Bad Kissingen
Wirtschaft

Das Rote Kreuz hat viel zu stemmen

Das BRK Bad Kissingen legt die Jahresplanung für 2016 offen. Für Geschäftsführer Thomas Stadler wird es ein Spagat zwischen Ideal und Wirtschaftlichkeit.
Artikel drucken Artikel einbetten
Elisabeth Wolf und Else Ernst (v.l.) beim Motorik-Training in der Tagespflege des BRK.  Foto: Markus Klein
Elisabeth Wolf und Else Ernst (v.l.) beim Motorik-Training in der Tagespflege des BRK. Foto: Markus Klein
+1 Bild
Am großen Frühstückstisch haben 15 Rentner zusammen gegessen. Nun setzen sich einige zum Zeitungslesen auf die Veranda, andere ruhen sich im Sessel aus oder hören Musik. Elisabeth Wolf und Else Ernst gehen in einen Nebenraum, zum Motorik-Training mit Pflegedienstleitung Beate Schmitt. Wolf hebt den grünen Gymnastikball mit Leichtigkeit in die Luft.
"Das ist kein Problem für mich", sagt sie lächelnd, "ich habe 16 Kinder großgezogen." Nach dem Krieg hat sie sich um Pflegekinder gekümmert. Nun kümmern sich ihre Verwandten und die Mitarbeiterinnen der Tagespflegeeinrichtung des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in Bad Kissingen um sie.


Wirtschaftlicher Spagat

"Wir wollen den Menschen aus der Einsamkeit helfen", sagt Claudia Dresbach, die Einrichtungsleiterin. "Außerdem sind wir dazu da, um den pflegenden Angehörigen eine Verschnaufpause zu ermöglichen."

Die Tagespflege ist eine von vielen Aufgaben des BRK Bad Kissingen. Stets stehe der Mensch an erster Stelle, "aber wir sind im ständigen Spagat zwischen Ideal und Wirtschaftlichkeit", sagt Kreisgeschäftsführer Thomas Stadler. Für das Jahr 2016 rechnet er trotz eines Ertrages von über acht Millionen Euro mit einem Verlust (siehe Grafik). Denn: "Bei vielen Aufgaben verdienen wir nichts oder zahlen drauf", erklärt er. So etwa beim Katastrophenschutz oder dem Essen auf Rädern. Der mit Abstand ertragreichste Bereich, die Rettung, wird auf Null abgerechnet.

"Bei einer so knappen Kalkulation fallen kleinste Veränderungen schnell ins Gewicht", sagt Stadler. Eine zufällige Häufung von Staus oder Unfällen etwa kann bei rund 100 Fahrzeugen schnell rote Zahlen aus der schwarzen Null machen. Hinzu kommt die Konkurrenzsituation wegen der zunehmenden Privatisierung des Gesundheitswesens. "Das erschwert unsere Arbeit massiv", meint Stadler. Denn Privatanbieter erwirtschafteten Gewinn und hätten entsprechend Ressourcen für Marketing, "während dieses Geld bei uns dann an anderer Stelle fehlt", sagt Stadler. Zudem übernimmt das Rote Kreuz unrentable Aufgaben, etwa zu entfernt wohnenden Patienten zu fahren. "Wir machen was geht und drehen jeden Euro dreimal um", sagt der Geschäftsführer, "aber manchmal muss ich auch nein sagen."

Derzeit würde er die Palliativversorgung im Landkreis gerne ausbauen, entsprechende Pläne sind auf dem Weg. "Aber dazu brauchen wir Überschüsse. So können wir uns mehr den Aufgaben widmen, die sonst keiner machen will." Deshalb bemüht sich Stadler um eine ausgeglichene Bilanz, die nur durch Spenden und Erbschaften möglich sei. "Wir müssen viel stemmen", so Stadler, "aber die Arbeit macht riesigen Spaß und letztendlich geht es um den Menschen."

Ähnliches sagt auch Claudia Dresbach über die Tagespflege: "Täglich habe ich tolle Begegnungen und wertvolle Gespräche mit Menschen aus einer ganz anderen Generation." Der Generation der Alten, der wir alle einmal angehören werden.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren