Bad Kissingen
Arbeit

Das Handwerk hat den Durchblick

Die Handwerksbetriebe im Landkreis haben erkannt, dass Fachkräfte nicht mehr von alleine kommen. Jetzt rührt die Branche ordentlich die Werbetrommel. In Eltingshausen beim Handwerkertag wurde diskutiert, wie das Handwerk junge Leute für sich gewinnen kann.
Artikel drucken Artikel einbetten
Vertreter von Politik, Handwerk und Schulen sind sich sicher: Junge Menschen, die sich für ein Handwerksberuf entscheiden, blicken durch. Fotos: Heike Beudert
Vertreter von Politik, Handwerk und Schulen sind sich sicher: Junge Menschen, die sich für ein Handwerksberuf entscheiden, blicken durch. Fotos: Heike Beudert
+1 Bild
Im Landkreis Bad Kissingen sind 211 Lehrstellen unbesetzt, Handwerksfirmen suchen Fachkräfte und durch den demographischen Wandel wird die Bevölkerung in den nächsten Jahren deutlich sinken. Alexander Subat, der Geschäftsführer der Saale-Zeitung zeigte beim Handwerkertag auf dem Gelände der Firma Otto Heil in Eltingshausen auf, wo der Schuh im heimischen Handwerk drückt. Er war Moderator einer Podiumsdiskussion, in der sich Vertreter des Handwerks der Politik und der Schulen mit der Frage beschäftigen, was getan werden muss, damit die Branche für junge Leute attraktiv wird.


Das Image soll besser werden

Der Bad Kissinger Bauunternehmer Peter Heil wollte in diesem Zusammenhang nicht von einem Facharbeitermangel, sondern von einem Facharbeiterbedarf sprechen. Gleichzeitig bestätigte er aber, dass es in Zukunft schwierig sein werde, fähige Handwerker zu finden. Diese würden sich ihre Arbeit gut bezahlen lassen, ist er sich sicher.
Der Präsident der Handwerkskammer Hugo Neugebauer betonte, dass das Handwerk ein Imageproblem habe. Das sei aber in der Branche erkannt.Nun müssten auch die Eltern umdenken, erklärte Neugebauer. Er war sich sicher: "Unsere Wirtschaftsmacht ist ohne das Handwerk nicht denkbar".
Einig waren sich die Gäste auf dem Podium, dass das Umdenken ein Prozess ist, der nur durch Netzwerke zwischen allen Beteiligten erfolgen könne. "Man muss den Eltern zeigen, dass man im Handwerk tolle Chancen hat", fand Landrat Thomas Bold. Schon heute sei das Lebenseinkommen im Handwerk höher als in vielen akademischen Berufen. Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner wünschte sich, dass bildungspolitisch ein Umdenken erfolgt und nicht nur über die gymnasiale Schulbildung diskutiert wird.
Thomas Bold erläuterte, dass es mittlerweile ein enges Netzwerk zwischen Schule und rund 800 beteiligten Handwerksbetrieben gibt, die durch Praktika und enge Beratung und Betreuung der Schüler frühzeitig in der Berufsfindung unterstützen. Sowohl Schüler, als auch Handwerksbetriebe seien zufrieden mit dem Ergebnis. "Wir müssen den Kinder ein Selbstbewusstsein geben, dass sie in jeder Schulart erfolgreich sein können", erklärte der Leiter der Kliegl-Volksschule in Bad Kissingen, Harald Bötsch. Simon Knobling, Bauleiter in der Firma Heil, wünschte sich solche Praktika auch für Gymnasiasten. Simon Knobling ist ein junger Mann, der sich bewusst für das Handwerk entschieden hat. Er hat ein duales Studium absolviert, ist sowohl Maurer, als auch Ingenieur. Er hat die Entscheidung nicht bereut. Er habe etwas machen wollen, von dem er auch in seiner Freizeit profitiert. Beim Bau sei das der Fall.
Diskutiert wurde auch die Frage, ob Flüchtlinge eine Chance für das Handwerk sind. Alexander Subat erläuterte, dass aktuell Auszubildende aus 56 Nationen in Unterfranken in der Lehre sind.
Man müsse versuchen, junge, engagierte Flüchtlinge zu motivieren und ihnen einen Ausbildungsplatz bieten, fand Peter Heil. Allerdings müssten die Politik die Grundlagen dafür schaffen. Vor allem müsse sie rasch reagieren. Die Firmen müssten die Gewissheit haben, dass diese Nachwuchskräfte auch ihre Ausbildung abschließen können und nicht doch abgeschoben werden.
Weiterer Bericht
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren