Stangenroth
Arbeitgeber

Basaltwerk schuf wichtige Arbeitsplätze in der Not

Für Männer gab es früher in der Rhön nicht viele Möglichkeiten, Geld zu verdienen. Und so waren sie froh, im Steinbruch arbeiten zu können.
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Die erste Mannschaft im Basaltwerk Stangenroth bei der Arbeit im Jahre 1930. Fotos: Archiv Alfred Saam
Die erste Mannschaft im Basaltwerk Stangenroth bei der Arbeit im Jahre 1930. Fotos: Archiv Alfred Saam
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Es gibt kaum eine Anlage in der Rhön, die derart vom Existenzkampf der Bevölkerung zeugt wie das Basaltwerk am Schwarzenberg unterhalb der Kissinger Hütte. Fast ein Jahrhundert lang wurde hier das Vulkangestein herausgebrochen, das im Straßenbau Verwendung findet. Doch seit vor zwei Jahren der Pachtvertrag abgelaufen ist, stehen die Maschinen still. Die marode Anlage soll abgerissen werden.

Von moderner Technik konnten die Menschen Anfang des vergangenen Jahrhunderts nur träumen. Die Erträge aus der Landwirtschaft waren mäßig, Industrie und Infrakstruktur gab es praktisch nicht. Die Schwierigkeiten der Aufbauzeit in der Rhön wurden in den Jahren 1922/23 durch die Inflation noch verstärkt. Als 1929 im Zuge der Weltwirtschaftskrise die Arbeitslosigkeit überall stieg, wurde die strukturschwache Rhön zum Notstandsgebiet erklärt.

Unvorstellbare Anstrengung

Einer der einflussreichen Politiker, der sich in der Not der Rhön in diesen bitteren Zeiten besonders annahm, war Dr. Alfons Probst. Dem gebürtigen Hammelburger gelang es als Landtagsabgeordneter, Minister und hohe Ministerialbeamte für die Region zu interessieren. Um Arbeitsplätze zu schaffen, wurde schließlich der Bau eines Basaltwerkes durch den Landtag genehmigt. Betreiber war das Forstamt Stangenroth.

1929 übernahm ein Mann die Leitung, dessen Name aufs Engste mit dem Basaltwerk Stangenroth verbunden ist: Georg Bamberg. Dank seiner technischen und forstwirtschaftlichen Ausbildung gelang es ihm, das Basaltwerk aufzubauen und zur Blüte zu führen.

Die 15 Männer, die dort arbeiteten, kamen aus den umliegenden Orten: Stangenroth, Gefäll und Langenleiten. Da es zu dieser Zeit noch keine Fahrgelegenheit gab, mussten sie im Schnitt sechs Kilometer zu Fuß laufen, bis sie zur Schwerstarbeit antreten konnten. Am Abend ging es denselben Weg wieder zurück, und zu Hause wartete dann oft auch noch Arbeit in der Landwirtschaft. Diese Belastung ist aus heutiger Sicht unvorstellbar. Aber die Menschen in der Rhön damals hatten kaum eine Wahl.

Betrieb auch im Krieg

Der Kasernen-Neubau in Wildflecken im Jahre 1937, wohl zu dieser Zeit Bayerns größte Baustelle, brachte rund 9000 Arbeitern aus der näheren und ferneren Umgebung Arbeit und Brot. Nun kam das Basaltwerk auch außerhalb des eigenen Forstbereichs ins Geschäft, denn zahlreiche Wege und Straßen mussten neu gebaut werden.
1938 baute man eine Hochspannungsleitung von Oberbach zum Basaltwerk und stellte von Diesel- auf Elektromotoren um. Für den Betrieb war dies ein ungeheurer Fortschritt, denn die Dieselmotoren, die die Transmissionen und Flachriemen für das gesamte Werk antrieben, waren sehr störungsanfällig.

