Bad Kissingen
Kissinger Sommer

Das Festival trotzte der Hitze

Bilanz: Das Festival hat nicht bei den Besucherzahlen, aber bei den Einnahmen deutlich zugelegt. Viele der kleinen Konzerte waren besser besucht als erwartet. Aber ohne 5-Sterne-Hotel wird sich die Zahl der Gäste nicht erhöhen lassen.
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Die Eröffnung des Büffets war die letzte Amtshandlung im 30. Kissinger Sommer. Bürgermeister Thomas Leiner hatte im Namen der Stadt zum Abschlussempfang in den Weißen Saal eingeladen. Foto: Ahnert
Die Eröffnung des Büffets war die letzte Amtshandlung im 30. Kissinger Sommer. Bürgermeister Thomas Leiner hatte im Namen der Stadt zum Abschlussempfang in den Weißen Saal eingeladen. Foto: Ahnert
Von einem "sehr, sehr erfolgreichen Kissinger Sommer 2015" sprach Bürgermeister Anton Schick in der Abschlusspressekonferenz des Festivals am Montag morgen - und das nicht wegen des sommerlichen bis heißen Wetters in den zurückliegenden fünfeinhalb Wochen. Es waren die Zahlen, die ihn ins Schwärmen brachten. Vielleicht nicht unbedingt die Besucherzahlen. Die waren mit 25 710 in etwa so hoch wie im vergangenen Jahr.
Das entsprich bei 53 Konzerten einer Platzauslastung von 84 Prozent. "Die 90 Prozent, die wir vor der Schließung des Steigenberger-Hotels einmal hatten, können wir nicht erreichen, so lange es hier kein Fünf-Sterne-Hotel gibt", sagte Intendantin Dr. Kari Kahl-Wolfsjäger: "Da fehlt im Moment die Spitze. Da können wir so viel kämpfen, wie wir wollen."

Höhere Einnahmen

Die heitere Miene des Bürgermeisters resultiert aus den unerwartet hohen Einnahmen aus dem Ticketverkauf. Referatsleiter Thomas Lutz nannte Zahlen: "Im Haushalt eingeplant waren 1,275 Millionen Euro. Eingegangen sind 1,340 Millionen Euro." Bei den Veranstaltungskosten rechnet Lutz - die endgültige Abrechnung ist noch nicht fertig - mit 2,225 Millionen Euro und so mit rund 50 000 Euro unter dem Ansatz. Auf die Stadt kommt nach dem endgültigen Schlussstrich ein Zuschussbedarf zwischen 500 000 und 700 000 Euro zu.

Vervierfachte Rückkehr

Wobei die Intendantin hinzufügte, dass nach Studien und allgemeinen Erfahrungen ein Festival wie der Kissinger Sommer ein Vierfaches dessen, was er kostet, an Umsatz wieder in die Stadt bringt: "Der Ansatz stimmt nicht, dass das Festival nur Geld kostet. Was hat denn Bad Kissingen sonst noch zu bieten, worauf ein internationales Publikum anspricht?" Natürlich gebe es in der Stadt auch andere Angebote, betonte Schick: "Aber der Kissinger Sommer ist das Rückgrat der Angebote und hat im Stadtrat einen starken Rückhalt." Es sei wichtig, auch in der Finanzierung die eigene Steuerung zu behalten.

Über 100 Prozent Ausnutzung

Die großen Stars waren auch heuer wieder die großen Zugpferde. Die sind wichtig für die Mischkalkulation, und die sogenannten "kleinen Konzerte" jenseits des Großen Saals profitieren von ihnen als Mitnahmeeffekt. Dass Grigory Sokolov auf eine Platzausnutzung von 107 Prozent kam (Cecilia Bartoli und David Garrett sogar noch mehr), ist kein Bilanzfälschungstrick, wie Thomas Lutz erläuterte: "Bei der Planung haben wir wie bisher als Berechnungsgrundlage die Plätze im Parkett des Großen Saals als 100 Prozent eingestellt, weil der Balkon noch nie verkauft wurde. Jetzt war die Nachfrage so groß, dass wir oben aufmachen mussten. Das waren die zusätzlichen Prozente." Bei Cecilia Bartoli und David Garrett bewirkte die Öffnung des Grünen Saals die Überschreitung. 1139 Plätze werden im Großen Saal zugrunde gelegt, 280 im Rossini-Saal. So freute sich Schick, dass 20 der kleinen Konzerte mit deutlich über 80 Prozent dank der Musiker und Programme einen sehr starken Zuspruch fanden: "die LiederWerkstatt ist ja ein Highlight in der Wahrnehmung von außen."

Die Jugend spürt Interesse

Erna Buscham, Leiterin des Betriebsbüros wies darauf hin, dass das Interesse der jungen Leute am Kissinger Sommer deutlich zugenommen hat. Es wurde allerdings auch einiges geboten: Generalprobenbesuche, Dirigentengespräch oder Musikerbegegnungen mit 700 Schülern. Und die Zahl der 3-Euro-Karten stieg von 1000 auf 1500: "Da zeigen sich erste kleine Früchte." Deutlich stärker war in dem Jubiläumssommer das Interesse der intenationalen Medien. TV Touring drehte mit Cecilia Bartoli einen Werbefilm, der zum Beginn des Kissinger Sommers 2016 gezeigt werden soll.

Zu Gast in New York

Am 1. Februar ist der Kissinger Sommer mit einigen Künstlern im feinsten Yachtclub von New York eingeladen: "Das ist wichtig für das internationale Image", so die Intendantin. Aber erst einmal kommt der 13. Kissinger KlavierOlymp vom 8. bis 11. Oktober.
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