Premich
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Damit Premichs Abwasser rein wird

In den Premicher Klärteichen wird das Schmutzwasser von insgesamt 1800 Einwohnern aufbereitet. Mittlerweile ist die Anlage dringend sanierungsbedürftig.
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Abwassermeister Franz Wehner und seine Kollegen vom Abwasserzweckverband Rhön-Saale überprüfen drei Mal pro Woche die Wasserqualität in den Premicher Klärteichen. Hier hält er einen sogenannten Imhof-Trichter in der Hand, in dem sich Schwebestoffe abgesetzt haben. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
Abwassermeister Franz Wehner und seine Kollegen vom Abwasserzweckverband Rhön-Saale überprüfen drei Mal pro Woche die Wasserqualität in den Premicher Klärteichen. Hier hält er einen sogenannten Imhof-Trichter in der Hand, in dem sich Schwebestoffe abgesetzt haben. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
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Sie liegen versteckt. Im Tal, wo der Bach Premich nach Steinach fließt. Etwas außerhalb der Ortschaft. Ein Flurweg führt dorthin. Nur wenige befahren ihn. Die Vögel zwitschern, das Wasser plätschert, und die Sonne blinzelt wie bestellt durch die Wolken. Eine echte Idylle, könnte man meinen. Wäre da nicht der seltsame Geruch, eine Mischung aus faulen Eiern und Jauchegrube. Sensible Nasen brauchen etwas, um sich daran zu gewöhnen. Franz Wehner hingegen nimmt ihn schon gar nicht mehr wahr.

Der 62-Jährige ist Abwassermeister beim Abwasserzweckverband (AZV) Aschach-Saale und befindet sich auf seiner Kontrolltour. "Wir schauen täglich an den Premicher Klärteichen vorbei und machen eine Sichtkontrolle", erklärt er. Dann taucht er ein Gefäß in das Gewässer und nimmt eine Probe.


Sauerstoff für aktive Bakterien

Drei Mal pro Woche untersucht der Fachmann, ob die Zusammensetzung im Zu- und Ablauf der Anlage stimmt. Schließlich soll das Abwasser, das von den 1800 Einwohnern der Ortsteile Premich und Gefäll stammt, ordentlich geklärt werden. Damit es anschließend in den Bach Premich eingeleitet werden kann.

Insgesamt vier Klärteiche durchläuft das Abwasser bei diesem Prozess. Die ersten beiden sind belüftet. "Damit keine Fäulnis entsteht. Außerdem sind die Bakterien dadurch aktiver", erklärt der Abwassermeister. Er verweist auf die Schläuche, die über den Teich verlaufen. Über sie gelangt die Luft in das Wasser. Dadurch wird es auch ordentlich aufgewühlt. In den beiden letzten Teichen hingegen geht es ruhiger zu, denn sie werden nicht belüftet. "In ihnen setzt sich dann der Klärschlamm ab", fügt Wehner hinzu. Der Klärschlamm wird als Dünger von Landwirten genutzt. Nicht zuletzt, weil er aus Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Phosphor besteht - allesamt wichtige Bausteine, die Pflanzen zum Gedeihen brauchen. Allerdings muss deren Verhältnis zueinander stimmen.


Cocktail aus Chemikalien

"Uns machen zusehends Schadstoffe und Schwermetalle zu schaffen", sagt Wehner. Schließlich habe sich die Zusammensetzung des Abwassers in den vergangenen Jahrzehnten extrem verändert. Früher habe es hauptsächlich aus Exkrementen und Kernseife bestanden. Heute hingegen beinhaltet es einen richtigen Cocktail aus Medikamenten, Hormonen, Mikroplastik und allerhand Chemikalien. "Selbst das Salz, welches im Winter auf die Straßen gestreut wird, ist enthalten", sagt er.

Das stellt nicht nur Wehner und sein Team vom AZV, sondern auch die Premicher Anlage vor Herausforderungen. Das zeigt sich vor allem an den Grenzwerten des geklärten und in die Premich eingeleiteten Wassers. Erst vor Kurzem hat die Gemeinde beantragt, den Phosphorwert von 3,5 auf sechs Milligramm pro Liter zu erhöhen. "Wir lagen zuletzt immer leicht darüber und hätten deshalb die Abwasserabgabe für den Höchstwert zahlen müssen", erklärt Bürgermeister Waldemar Bug (ödp).


Nur jährliche Betriebserlaubnis

Das Wasserwirtschaftsamt hat dem Antrag auf Anpassung des Phosphorwertes zugestimmt. Dennoch ist sich das Ortsoberhaupt bewusst, dass es so nicht weitergehen kann. "Wir bekommen unsere Betriebserlaubnis nur noch Jahr um Jahr verlängert. Wir müssen was tun", sagt Bug. Schließlich ist die Klärteich-Anlage 37 Jahre alt und sanierungsbedürftig. Deshalb überlegen die Verantwortlichen im Rathaus, wie das erledigt werden kann. Dafür gibt es mehrere Optionen.

Ginge es nach Franz Wehner, würde die bestehende Anlage, die biologisch arbeitet, modernisiert und aufgerüstet. "Für unsere dörfliche Struktur reichen solche Klärteiche aus", betont er. Zudem gebe es kurze Wege, was wiederum Kosten spart. Allerdings ist diese Art, Abwasser zu klären überholt. Deshalb gebe es laut Bürgermeister Bug Überlegungen, eine ganz neue, kleine Kläranlage hier zu errichten.

Als weitere Option sieht er die Anbindung an die Gemeinschaftskläranlage des AZV in Großenbrach. Dafür müsse jedoch eine Leitung über Steinach und von dort mit mehreren Pumpstationen gebaut werden. "Wir sind momentan in der Findungsphase", sagt Bug zum Stand der aktuellen Beratungen. Demnächst soll ein Ingenieurbüro damit beauftragt werden, entsprechende Untersuchungen vorzunehmen. Der Bürgermeister rechnet damit, dass die Kosten, egal welche Art Anlage entstehen wird, in die Millionen gehen. Entsprechende Rücklagen habe die Gemeinde bereits gebildet. Doch bis sich etwas tut, wird noch einige Zeit vergehen.
Deshalb appelliert der Abwassermeister an die Bürger, intensiver auf ihre Lebensgewohnheiten achten, um das Abwasser nicht unnötig zu verunreinigen. "Fettige Pfannen und Töpfe etwa sollten vor dem Spülen mit Zewa ausgewischt werden. Das verringert den Fettgehalt im Abwasser enorm", ist er überzeugt. Auch müssten nicht so viele verschiedene Putzmittel im Haushalt eingesetzt werden. "Vieles lässt sich mit warmen Wasser und ein paar Tropfen Spülmittel reinigen", fügt er hinzu.
Schließlich räumt der Abwassermeister ein, dass es schon ausreichen würde, wenn weniger Abfall über die Toiletten entsorgt würde. "Hygieneartikel, Feuchttücher und benutzte Kondome gehören nun mal in den Hausmüll", sagt er.

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