Bad Kissingen
Personalnot

Besorgter Blick auf Kissinger Campingpark

Die Pächter des Campingplatzes Bad Kissingen haben freie Stellen, aber keine Mitarbeiter. Das liegt an der Situation in der Gastronomie und am einseitigen Arbeitsmarkt im Landkreis.
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Von der Rezeption aus hat Joachim Voll einen Teil der 100 Stellplätze des Campingparks im Blick.  Fotos: Benedikt Borst
Von der Rezeption aus hat Joachim Voll einen Teil der 100 Stellplätze des Campingparks im Blick. Fotos: Benedikt Borst
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Eigentlich läuft das Geschäft für Campingplatzbetreiber Joachim Voll nicht schlecht, eigentlich könnten er und seine Frau Judith ganz zufrieden sein. Jedes Jahr zählt Voll zwischen 18.000 und 21.000 Übernachtungen. Der Campingpark Bad Kissingen ist mit seinen 100 Stellplätzen zwar nicht ausgelastet, aber die Zahlen reichen, um die Einrichtung profitabel zu bewirtschaften.

"Es rechnet sich, aber es wird schwieriger", sagt er.
Vor sechs Jahren hat er den Campingplatz von der Stadt Bad Kissingen gepachtet, bis Ende 2017 läuft der Vertrag. Ob er und seine Frau darüber hinaus weitermachen, ist allerdings unklar.

Dabei hat die Familie Voll in den vergangenen sechs Jahren einiges erreicht: Vor allem ist es ihr gelungen, ein neues, jüngeres Publikum für sich zu gewinnen. Jetzt campen auch viele Familien mit Kindern auf dem Gelände, sagt der 49-Jährige. Dennoch reicht das nicht aus, die Auslastung müsse besser werden, sagt Judith Voll. "Wir fahren jetzt seit fünf Jahren auf Messen und kommen nicht wirklich voran."

Gäste bleiben wenige Tage

Trotz großer Anstrengungen in Sachen Werbung gelinge es nicht, die Übernachtungszahlen zu steigern. Die Schuld daran gibt Joachim Voll einer allgemeinen Entwicklung im Fremdenverkehr: Die Aufenthaltsdauer der Gäste wird immer kürzer. Das zeigen Zahlen des statistischen Landesamtes Bayern. Im Vergleich zu früher verbringen die Gäste nicht mehr ihren gesamten Urlaub an einem Ort, sondern bleiben gerade eine Woche oder ein langes Wochenende. "Drei bis fünf Tage sind die Regel", schildert Joachim Voll. "Ich muss mittlerweile drei Mal so viele Gäste akquirieren." Nur um den Status quo bei den Übernachtungszahlen zu halten.

Personalnot im Restaurant

Das Hauptproblem ist aber ein anderes: "Ich finde kein Personal mehr", klagt Judith Voll. Weder über Zeitungsanzeigen noch über die Vermittler der Arbeitsagenturen. Acht Saisonarbeiter müssen für die Zeit von April bis Oktober gefunden werden. In der Küche und im Service ist die Personallage besonders angespannt. "Wir haben eine große Fluktuation. Wir haben bisher einen festen Personalstamm von vier Mitarbeitern", sagt Joachim Voll. Der Rest muss Jahr für Jahr neu angeworben und eingearbeitet werden. Das gelinge aber immer weniger.

Peter Schönfelder, Pressesprecher der Arbeitsagentur in Schweinfurt bestätigt, dass gerade Arbeitgeber in der Gastronomie Probleme haben, Personal zu finden. Service und Küche "sind unsere Sorgenkinder". Nach offiziellen Berechnungen brauchen Arbeitgeber drei Bewerber je freie Stelle. Dann könnten sie die Lücke schnell füllen. Im Landkreis Bad Kissingen sind die offiziellen Zahlen der Arbeitsagentur äußerst ungünstig: Im Juli haben sich rein statistisch 1,1 Arbeitslose für eine Stelle im Bereich Küche beworben, im Service waren es sogar nur 0,7 Personen je Arbeitsplatz. "In Bad Kissingen ist die Situation besonders stark ausgeprägt. Der Arbeitsmarkt ist zu einseitig", sagt Schönfelder.

Kleine Gastronomen betroffen

Laut Heinz Stempfle, Vorsitzender des Hotel und Gaststättenverbandes im Kreis Bad Kissingen, tragen vor allem die Kleinen den Schaden. "Es trifft mehr die kleinen Betriebe, die auch spontan Leute brauchen." Dass der Arbeitsmarkt leer sei, könnten größere Hotels leichter verkraften. Zum einen, weil sie weniger saisonabhängig sind und konstante Beschäftigungsverhältnisse bieten, zum anderen, weil sie sich Mitarbeiter aus dem Ausland holen können. Große Hotels in Bad Kissingen machen das bereits. "Wir können das nicht", sagt Judith Voll. Der Personalnotstand wird sich daher für sie weiter zuspitzen.

Schon jetzt zwingt er die Familie Voll das Restaurant und den Biergarten tageweise geschlossen zu lassen. Die Volls beschäftigen einen Koch in Teilzeit. Wenn der frei hat, stellt sich Frau Judith hinter den Herd - soweit das Tagesgeschäft das zulässt. Wenn sich an der Situation nichts ändert, ist das Restaurant kaum zu halten. "Es ist möglich, dass die Wirtschaft komplett geschlossen wird", sagt die 44-Jährige. Für die Attraktivität des Campingplatzes wäre das eine Katastrophe.



Übernachtungen im Landkreis Bad Kissingen

Im Kreis Bad Kissingen haben kontinuierlich weniger Beherbergungsbetriebe (mit neun und mehr Betten), einschließlich Campingplätze, geöffnet. 2008 waren es insgesamt 181 Betriebe, 2013 nur 163. Die Zahl der Betten liegt konstant bei etwa 11.000.

Es kommen mehr Touristen in den Kreis. 2008 wurden 360 012 Ankünfte gezählt, 2013 und in den beiden Jahren davor kamen je mehr als 400.000 Gäste an. Die Zahl der Übernachtungen steigt aber nicht, sondern liegt konstant bei 2,1 bis 2,2 Millionen.

Die Aufenthaltsdauer wird kürzer. Vor sechs Jahren blieben die Gäste im Schnitt 5,8 Nächte in Bad Kissingen, 2013 waren es noch 5,4 Nächte. Der Rückgang um statistisch eine halbe Nacht wirkt sich aus: Bei gleichen Gästezahlen kommen 160.000 Übernachtungen weniger zusammen. Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik
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