Bad Kissingen
Sommerinterview

Baudirektor Hermann Schober im Interview: "Langweilig war es nie"

Bad Kissingens Baudirektor Hermann Schober blickt kurz vor seinem Eintritt in die Freistellungsphase der Altersteilzeit auf 30 Jahre Engagement für Bad Kissingen zurück.
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Bad Kissingens Baudirektor Hermann Schober im Gespräch mit Redakteur Thomas Mäuser. Foto: Carmen Schmitt
Bad Kissingens Baudirektor Hermann Schober im Gespräch mit Redakteur Thomas Mäuser. Foto: Carmen Schmitt
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Am 1. September 1985 begann Hermann Schober seine neue Aufgabe als Baudirektor der Stadt Bad Kissingen. Seinen letzten Tag im Amt hat er am 28. August, dann beginnt für ihn die Freistellungsphase der Alterszeilzeit. Hermann Schober hat in 30 Jahre an maßgeblicher Stelle in Bad Kissingen viel bewegt, Anlass genug für einen Rückblick.

Herr Schober, was hat die Stelle in Bad Kissingen für Sie interessant gemacht?
Hermann Schober: Das waren vor allem die Themen Kanalsanierung und Heilquellenschutz. Ich war zuvor acht Jahre in der Bayerischen Staatsbauverwaltung in München im Bereich Wasserwirtschaft tätig. Mir waren die Probleme in Bad Kissingen bekannt,. Als ich vom Ministerium gefragt wurde, ob ich Interesse an der ausgeschriebenen Stelle in Bad Kissingen hätte, habe ich zugesagt.




Das Thema Kanal hat sie in Bad Kissingen von Anfang an begleitet und ist nach wie vor aktuell. Können Sie kurz das Ziel der Kanalsanierung erläutern?
Es handelt sich nicht nur um eine Sanierung. Wie haben eine Kombination von Neubau und einer Erneuerung im Bestand. Dabei ist zu beachten, dass das Schmutz- und Regenwasser in ausreichend großen Kanälen so abgeführt wird, dass weder die Gewässer noch das Grundwasser verunreinigt werden. Das bedeutet, dass dieses Mischwasser nicht mit dem Grundwasser in Berührung kommen darf.

Haben sich die Vorgaben in Sachen Kanalerneuerung in den vergangenen 30 Jahren geändert?
Vor 30 Jahren hatte man den Standpunkt, dass das nur mit dichten Kanälen ohne die Anlage begleitender Dränagen passieren kann. Heute wissen wir, dass wir die bestehenden Grundwasserverhältnisse im Heilquellenschutzgebiet nicht verändern dürfen und wir deshalb die Dränagewirkung der Kanäle nicht aufgeben können. Die Maßnahme ist komplexer geworden, als man vor 30 Jahren gedacht hat.

Ihr Aufgaben-Spektrum lag nicht nur im Tiefbau. Welche weiteren Projekte haben ihr Arbeitsleben in Bad Kissingen bestimmt?
Die waren vielfältig. Wir haben viele Projekte selbst durchgeführt, aber auch Maßnahmen gehabt, bei denen die Stadt ihre Interessen einzubringen hatte. Zum Beispiel beim vierspurigen Ausbau des Ostrings Ende der 1980er bis Mitte der 1990er Jahre. Da hat die Stadt im Auftrag des Bundes den Ostring geplant, ausgeschrieben und gebaut. Beim Hochwasserschutz ging es der Stadt neben der Funktion auch um die Gestaltung, zum Beispiel beim Schweizerhaus- und beim Luitpoldpark-Steg. Es ging darum, zusammen mit den Wasserwirtschaftsamt und der Staatsbad GmbH eine gelungene Einbindung in das Stadtbild zu erreichen. Außerdem war auf die Anpassung der (Altstadt-) Binnenentwässerung an das Hochwasserschutz-System zu achten.

Langweilig ist es Ihnen als Leiter des Bauamtes sicher nicht geworden.
Nein, wirklich nicht. Das Tolle war, dass ich mit sehr vielen Themen befasst war. Das reichte vom Umbau des Terrassenbades in den 1980er Jahren bis hin zu den Umbauten an den Schulen. Gerade letztere waren eine große Herausforderung, besonders die Kliegl-Schule mit ihrem relativ schlechten Bauzustand. Eine schöne Aufgabe war die Obere Saline, angefangen von der Reitanlage bis hin zum Bismarckmuseum, zumal die Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv und ihrem Leiter Peter Weidisch sehr viel Spaß gemacht hat. Hinzu kamen die stadtplanerischen Aufgaben, zum Beispiel die Verkehrsberuhigung der Innenstadt mit der Ausweisung der Fußgängerzone Ludwigstraße, die Baubegleitung an der KissSalis-Therme und die Umnutzung der Kaserne.

Wie hat sich die Arbeit im Bauamt in den vergangenen 30 Jahren verändert?
In den 90er Jahren bekamen wir neue Mitarbeiter, die uns geholfen haben, den Kontakt mit den Bürgern zu verbessern. Ende der 90er Jahre folgte die Einführung der EDV, die immer mehr zur Grundlage für das technische Geschäft geworden ist. Es wird alles immer schneller. Ob es dadurch besser wird, ist die Frage. Sowohl die Bürokratie von außen als auch die Bürokratie im Betrieb haben immer mehr zugenommen.

Sie haben mit sechs Stadtratsgremien zusammengearbeitet. Was hat sich bei dieser Zusammenarbeit im Laufe der Jahre verändert?
Die Zusammenarbeit hat sich deutlich verändert, seit wir - anders als früher - umfangreiche Sitzungsvorlagen erarbeiten. Je umfangreicher diese Vorlagen sind, desto mehr geht man auch bei den Vorträgen im Stadtrat ins Detail und eröffnet damit umfangreiche Diskussionsgrundlagen.

Auf welche "Baustellen" muss sich die Stadt in Zukunft einstellen?
Ein Riesen-Thema wird die Erhaltung und Erneuerung der vorhandenen Infrastruktur im Bereich Straßen und Kanäle sein. Ein sehr anspruchsvolles Projekt ist auch die neue Altstadt, schon alleine wegen der äußerst beengten Verhältnisse und dem Problem, dass Ver- und Entsorgung während der Altstadtsanierung nicht einfach abgestellt werden können. Auch Straßenbauprojekte werden zu lösen sein, so zum Beispiel im Bereich des Rings zwischen Schlachthof- und Garitzer Kreuzung. Die Südbrücke wird nicht ewig halten. Wie soll zum Beispiel der Verkehr während des Baus einer neuen Südbrücke fließen? Wird es eine neue Brücke an der selben Stelle oder eine mit leicht versetztem Standort geben?

Da wäre noch das Thema Weltkulturerbe.
Das wird eine interessante Geschichte für das Bauamt, das wird es nicht zum Nulltarif geben. Sowohl Stadt als auch die Bürger müssen diese Aufgabe annehmen und den Denkmalschutz wie bisher weiter pflegen. Auch mit dem Thema Kurgebiet und Kurhaushotel wird sich die Stadtplanung befassen müssen. Ebenso wie mit der Weiterentwicklung des Gebietes Bad Kissingen-Nord.

Alles in allem: Hat Ihnen die Zeit als Leiter des Bauamtes in Bad Kissingen Spaß gemacht?
Ich hatte die Chance, mich weiterzuentwickeln, es ist ein Rückblick in Zufriedenheit. Aber es war auch eine Arbeit, die ich nicht alleine gemacht habe, sondern im Team mit den Mitarbeitern des Bauamtes, mit den Planern, mit Behörden und Firmen. Es war reizvoll, es immer wieder mit neuen Projekten zu tun zu haben. Und auch die Bürgerversammlungen waren stets ein besonderes Ereignis mit überraschenden Ergebnissen. Die Vor- und die Nachbereitungen waren nie langweilig.

Gab es auch Dinge, an die Sie sich nicht so gerne erinnern?
Was mich immer sehr traurig gemacht hat, war der Tod von Kollegen, so des Leiters der Bauverwaltung, Hubert Weiß, und des Leiter des Servicebetriebes, Matthias Hanft. Beruflich ist es oft nicht möglich, die Prozesse der Entwicklung eines Bauprojektes hundertprozentig vorherzusagen. Man wird aber vom Stadtrat und von der Bevölkerung an der ersten Zahl gemessen.

Künftig werden Sie mehr Zeit für sich haben. Was machen Sie mit dieser Zeit?
Ich werde die Kinder und Enkel öfter besuchen, alte Freundschaften besser pflegen und viel Spaß beim Gesangverein 1883 Garitz haben.

Wo ist Ihre Lieblingsstelle in Bad Kissingen?
Der Luitpoldpark. Er ist ein Schatz, auf den wir aufpassen müssen wie auf unseren Augapfel. Das gilt auch für die anschließenden Grünanlagen entlang der Saale.

Herr Schober, werden Sie als gebürtiger Münchner nach dem Beginn der Freistellungsphase in Bad Kissingen bleiben?
Die nächste Zeit auf jeden Fall!

Das Gespräch führte
Thomas Mäuser
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