Burkardroth

Bio-Gemüse: Die Nachfrage ist explodiert

"Woher kommt unser Essen?" - Gemüse aus Franken ist gefragt und darf je nach Art des Anbaus durchaus etwas mehr kosten.
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Auf dem Naturlandhof der Familie Pfülb in Fuchsstadt: Eileen Pfülb erntet hier den Feldsalat per Hand.  Fotos: Kathrin Kupka-Hahn
Auf dem Naturlandhof der Familie Pfülb in Fuchsstadt: Eileen Pfülb erntet hier den Feldsalat per Hand. Fotos: Kathrin Kupka-Hahn
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Feldsalat ist diesmal sehr begehrt. Innerhalb weniger Minuten ist das prall gefüllte, saftig grüne Blätterwerk in der kleinen Stiege auf einen kläglichen Rest zusammengeschrumpft. So viel hat Michael Schauderna davon verkauft. Ihn freut es.
Seit dem Frühjahr steht der Händler aus Völkersleier mittwochs auf dem Burkardrother Marktplatz, wo ein kleiner Wochenmarkt stattfindet. Manchmal ist auch seine Frau vor Ort. Eigentlich betreiben die beiden die Gewürzmanufaktur "Kräuterfrau", sind mit ihren Produkten auf verschiedenen Märkten in Unterfranken unterwegs. Nun kam der Gemüsehandel dazu, in Burkardroth als Test.


In Unterfranken unterwegs

"Auf den Wochenmärkten lassen sich prima Kontakte knüpfen", sagt er. So auch zu Gemüseproduzenten der Region. Deshalb verkauft er an seinem Stand in Burkardroth unter anderem Paprika und Gurken, die in der Gärtnerei Reitzenstein Rimpar angebaut wurden, oder Wurzelgemüse vom Biohof Wörle (Unterpleichfeld). "Dabei muss es nicht immer Bio sein", ist Schauderna überzeugt. Eine Bio-Kartoffel, die man im Frühjahr kauft, stamme nicht aus deutschem oder regionalem Anbau. Sie sei vielmehr aus Zypern oder Ägypten importiert. "Das macht in meinen Augen keinen Sinn", so der Gemüsehändler.
Ebenso sieht er das bei den aktuell eingeschweißten Bio-Gurken. Der gelernte Forstwirt ist ein Verfechter einer Ernährung mit regionalen und saisonalen Gemüse- und Salatsorten. Kopfsalat wachse um diese Jahreszeit nun mal nicht im Freien, sondern im Gewächshaus. Ganz anders der heute so begehrte Feldsalat. Der stammt vom Naturland-Hof Pfülb in Fuchsstadt. "Ich habe ihn heute früh dort geholt", erzählt Schauderna.


Herbst heißt Hochbetrieb

Auf dem Hof der Familie Pfülb herrscht momentan Hochbetrieb. Täglich wird hier noch Feldsalat geerntet. Eine mühsame Arbeit, die Eileen Pfülb am Mittwochnachmittag kniend und per Hand verrichtet. Sie und ihr Mann Hans betreiben den Ökolandbau im Fränkischen Saaletal seit 25 Jahren. "Damals hat uns der Naturland-Fachberater dazu geraten, neben Getreide auch Gemüse anzupflanzen", erinnert sich der Landwirt. Eine Entscheidung, die die Familie bis heute nicht bereut hat. Trotz der vielen Arbeit.
Neben Feldsalat wachsen auf dem großen Acker hinter dem Hof Blumenkohl, Broccoli, Kohlrabi, Steckrüben, Endivien, Zuckerhüte und vieles andere mehr. Heimisches Gemüse halt. In Bio-Qualität. "Seit etwa zwei Jahren ist die Nachfrage bei uns förmlich explodiert", sagt Hans Pfülb, der soeben Mangold schneidet. Er habe in den letzten beiden Jahren soviel Gemüse verkauft, wie in den zehn Jahren zuvor. "Alte, traditionelle Sorten sind wieder sehr gefragt", fügt er hinzu. Nicht zuletzt, weil im Fernsehen die Zubereitung von Steckrüben, Pastinaken und Mangold wieder gezeigt wird.


