Ebenhausen
Landwirtschaft

Bye Bye BayWa: Agrar-Abteilung verlässt Ebenhausen

Jahrzehntelang war die BayWa in Ebenhausen ein fester Anlaufpunkt für hiesige Landwirte. Die Türen der Agrar-Abteilung schließen sich vermutlich zum Ende des Jahres. Das hat Auswirkungen auf die Kleinbetriebe.
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Wenn die BayWa in Ebenhausen schließt, kippt die Stimmung bei vielen Kleinbetriebs-Landwirten.  Foto: Robert Huger
Wenn die BayWa in Ebenhausen schließt, kippt die Stimmung bei vielen Kleinbetriebs-Landwirten. Foto: Robert Huger
Über viele Jahre war die Annahmestelle der BayWa eine wichtige Institution für die Kleinbauern. Dort erhielten sie Saatgut, Tierfutter, Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Außerdem vermarktete die BayWa die Ernteerzeugnisse der Landwirte. Jetzt soll der Standort plötzlich geschlossen werden. "Das ist natürlich keine gute Nachricht", sagt Georg Scheuring vom bayerischen Bauernverband, "für kleinere Betriebe wird das eine deutliche Umstellung." Nach der Schließung der Agrar-Abteilung der BayWa in Ebenhausen wäre für viele Landwirte der Schweinfurter Hafen die nächste Annahmestelle für Getreide, Obst und andere Erzeugnisse. Einige Inhaber von Kleinbetrieben werden folglich wohl ihre Geschäfte aufgeben. Denn der weite Weg lohnt sich für sie finanziell nicht und nimmt viel Zeit in Anspruch. "Das ist schade, wenn sich auf diesem Weg der Strukturwandel noch einmal erhöht", sagt Georg Scheuring.

Keine Zukunft für Kleinbetriebe

"Ich stehe vor der Entscheidung, entweder aufzuhören oder abzuwarten und zu sehen, wie es sich einpendelt", sagt Landwirt Udo Tremer aus Sulzthal. Viele aus der Gegend hätten schon das Handtuch geworfen. Er sieht die Schuld im Profitstreben der Aktiengesellschaft BayWa. "Sie machen Gewinn, aber sie wollen noch mehr Gewinn", sagt er. Zudem befürchtet er während der Erntezeit ein Verkehrschaos am Schweinfurter Hafen: "Wenn du Pech hast, stehst du da zwölf Stunden."

Wolfgang Greubel, Landwirt aus Ebenhausen, glaubt ebenso, dass einige Kleinbetriebe kapitulieren, wenn der Standort Ebenhausen schließt. "Die nächsten Möglichkeiten sind dann Münnerstadt und Schweinfurt", sagt er. Für ihn bedeutet die Schließung jedoch keine größere Umstellung. Wolfgang Greubel ist zwar Kunde bei der BayWa, sein Getreide fährt er jedoch schon seit Jahren nach Schweinfurt. Dort gehe die Getreideannahme zügiger vonstatten als in Ebenhausen.

Umzug trotz schwarzer Zahlen

Seit den 50er Jahren ist die BayWa am Standort Ebenhausen vertreten. Tatsächlich fährt sie dort Gewinne ein. Auch wenn dazu keine genauen Angaben herausgegeben werden: "In Unterfranken ist die Baywa stark vertreten", sagt Pressereferent Thomas Berger, "es sind also positive Zahlen." In Unterfranken wurden bereits 17 Millionen Euro im Bereich Agrar investiert. Trotzdem soll die Agrar-Abteilung in Ebenhausen voraussichtlich Ende 2015 nach Schweinfurt Hafen umziehen. Über den genauen Zeitpunkt will die BayWa Kunden und Landwirte "frühzeitig" informieren.

Auf der eigenen Internetseite bekennt sich das Unternehmen zur regionalen Verwurzelung. Im geplanten Umzug nach Schweinfurt sieht Thomas Berger aber keinen Widerspruch: "Wir wollen damit den Anforderungen der Landwirte nachkommen", sagt er. Der bestehende Standort Ebenhausen werde verlagert, da dort die entsprechende Leistungskraft und die logistische Anbindung den wachsenden Ansprüchen der Landwirte nicht standhalten könne. Mit dem Umzug könne das Unternehmen den durch den Strukturwandel gestiegenen Anforderungen der Kunden aus der Region nachkommen. Der Wasserzugang sei ein entscheidender Faktor, um die landwirtschaftlichen Betriebe mit größeren Mengen an Betriebsmitteln und Erzeugnissen zu versorgen.

Lange Wartezeiten?

Mit Verkehrsproblemen am Schweinfurter Hafen rechnen die Verantwortlichen der BayWa nicht. "Das sollte eigentlich keine Probleme geben", sagt Thomas Berger. Der Hafen sei modern und logistisch gut angebunden. Daher sei eine schnellere Abwicklung möglich. Zudem stehe immer noch die Außenstelle in Hammelburg zur Verfügung. Das Landtechnik-Geschäft der BayWa wird weiterhin in Ebenhausen betrieben. Des Weiteren sollen keine Kündigungen ausgesprochen werden. "Sämtliche Mitarbeiter aus Ebenhausen werden weiterhin für die BayWa in der Region angestellt bleiben", heißt es in einer Stellungnahme.



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