Bad Kissingen
Konzerte

Beim Kissinger Sommer Orchester nicht nur für einen Tag

Die 'Artists in Residence' zeigen beim Kissinger Sommer ihr vielschichtiges Können.
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Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen gastiert in Bad Kissingen.  Foto: Gerhild Ahnert
Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen gastiert in Bad Kissingen. Foto: Gerhild Ahnert
Ein Intendantenwechsel macht immer neugierig. Nicht nur auf bisher nicht erlebte Künstler, sondern auch auf konzeptionelle Änderungen. Dies gilt für jedes Theater- und Opernhaus genauso wie für Festivals, also auch für den Kissinger Sommer. Eine dieser konzeptionellen Neuerungen ist die fünfjährige Bindung der international gefeierten Deutschen Kammerphilharmonie Bremen unter Leitung ihres finnischen Stardirigenten Paavo Järvi als offizielles Festivalorchester. Gleiches gilt für die Verpflichtung der beiden Solistinnen Patricia Kopatchinskaja (Violine) und Vesselina Kasarova (Mezzosopran) als mehrtägig zu erlebende 'Artists in Residence'.

"Der Kissinger Sommer soll kein Ort des bloßen Namedropping sein", hat sich Tilman Schlömp bei der Künstlerwahl vorgenommen. Es geht dem neuen Intendanten also nicht in erster Linie um eine nüchterne Auflistung weltbekannter Künstlernamen. Wichtig ist ihm, ausgewählte Künstler in der breiten Vielfalt ihres Könnens und auch als Mensch neben der Bühne den Festivalgästen zeigen zu können. Dies kann mit einem einzigen Konzert nicht gelingen, weshalb heuer jede der beiden ausgewählten Solistinnen jeweils drei verschiedenartige Konzerte geben wird. Schlömp betont: "Erst dann hat man als Zuhörer die Chance, einen Künstler richtig kennenzulernen."

Gemeinsam mit dem BBC Symphony Orchestra präsentierte sich die in Moldawien geborene, aber schon seit fast 30 Jahren in der Schweiz lebende Violinistin Patricia Kopatchinskaja (40) zum ersten Mal am 24. Juni im Max-Littmann-Saal als Solistin.

Auch die aus Bulgarien stammende Sängerin Vesselina Kasarova (52) lebt schon seit über zwei Jahrzehnten in der Schweiz. Am 24. Juni war die Mezzosopranistin im Brückenauer Ludwig-Saal in einem Liederabend mit Iryna Krasnovska am Klavier und der Musik von Berlioz, Rachmaninow und Brahms zu hören.


Fragen im persönlichen Gespräch

Noch vor ihrem zweiten Konzert beantwortet auch sie ihren Fans im persönlichen Gespräch am 1. Juli deren Fragen. Gleich am nächsten Abend (2. Juli) wird sie mit dem Tenor Ramón Vargas beim Konzert des Münchner Rundfunkorchesters unter Leitung von Francesco Ivan Ciampa Werke aus dem italienischen Belcanto singen, mit Kompositionen von Rossini, Bellini, Verdi. In ihrem dritten Konzert bringt Kasarova als Solistin des Abends zur Musik der Bamberger Symphoniker unter Jakub Hruša die lyrische Szene "Cleopatras Tod" von Hector Berlioz.

Natürlich nicht die vier Wochen des Kissinger Sommers, aber doch etliche Tage residieren die Musiker der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen in der Kurstadt. Als offizielles Festivalorchester kann man die Musiker unter Leitung von Paavo Järvi in großer oder kleiner Besetzung gleich sechs Mal erleben. Mögen das sinfonische Eröffnungskonzert, eine musikalische Schnitzeljagd und das dramatische Klavierkonzert zu Beginn des Festivals für das Orchester und deren Zuhörer höchste Erwartungen erfüllt haben, so werden die Musikprofis vor allem am 9. Juli beweisen, weshalb ihre Verpflichtung als offizielles Festivalorchester eine ausgezeichnete Idee war: Denn am Nachmittag erleben die Zuhörer im Kurtheater das Ergebnis mehrmonatiger Nachwuchsarbeit der Bremer Profis mit Musikklassen Kissinger Schulen und Mitgliedern des Jugendmusikkorps, die gemeinsam mit den Pianisten Anton Gerzenberg und Alexander Vorontsov unter der Regie von Luise Kautz musizieren, singen und spielen.


Tolles Erlebnis

Intendant Tilman Schlömp ist schon jetzt begeistert: "Diese Profis heben mit ihrer Arbeitsintensität die Schüler auf ein so hohes Niveau, dass diese Aufführung sicher für jeden Zuhörer ein tolles Erlebnis wird." Ein international renommiertes Orchester wie die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen oder ausgewählte Solisten als Artists in Residence gleich an mehreren Tagen und in unterschiedlichen Klangfarben zu hören, soll vor allem auswärtige Klassikfans verleiten, so die Hoffnung des neuen Intendanten, mehrere Übernachtungen in Bad Kissingen zu buchen. "Fans können ihren Lieblingsstar auf diese Art noch besser kennenlernen." Die Verpflichtung solcher Artists in Residence ist deshalb ein wichtiger Baustein in Tilman Schlömps Festivalkonzept: "Artists in Residence muss ein Besucher von einem Festival dieses Ranges erwarten dürfen."
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