Laden...
Bad Kissingen
Visitation

Bischof stellt sich den Bad Kissingern

Die Gläubigen nutzen gleich zum Auftakt die Möglichkeit zum direkten Gespräch. Der Strukturwandel und der Umgang mit ehemaligen Priestern bewegt viele Gläubige.
Artikel drucken Artikel einbetten
Jede Menge Möglichkeiten zum direkten Gespräch gibt es bei der Visitation von Bischof Friedhelm Hofmann im Dekanat, gestern nutzten das die Gläubigen direkt im Anschluss an den Gottesdienst. Fotos: Ralf Ruppert
Jede Menge Möglichkeiten zum direkten Gespräch gibt es bei der Visitation von Bischof Friedhelm Hofmann im Dekanat, gestern nutzten das die Gläubigen direkt im Anschluss an den Gottesdienst. Fotos: Ralf Ruppert
+24 Bilder
Anita Klauda nimmt kein Blatt vor den Mund: "Ich vermisse die Ehrlichkeit in der katholischen Kirche", kommentiert sie den Umgang mit Priestern wie dem früheren Hammelburger Pfarrer Michael Sell. "Ich finde, dass die Kirche ihm nicht christlich gegenüber getreten ist", blickt sie zurück auf dessen Entlassung, weil er sich zu seiner Familie bekannt hatte.
Ihre Kritik brachte Anita Klauda gestern direkt an höchster Stelle an: Nach dem Gottesdienst sprach sie den Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann an. "Er hat auch ehrlich zugegeben, dass er auch nicht glücklich ist mit der Situation", fasst die Garitzerin das Ergebnis ihres Gespräches zusammen.

Vier Wochen im Dekanat

Solche Kontakte sind Teil der insgesamt vierwöchigen Visitation des Bischofs im Dekanat Bad Kissingen: Hofmann stellt sich den Fragen der 41 600 Katholiken im Osten des Landkreises Bad Kissingen. Dabei gab es auch ein brandaktuelles Thema: Der Bischof hatte vor kurzem den Bad Kissinger Stadtpfarrer und Dekan Thomas Keßler zum neuen Generalvikar berufen: "Ich habe gedacht, dass ich dafür Prügel kriege", lacht Hofmann. Aber die Gläubigen hier würden Keßler mit einem weinenden und einem lachenden Auge nach Würzburg ziehen lassen: Zwar sei der Verlust groß, aber die Freude über den Aufstieg Keßlers eben auch.
Wichtig ist vielen Gläubigen auch die Zukunft der Seelsorge: "Unser Bistum schmilzt jedes Jahr um 8000 bis 10 000 Mitglieder", warb Hofmann dafür, dass neue Strukturen geschaffen werden. "Wir müssen da unbedingt vorausdenken", will der Bischof für die Zukunft gewappnet sein.

Schwerpunkte im Bistum

"Die Pfarreien bleiben", sagte Bischof Hofmann den Gläubigen vor Ort zu. Allerdings müssten vielleicht Pfarreiengemeinschaften neu beschnitten werden. Er könnte sich vorstellen, dass es in Zukunft so genannte Oasen im Bistum gibt, also einzelne Pfarreiengemeinschaften, die ihren Schwerpunkt auf die Seelsorge in bestimmten Bereichen legen, von Familien bis Künstlern.
In Garitz gab es gestern die Diskussion mit dem Bischof, inwieweit neue Lieder an die Kirchenwand projeziert werden. "Die Leinwand wurde heute zum ersten Mal so richtig genutzt", berichtet Kirchenbesucher Karl Koch. "Ich fand es sehr schön", fasst er den Gottesdienst mit dem Bischof zusammen, und: "Mir war der Termin sehr wichtig, weil es der erste Bischofsbesuch seit Jahrzehnten ist." Koch freute sich auch über die Würdigung der Ehrenamtlichen, weil er selbst schon viele Jahre in der Kolping-Familie aktiv ist. "Der Schatz der ehrenamtlichen Mitarbeiter bei uns ist unglaublich groß", hatte der Bischof gesagt.
Lob gab es auch für die Band "Just for God": "Es ist wichtig, dass auch die Freude bei uns Ausdruck findet." Nicht nur wegen des Lobs war Musiker Charly Hedrich begeistert: "Ich fand den Gottesdienst schön und abwechslungsreich." Und der Bischof freute sich vor allem über die vielen Ministranten und Kinder: "Es ist schön, dass ihr die Ohren und das Herz so weit aufmacht."

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren