Frost und Trockenheit, das waren die Todfeinde der unterfränkischen Landwirtschaft. Von den rund 115 000 Hektar geschädigter Anbauflächen in Bayern liegen 90 000 in diesem Regierungsbezirk. MdL Robert Kiesel (CSU) hatte den Landwirtschaftsminister nach Nüdlingen gebeten, um das ganze Ausmaß dieser Schäden vorzuführen.
"Hier wird vorwiegend Winterweizen angebaut", erklärte der stellvertretende BBV-Obmann Markus Memmel dem Gast, aber auch der Raps hat gelitten. Tobias Kind vom Erzeugerring Würzburg riss eine Rapspflanze aus, die auf den ersten Blick noch gut aussah, deren Wurzeln jedoch bereits angefault waren: "Wegen der Wurzelfäulnis fällt eine Pflanze nach der anderen um", betonte der Fachmann. Ein benachbartes Feld zeigt sich eher braun als grün."Eisenbahnerweizen - an jeder Station ein Halm," kommentierte ein Landwirt den Anblick. Robert Kiesel bestätigte, dass das Wetter den unterfränkischen Landwirten nunmehr im dritten Jahr Probleme bereitet habe, "aber heuer ist es extrem".
"Frostschäden - umgebrochen; Trockenheit - umgebrochen." Markus Memmel und seine Landwirts-Kollegen wiesen - ebenso wie die extra zum Termin angereiste Politiker und Fachleute - darauf hin, dass viele Bauern ihre Felder heuer schon zum 2. Mal umbrechen und damit zwei Aussaaten unterpflügen mussten. Einmal umbrechen, das bedeutet 500 bis 600 Euro pro Hektar. "das selbe müssen wir nun für Mais noch einmal ausgeben," klagte einer der Nüdlinger Landwirte.
"Wie können wir der Natur Paroli bieten?" Der Landwirtschaftsminister setzt angesichts des Klimawandels vor allem auf die Forschung und damit auf die Züchtung von Sorten mit weniger Wasserbedarf.
Doch es müsse auch um akute Hilfen gehen, wie BBV-Bezirkspräsident Bernhard Weiler und Innenstaatsekretär Gerhard Eck betonten. So forderte Weiler unter anderem einen Risikofonds
Mit einer steuerlichen Rücklagenbildung könnte sich der Minister anfreunden, doch das habe der Bund bisher abgelehnt. Eine Versicherungslösung wiederum wäre laut Brunner denkbar, "aber die Bauern müssen wissen, dass sie das mit ihrem eigenen Geld bezahlen." Und damit müssten sie eventuell auch Ernteausfälle in südlichen EU-Ländern mit bezahlen. Es sei denn, es gäbe eine nationale Lösung.
Es gelte, über Alternativfrüchte nachzudenken, so Brunner weiter. Jedoch: "Der Anbau von Sommergerste ist hier vergbliche Liebesmüh," wie MdL Kiesel angesichts der Bodenqualität betonte. Und auch mit dem Mais ist das so ein Problem. Für Körner-Mais ist es nach Aussage eines Landwirts heuer schon zu spät, und: "Jeder will nun Silo-Mais für Biogasanlagen anbauen, aber wir haben nicht so viele Anlagen." Brunner gestand zu, eine Patentlösung heute nicht dabei zu haben.
Der Feldbesichtigung folgte der angenehmere Teil des Besuchs: der Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde Nüdlingen, Häppchen und die Vorstellung von Ort und Rathaus durch Bürgermeister Günter Kiesel.