurde der letzte Tagesordnungspunkt "Billigungs- und Auslegungsbeschluss" sowie das Vorlesen der konkreten Anregungen der Stralsbacher Bürger auf die nächste Sitzung vertagt, die voraussichtlich am 2. August stattfinden wird.
"Wir sind sehr zufrieden", zog Berthold Kröckel eine erste Bilanz nach der Marathonsitzung. Er ist Mitinitiator der Interessengemeinschaft (IG) Stralsbach und hat gemeinsam mit rund 50 Bürgern des Ortsteils die Sitzung verfolgt. Auch Planer Johannes Hahn zeigte sich danach sehr zufrieden - und fast schon ein wenig erleichtert. Den Stralsbachern machte er zudem ein außergewöhnliches Kompliment: "In meinen 30 Jahren Berufserfahrung habe ich noch nie eine solch detaillierte Stellungnahme von Bürgern bekommen."
Die hatten sich vehement gegen das geplante, rund 20 Hektar große Industriegebiet gewehrt, unter anderem 495 Einwände schriftlich vorgebracht und ein Protestbanner an der Bundesstraße aufgestellt (wir berichteten). Parallel dazu suchte die IG den Dialog mit den Gemeinderäten, mehrere Gespräche fanden statt.


Argumente überzeugten

Offenbar haben die Argumente hinsichtlich der befürchteten Lärm- und Schadstoffbelastung, der Zerstörung der Landschaft und der drohenden Abwasser- und Hochwasserproblematik überzeugt. Denn etliche Argumente der Stralsbacher fanden sich auch in den Stellungnahmen der Behörden wieder.
Lediglich der Landesbund für Vogelschutz und der Bayerische Bauernverband (BBV) lehnten die Planungen für das Industriegebiet rigoros ab. Der Bedarf sei nicht gegeben, zudem würde guter Ackerboden verloren gehen, so die Argumente des BBV. Ein Gewerbegebiet hingegen würde toleriert. Andere Behörden, Verbände und Ämter stimmten den Planungen Mehr oder Weniger zu, forderten aber in ihren Stellungnahmen ganz konkrete Änderungen.
So muss beispielsweise die Notzufahrt zu dem Gewerbegebiet über den Wirtschaftsweg und weiter über die Kreisstraße KG 15 gestrichen werden. Die Untere Natuschutzbehörde meldete Bedenken hinsichtlich des Naturschutzes an. Der Vegetationsbestand sei nicht ausreichend erfasst, außerdem habe keine artenschutzrechtliche Prüfung stattgefunden. Mittlerweile hätte sich in dem Gebiet mit Hecken und alten Obstbäumen der Steinkauz niedergelassen. Zudem werden in den Wiesen Zauneidechsen vermutet.


Problem der Entwässerung

Weitere Argumente gegen diese Notausfahrt lieferte die Kreisstraßenbehörde im Landratsamt. Laut ihrer Einschätzung müsste die Einmündung an der KG 15 derart ausgebaut werden, dass eine Versetzung des Feldkreuzes und die Fällung des Eckbaumes nach sich ziehen würde.
Auch in Sachen Entwässerung werden von den Behörden enorme Abwandlungen in den Plänen gefordert. So müssen beispielsweise die Regenrückhaltebecken, die auch zur Ableitung des Oberflächenwassers im Gewerbegebiet erforderlich sind, neu geordnet werden. Diese dürfen nicht im Landschaftsschutzgebiet liegen. Zudem empfiehlt das Wasserwirtschaftsamt, die Becken nicht Richtung Stralsbach zu bauen, da urbane Sturzfluten befürchtet werden.
Zudem muss das angrenzende Wohngebiet besser geschützt werden. Parallel dazu wird die Gemeinde aufgefordert, die Ortskanalisation zu untersuchen und zu sanieren. Diese sei stark belastet, darauf hat unter anderem auch das Gesundheitsamt hingewiesen.
Die Regierung von Unterfranken brachte mit ihrer umfangreichen Stellungnahme einen ganz wichtigen Aspekt in die Diskussion ein, der auch die weiteren Planungen für ein Gewerbegebiet in Frage stellt. Sie verwies auf die nachhaltige Siedlungsentwicklung im Landkreis Bad Kissingen. Es bestünde hier kein Mangel an gewerblichen Flächen, weshalb auch der Bedarf im Markt Burkardroth zu hinterfragen sei. Statt der Entwicklung neuer Areale empfiehlt die Regierung, dass der Markt verstärkt seine interkommunale Zusammenarbeit über die Allianz Kissinger Bogen nutzt, und auch bestehende Gewerbegebiete in den Nachbarkommunen berücksichtigt. "Ein ruinöser Wettbewerb im Landkreis Bad Kissingen sollte vermieden werden", so die Regierung von Unterfranken.

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