Lieber klein und vielfältig

Trotz der großen Nachfrage könnte Pfülb nie einen Supermarkt oder eine -kette mit seinem Gemüse beliefern. "Die Menge bringe ich gar nicht hin", sagt er. Dafür müsste er sich auf eins, zwei Sorten spezialisieren und enorm vergrößern. Doch er will lieber klein und vielfältig bleiben, schließlich ist er der einzige Gemüseanbaubetrieb im Landkreis. Lediglich der Mario Hümpfer baut in seinem Naturland-Betrieb in Großenbrach Kartoffeln an, sonst nur einige wenige Landwirte im Nebenerwerb oder für den Eigenbedarf.
Früher sah das noch ganz anders aus. "Da gab es in Hammelburg etwa mehrere Gärtnereien, die Gemüse angebaut und auf dem Markt verkauft haben", erinnert sich Pfülb. Er vertreibt seine Produkte direkt im Hofladen in der Schweinfurter Straße, auf Bauernmärkten, über einige Abonnenten oder kleine Händler, wie Michael Schauderna. An dessen Stand in Burkardroth steht soeben Christina Wehner aus Zahlbach. "Ich kaufe viel auf dem Markt ein. Weil das Gemüse nicht so viel herumgekutscht wird. Außerdem ist die Qualität anders", ist sie überzeugt.


Der Kunde kann Vertrauen haben

Doch stimmt das? Ist das Gemüse auf dem Wochenmarkt anders oder besser als im Supermarkt? Nachfrage bei Wolfgang Mahlmeister, der nicht nur viele Jahrzehnte den Edeka-Markt in Burkardroth betrieb, sondern auch dem Vorstand der Edeka-Zentrale in Hamburg angehörte. "Der Kunde kann das Vertrauen haben, dass wir gute Sachen, eine gute Qualität anbieten", sagt der 70-Jährige. Die Überwachung besonders des Gemüses habe in den vergangenen Jahren enorm zugenommen.
Es werde strengstens auf Inhaltsstoffe oder mögliche Schadstoffbelastung kontrolliert. Zudem werde in den Supermärkten von Edeka-Nordbayern je nach Saison viel in Franken angebautes Gemüse verkauft. Ein Großteil davon stammt dann aus dem "Knoblauchland", das Gebiet zwischen Nürnberg, Fürth und Erlangen. Aber auch Gemüse aus Unterfranken ist dabei. "In unseren Märkten in Burkardroth und Bad Brückenau bieten wir beispielsweise Kartoffeln aus Hollstadt an. Die werden sehr gut angenommen".


Erwartungshaltung der Kunden

Grundsätzlich können sich die Marktbetreiber bei Edeka von heimischen Landwirten beliefern lassen. Jedoch sei eine entsprechend große Menge ausschlaggebend. "Und es muss ein von Edeka geprüfter und zertifizierter Betrieb sein", so der Kaufmann. Nicht zu vergessen sei aber auch die Erwartungshaltung der Kunden, die das ganze Jahr über beispielsweise Tomaten oder Gurken kaufen wollen. Die würden über den Großhandel beschafft. "Oder Gemüsesorten wie Grünkohl, die bei uns in Franken nicht angebaut werden", so Mahlmeister. Woher das jeweilige Gemüse stammt, können Kunden, wie in anderen Supermärkten auch, von den Verkäuferinnen oder anhand der Beschilderung erfahren.


Eine Selbstversorgerin

Gertrud Hartmann aus Lauter macht sich darüber kaum Gedanken. Sie verkauft auf dem Wochenmarkt in Burkardroth ihren hausgemachten Honig und dazugehörige Produkte. "Ich baue in meinem Garten noch selbst Gemüse an", erzählt sie. Somit ist sie quasi Selbstversorgerin. Ein Trend, der sich ebenso wie der Kauf von regional erzeugten oder Bio-Lebensmitteln zunehmender Beliebtheit erfreut, besonders unter jungen Leuten. "Da weiß ich, was ich esse", so Gertrud Hartmann.
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