Bad Kissingen
Schliessung

Buchhandlung Weyh muss raus - das Aus für eine Institution

In ihrem Laden auf der Ludwigsbrücke gab es mehr als Wälzer, Klatsch und Andenken. Das Traditionsgeschäft von Barbara Weyh musste schließen.
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Foto: Carmen Schmitt
Foto: Carmen Schmitt
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Zum ersten Mal ist das Holz zu sehen. Historische Lektüre hatte die hellen Platten verborgen. 43 Jahre lang. Es waren Bretter, die für Barbara Weyh nicht die Welt, aber ihr Leben bedeuteten. Sie waren das Skelett ihres Geschäftes. Das Gerüst, das mit Literatur, Klatsch und Andenken gefüllt war. Ihr Bücherladen auf der Ludwigsbrücke war mehr als Ware rein, Ware raus. Am Montag, 15. Februar, hat sie abgesperrt. Zum letzten Mal.

Barbara Weyh muss nach über vier Jahrzehnten mit ihrem Laden raus aus dem Gebäude neben dem Rosengarten. Weg von den Schwänen, den Touristen, dem Stammpublikum.

Eine Stufe, Klinke runter, Schachbrett-Kacheln. Rechts und links verdecken die Bücherregale zwei Fenster. Sie türmen sich bis unter die Decke. Das, was die Buch-Filialen nicht führen, gab´s bei Barbara Weyh. Jedes Buch ein Mal. So hell wie jetzt war es sonst nie in ihrem Laden.

Die Auslage im Schaufenster ist leer. Endgültig. Vor Weihnachten hat sie noch vieles von ihrem Bestand verkaufen können. Ein Kollege aus München hat ein paar Reste übernommen. Was ihr am Herzen lag, hat sie sich nach Hause geholt. Doch das, was ihr in den vergangenen Jahrzehnten am meisten bedeutet hatte, kann sie nicht mitnehmen.


Laden war 65 Jahre in der Stadt

Die Kündigung kam ohne Vorwarnung.

Sie traf Barbara Weyh persönlich. Ein paar Zeilen und das Mietverhältnis zwischen ihr und der Staatsbad GbmH war abgeschafft. Am Montag, 15. Februar, ist die Kündigungsfrist abgelaufen. Noch bevor Barbara Weyh auf der Welt war, hatte ihr Vater den Buchladen eröffnet. Zuerst in der Weidgasse, 1973 zog die Familie mit ihrem Geschäft in das Gebäude auf der Ludwigsbrücke.

 


In dem Laden zwischen Regentenbau und Rosengarten war Platz für Begegnungen und Gespräche. Barbara Weyh war oft mehr Psychologin als Verkäuferin.

Es klappert hinter dem Laden. Dumpf scheppert Metall. Motoren summen. Im Rosengarten steht keine Rose mehr. Dafür Bagger und Bauzäune. Rot-weißes Absperrband flattert im Nieselregen. Stadt und Staatsbad beackern ihr Vorzeigebeet.

 

Neue Anlage, neuer Springbrunnen: Barbara Weyh und ihre Wälzer störten bei der Runderneuerung. Im Frühjahr soll in den bisherigen Laden von Barbara Weyh investiert werden, damit alles gleichzeitig fertig wird. Was danach kommt? Das sei noch nicht entschieden, lässt die Staatsbad GmbH auf Anfrage mitteilen. Gemeinsam mit der Stadt als Eigentümer werde man über Ideen und Konzepte für den alten Laden von Barbara Weyh beraten.


Schluss mit dem Schmökern

Auf dem Sofa mit dem bunten Blumenstoff wird kein Kunde mehr schmökern. Kein Tourist wird mehr an den Ständern mit den Ansichtskarten der Kurstadt drehen. Hinter der Theke werden keine Eimer mehr stehen, gefüllt mit Brotstückchen für die Schwäne. Kurz vor der Übergabe lehnen ein Strohfeger und ein grüner Staubsauger am Tresen. Besenrein war der Laden zu hinterlassen. Den Groll hat Barbara Weyh begraben. Sie ist frei. Trotzdem lässt sie mehr zurück als das kahle Regal-Skelett aus Holz.



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