Neue Forst- und Flurwege

Der Beginn des 2. Weltkrieges ging natürlich auch am Basaltwerk nicht spurlos vorüber. Schon in den ersten Kriegstagen wurden Arbeiter zur Wehrmacht eingezogen. Da aber die Firma Ullrich aus Elfershausen zum Wegebau im Raum Wildflecken weiterhin Basalt benötigte, blieb das Werk bis September 1943 in Betrieb. Doch schließlich wurden die Arbeiten eingestellt, weil es an Männern mangelte und gegen Ende des Krieges kaum noch Straßen gebaut wurden.

Bereits 1946 wurde mit der Instandsetzung und Modernisierung des Basaltwerks begonnen. 1947 konnte die Produktion wieder aufgenommen werden. Schon bald fanden mehr als 30 Männer hier Arbeit.

Nach der Währungsreform begann der wirtschaftliche Aufschwung, von der auch das Basaltwerk ungemein profitierte. Zunächst wurde von den Forstämtern der Neubau von Forstwegen intensiv betrieben. Die ab dem Jahre 1953 häufig eingeleiteten Flurbereinigungsmaßnahmen und der damit verbundene Bau von Flurwegen führte zu einer weiteren Absatzsteigerung. Die Arbeiter wurden nunmehr mit einem betriebseigenen LKW aus den umliegenden Dörfern zur Arbeit abgeholt. 1951 wurde zu diesem Zweck sogar ein Bus angeschafft.

Überlegungen zum Verkauf

Forstmeister Friedrich Ellinger, der das Werk von 1959 bis 62 leitete, stellte erstmals Überlegungen über einen Verkauf an und holte sogar schon Angebote von Interessenten ein. Verständlicherweise wandten sich die Arbeiter des Basaltwerkes in einer Resolution gegen diese Absichten. Schließlich setzten sich auch Abgeordnete und der damalige Landrat Engelbert Hofmann bei der Bayerischen Staatsregierung für das Basaltwerk ein, und Ellinger musste seine Pläne zu den Akten legen. Zu dieser Zeit erreichte die Jahresbilanz eine halbe Million DM, eine beachtliche Summe.

Georg Bamberg, der frühere Leiter des Werks, war noch bis 1964 im Betrieb. Er wurde, als er wieder einmal einen neuen Leiter einarbeitete, dazu aufgefordert, leistungsfähigere Maschinen anzuschaffen. Er lehnte dies aber ab, "denn das Basaltwerk sei als Notstandsprojekt gebaut worden, damit die Rhöner Arbeit und Brot erhielten", und so solle es auch bleiben.

Aber der Fortschritt war nicht mehr aufzuhalten, zumal Arbeitskräfte immer teurer wurden. Durch das altersbedingte Ausscheiden mancher Arbeitskräfte war das Personal im September 1968 auf 15 Mann zurückgefahren worden. Aber auch der Preisverfall machte dem Werk ab 1968 zunehmend zu schaffen. 1971 wurde den Arbeitern eröffnet, dass das Basaltwerk nun nicht mehr von der Forstbehörde betrieben würde. Als neuer Pächter wurden die Schotterwerke A. Albert & Sohn aus Eltingshausen vorgestellt.

Um Arbeitskräfte einzusparen, bemühte man sich um die weitere Automation der Produktion. Bis zum Jahr 1975 investierte die Firma Albert 2,5 Millionen DM. Als das Basaltvorkommen an dieser Stelle zu Ende ging und die Basaltgrube mit 100 Metern Tiefe im Jahre 1996 auch wegen Wassereinbruch stillgelegt werden musste, sah es so aus, als müsste der Basaltwerkbetrieb eingestellt werden.

Schließlich genehmigten die Oberforstdirektion Würzburg, die Untere Naturschutzbehörde vom Landratsamt Bad Kissingen und der Markt Burkardroth dann doch einen weiteren Basaltabbau an anderer Stelle. Doch auch hier reichte das Vorkommen nur noch für einige Jahre.

Jetzt will die Deutsche-Basalt-AG den Basaltabbau in der Rhön übernehmen. Vorkommen gibt es hier ja mehr als genug. Und Basalt wird wahrscheinlich immer gebraucht, beim Bau von Fernstraßen und beim Ausbessern von schadhaften Straßen. Was aber die Arbeitsplätze betrifft, spielt der Basaltabbau in der Rhön keine große Rolle mehr.

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