Laden...
Bad Kissingen
Musical

Das Klischee einer heilen Welt

Das Musical "Sissi" im Kurtheater zeigte eine Kaiserin Elisabeth, wie man sie nie kannte. Die Musik versöhnte mit der etwas seichten Handlung, die sich an den Filmen der 50er Jahre orientiert.
Artikel drucken Artikel einbetten
Szene aus dem Musical "Sissi" im Bad Kissinger Kurtheater. Foto: Klopf
Szene aus dem Musical "Sissi" im Bad Kissinger Kurtheater. Foto: Klopf
+2 Bilder
"Ein Kaiser hat Wichtigeres zu tun, als an Liebe zu denken." Dieser Satz aus dem Munde von Kaiser Franz Josephs Mutter, Erzherzogin Sophie, kennzeichnet eine Rivalität zwischen Kaiserin "Sissi" und ihrer Schwiegermutter und gibt Raum für Klischees, Gefühlswelten, Liebe und für ein Musical. Nach wie vor hat die österreichische Kaiserin Sissi, die sechsmal in Bad Kissingen kurte, nichts an ihrer Popularität verloren.
Zwei fast ausverkaufte Vorstellungen des Musicals "Sissi" - Liebe, Macht & Leidenschaft" im Bad Kissinger Kurtheater zeugten von einer Faszination, die diese geschichtliche Persönlichkeit noch heute hat.
Wie bei den Sissi-Filmen mit Romy Schneider bedient sich das Musical mit einer herzzerreißenden Story aller Klischees, unter denen man sich die Kaiserin seit den Sissi-Filmen vorstellt.

Musik aus der Konserve

Dem österreichischen Komponisten George Amade ist dabei ein interessanter Wurf gelungen. Mit ansprechenden Melodien, die sich aus Stilelementen von Pop, volkstümlichen Einschlägen und mitreißenden Songs zusammensetzten, war das Musical ein ansprechender Genuss, der die etwas seichte Handlung unterstrich, aber auch bezauberte, auch wenn die Musik - für viele unbemerkt - aus der Konserve kam. Von einem Symphonieorchester eingespielt, welches je nach Szene von einer Rhythmusgruppe verstärkt wurde, entstanden Klangwelten, die einfach bestachen.

Sänger überzeugten

Zum großen Erfolg trugen auch die Hauptakteure, Karolina Pasierbska als Sissi, Adelheid Brandstetter als Erzherzogin Sophie, Thea Schuette als Nené, Alexander Donesch als Kaiser Franz Joseph sowie Claus Frankl als Sissis Adjutant Major Krespl bei. Dank guter Stimmen und gelungener Interpretationen zeigten alle Sänger durchwegs überzeugende Leistungen, wobei stellenweise die eingespielte Musik den Gesang überlagerte. Dadurch konnte man als Zuhörer teilweise die Sänger schwer verstehen.
Auch die Ausstattung konnte sich sehen lassen. Über 140 Kostüme wurden nach originalen Schnittmustern für diese Produktion in Wien hergestellt. Wie in den berühmten Filmen zeigte auch diese Bühnenversion die große Kaiserepoche in Österreich, Ruhm, Glanz, Reichtum und den ausschweifenden Lebensstil am Hofe, extravagante Mode, Schmuck und außergewöhnliche Haardesigns. Die Originalschauplätze wurden mittels Licht- und Projektionstechnik auf die Bühne gezaubert. So konnte jeder, der schon im Park von Schloss Schönbrunn flaniert oder das Schloss besichtigt hatte, sich in das Wien der k. u. k. Monarchie zurück versetzt fühlen.

Zwei Stunden gute Unterhaltung

Zwei Stunden gute Unterhaltung waren dadurch geboten.
Der Inhalt war einfach: Prinzessin Elisabeth, genannt "Sissi", ist zusammen mit ihrer Mutter, Herzogin Ludovika und ihrer Schwester Helene aus dem bayerischen Possenhofen nach Ischl unterwegs. Hier sollte Helene, genannt Nené, den jungen Kaiser Franz Joseph wiedersehen und daraufhin heiraten. Sissi hat keine Ahnung von diesen Abmachungen und begegnet zufällig dem 23-jährigen Kaiser. Dieser verliebt sich seinerseits in die schöne Unbekannte. Zur allgemeinen Überraschung verlobt sich dieser mit Sissi.
Erzherzogin Sophie ist von der Braut des Sohnes wenig angetan. Sie hat es sich in den Kopf gesetzt, den bayerischen Wildfang in eine künftige Kaiserin von Österreich umzuwandeln. Sissi macht eine triumphale Schiffsreise nach Wien, wird dort zur Kaiserin von Österreich gekrönt und schließt in der Augustinerkirche mit einer Traumhochzeit mit Franz Joseph den Bund fürs Leben.
Bald darauf wird Sissis Tochter Sophie geboren. Doch ihre Schwiegermutter, Erzherzogin Sophie, findet, dass die neue Prinzessin nicht von der freiheitsliebenden Sissi aus Bayern, sondern von ihr selbst erzogen werden soll. Kurzerhand nimmt sie Sissi ihr Kind fort. Die junge Kaiserin flüchtet daraufhin verzweifelt nach Possenhofen.
Gleichzeitig steuert Österreich auf einen Krieg mit Ungarn zu. Besonders Graf Andrassy, ein ehrgeiziger Militär, möchte eine Konfrontation. Sissi muss vermitteln. In Possenhofen kommt es zur Wiedervereinigung zwischen Sissi und Franz Joseph, nachdem er ihr das Kind überbringt. Mit Diplomatie und Menschlichkeit löst Sissi den Konflikt mit den Ungarn, wobei beide in einem großen Finale zur Königin und zum König von Ungarn gekrönt werden.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren