Bad Kissingen
Kirche

Bischof benennt Keßler zum Chef des Ordinariats

Der Bad Kissinger Stadtpfarrer und Dekan Thomas Keßler wird Generalvikar der Diözese Würzburg. Voraussichtlich Mitte April wird er die Nachfolge des verstorbenen Karl Hillenbrand antreten. Damit wird Keßler Vorgesetzter von rund 2000 kirchlichen Mitarbeitern.
Artikel drucken Artikel einbetten
Dekan und zukünftiger Generalvikar Thomas Keßler. Foto: Pressestelle des Bischöflichen Ordinariats
Dekan und zukünftiger Generalvikar Thomas Keßler. Foto: Pressestelle des Bischöflichen Ordinariats
+10 Bilder
Bischof Friedhelm Hofmann hat Thomas Keßler, Dekan des Dekanats Bad Kissingen sowie Pfarrer und Leiter der Pfarreiengemeinschaft "Jesus - Quelle des Lebens, Bad Kissingen", zum neuen Generalvikar der Diözese Würzburg ernannt. Hofmann gab seine Entscheidung am Donnerstag im Bischöflichen Ordinariat bekannt. Keßler wird sein Amt voraussichtlich Mitte April antreten.


Schwierige Entscheidung

Die Annahme des neuen Amtes sei ihm keineswegs leicht gefallen, sagte Keßler gestern im Gespräch mit der Saale-Zeitung. "Ich wollte eigentlich noch mindestens zwei bis drei Jahre in Bad Kissingen bleiben." Der gebürtige Bad Neustädter bezeichnet sich selbst als "bekennenden Rhöner aus Leidenschaft": "Den Kreuzberg nicht mehr im Blick zu haben, wird schwierig für mich. Diese Landschaft steht für ein Lebensgefühl."
Keßlers Sorge gilt aber vor allem der Pfarreiengemeinschaft: "Es laufen so viele Dinge in der Seelsorge, da muss ich noch viel regeln in den Gremien", ist sich der 59-Jährige bewusst, und: "Ich bin gerne Pfarrer und Seelsorger vor Ort und habe auch die Sorge, ob ich manche persönliche Beziehung noch so weiter pflegen kann." Auch wenn er es als Generalvikar in der Hand hat, wie lange die so genannte Vakanz dauert, also wann ein Nachfolger kommt, mache er für Bad Kissingen keine Ausnahme: Es werde vermutlich eine längere Zeit ohne Stadtpfarrer geben, aber: "Ich werde mich bemühen, dass die Gemeinden die Vakanz-Zeit gut bestehen."
Bevor er gestern nach Würzburg fuhr, versorgte Keßler wie jeden Tag seine Pferde in Reiterswiesen. "Das gehört bei mir auch zum Leben dazu und wird so nicht mehr möglich sein." Für seine zwei Haflinger muss er eine neue Lösung suchen: "Eine Pferdekoppel im Innenhof des Ordinariats einzurichten, ist wohl schwierig", sagt er und hofft auf eine Unterstell-Möglichkeit bei Würzburg.

"Gründlich erschrocken"

Nach dem Angebot des Bischofs habe er eine unruhige Nacht gehabt, berichtet Keßler: "Zunächst bin ich angesichts der Aufgabe einmal gründlich erschrocken. Ich habe mich aber auch über das mir entgegengebrachte Vertrauen gefreut." Während der Entscheidung habe er viel an seinen Vorgänger Karl Hillenbrand gedacht, der "ein Teil meines priesterlichen Lebens" war. Für den Gang nach Würzburg habe die bisherige Mitarbeit in Gremien auf Diözesanebene gesprochen. Als Pfarrer und Dekan habe er zudem Erfahrung im Leiten von großen Seelsorgeeinheiten. In der unruhigen Nacht habe er "den Heiligen Geist um Unterstützung angerufen". Ergebnis: "Er hat mich dann bestärkt."
Bevor er sich auf das neue Amt vorbereiten kann, stehen für Ende Februar bis Ende März im Dekanat Visitation durch Bischof und Weihbischof an. Hier sei er als Dekan gefordert. Deshalb lautet sein einziger Plan für die Vorbereitung: "Bevor ich Schwerpunkte benenne, will ich erst einmal hinhören und hinschauen und mich mit meinen neuen Aufgaben vertraut machen." Geleitet wird er dabei von einer festen Vision: "Ich träume von einer Kirche, die nicht aus dem Mangel heraus denkt, sondern im Vertrauen auf Gott dem Missionsauftrag Jesu gerecht wird."
Gestern gab es bereits zahlreiche spontane Glückwünsche: "Das ist eine sensationelle Berufung", lautete etwa die Reaktion von Oberbrügermeister Kay Blankenburg (SPD). "Aber es tut natürlich auch weh, dass er geht", sagt Blankenburg, der mit Keßler im Vorstand der Stiftung Theresienspital sitzt.
"Wir sind sehr stolz auf diese Wahl des Bischofs", sagt Erhard Ledermann, Vorsitzender des Bad Kissinger Dekanatsrates, und: "Sehen wir es einmal positiv: Sie verlassen uns nicht, sondern steuern uns in Zukunft halt von Würzburg aus." Und Michael Krammer, Dekan des Nachbar-Dekanats Hammelburg-Bad Brückenau, sagt: "Das ist eine große Wertschätzung seines Engagements."

Posten Der Generalvikar (vom Lateinischen "vicarius generalis", Generalstellvertreter) ist in der römisch-katholischen Kirche der Stellvertreter des Ortsbischofs und für die diözesane Verwaltung verantwortlich. Er leitet das Bischöfliche Ordinariat, die zentrale Verwaltungsstelle des Bistums und kann den Bischof in fast allen Bereichen vertreten. Generalvikar kann nur werden, wer Priester und mindestens 30 Jahre alt ist. Weitere Voraussetzung nach dem kanonischen Recht ist, dass der Kandidat ein en Doktor-Titel hat oder "wirklich erfahren" im kanonischen Recht oder Theologie ist. Im Bistum Würzburg war das Amt des Generalvikars nach dem plötzlichen Tod von Dr. Karl Hillenbrand am 22. November 2014 vakant.

Werdegang Thomas Keßler wurde am 9. August 1955 in Bad Neustadt geboren. Nach dem Abitur dort studierte er in Würzburg und Innsbruck Theologie. Am 25. Februar 1984 weihte ihn Bischof Paul-Werner Scheele in Würzburg zum Priester. Danach war Keßler als Kaplan zunächst in Kleinwallstadt, dann in Mainaschaff für Stockstadt und von 1985 bis 1987 in Bad Kissingen (unter anderem als Dekanatsjugendseelsorger) eingesetzt. Ab 1987 wirkte Keßler als Pfarrverweser und Pfarrer von Mürsbach und Gereuth im Landkreis Bamberg. 1994 wurde er zusätzlich Leiter des Pfarrverbandes Ebern. 1997 übernahm er auch die Pfarreien Baunach und Lauter. 1999 wurde Keßler zum stellvertretenden Dekan gewählt.

Bad Kissingen 2004 wechselte Keßler nach Bad Kissingen. 2005 wurde er zum Dekan des Dekanats Bad Kissingen gewählt. 2006 übernahm er auch die Pfarrei Arnshausen, 2009 die Pfarrei Hausen mit Filiale Kleinbrach. Keßler leitet seitdem die neue Pfarreiengemeinschaft "Jesus - Quelle des Lebens, Bad Kissingen". Als Pfarradministrator managte er zudem die Pfarreiengemeinschaften Saalethal (Euerdorf), "Der Gute Hirte im Markt Burkardroth" und "Immanuel Oerlenbach". Seit 2010 ist er Mitglied im Diözesanpastoralrat und im Priesterrat der Diözese Würzburg. Bereits seit 1996 ist Keßler Beauftragter für die Notfallseelsorge im Bistum, 2000 übernahm er die Koordination der Seelsorge im Feuerwehr- und Rettungsdienst in der Diözese, zeitweise war er sogar Sprecher für ganz Bayern.



Verwandte Artikel

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren