Burkardroth
Massnahme

Barrierefreiheit immer wichtiger

Ein Viertel der Burkardrother ist über 60 Jahre. In 15 Jahren wird sich die Zahl verdoppeln. Umso wichtiger ist eine barrierefreie Infrastruktur.
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Zahnärztin Sandra Lange gehört seit Oktober dem Team in der Praxis von Astrid und Benedikt Staab an. Hier ist sie Robert Schmitt behilflich, auf der neuen Rampe zu gehen. Das Bauwerk entstand in den vergangenen Monaten, ebenso ein Behindertenparkplatz.  Foto: Kathrin Kupka-Hahn
Zahnärztin Sandra Lange gehört seit Oktober dem Team in der Praxis von Astrid und Benedikt Staab an. Hier ist sie Robert Schmitt behilflich, auf der neuen Rampe zu gehen. Das Bauwerk entstand in den vergangenen Monaten, ebenso ein Behindertenparkplatz. Foto: Kathrin Kupka-Hahn
Beherzt greift Sandra Lange Robert Schmitt unter den Arm. Dann geht die Zahnärztin mit ihm ein paar Schritte zur Praxis hinauf. Bisher mussten die Patienten auf dem Weg dahin mehrere Stufen passieren. Doch seit ein paar Tagen geht das deutlich bequemer und einfacher, denn die Praxisinhaber, Astrid und Benedikt Staab, haben eine Rampe errichten lassen. Wochenlang war der Vorgarten des Hauses, das sich an der Ortsdurchfahrt Burkardroths in der Unteren Marktstraße befindet, eine Baustelle. "Wir wollen damit unseren älteren Patienten einen behindertengerechten Zugang ermöglichen", erklärt Astrid Staab.


Auch für Kinderwagen

Dabei ging es aber nicht nur um einen besseren Zugang für Menschen, die gar nicht mehr laufen können und deshalb auf Rollstühle oder auf Krankentransporte mit Tragestühlen angewiesen sind. "Auch gehbehinderte ältere Patienten mit Rollatoren und Spazierstöcken sollten ohne Treppensteigen zu uns reinfinden können", sagt sie. Schließlich sei schon mal ein Patient auf der Treppe gestürzt. Doch das gehört nun der Vergangenheit an. Denn die Zahnarztpraxis ist ab sofort barrierefrei erreichbar. "Auch für Patienten mit Kinderwagen, die bis vor die Praxis rollen können oder mit ihren Babys auch hereinfahren können", fügt die dreifache Mutter hinzu.

Robert Schmitt ist von dem neuen Zugang ganz begeistert. "Es wurde gut investiert. Das ist ordentlich gemacht", sagt er und hält sich probeweise am Handlauf fest. Der 76-Jährige ist schon viele Jahre ehrenamtlich als Behindertenbeauftragter des Marktes Burkardroth tätig und somit Ansprechpartner für alle Menschen mit Behinderung. Zudem war Schmitt viele Jahre als Gemeinderat engagiert und sogar Ortssprecher von Zahlbach. "Wir haben in der Vergangenheit zu wenig auf Barrierefreiheit geachtet", gibt er heute ganz offen zu. "Wenn man jung ist, denkt man nicht daran", fügt er hinzu.


Handlungsbedarf besteht

Kritisch sieht Schmitt beispielsweise die Bordsteine in den Wohngebieten. Sie seien teilweise sehr hoch, am Burkardrother Kirchberg etwa sogar 15 Zentimeter. Für Menschen, die hier mit Rollatoren unterwegs sind, seien diese ein echtes Hindernis. "Da ist halt früher nicht darauf geachtet worden", fügt Schmitt hinzu. Doch da die Zahl der älteren Bewohner in den kommenden Jahren stetig zunehmen wird, besteht seines Erachtens echter Handlungsbedarf, auch bei einigen öffentlichen Gebäuden.

So ist das Rathaus am Marktplatz zwar über eine Rampe zugänglich, jedoch besteht im Innern des Verwaltungsgebäudes keine Möglichkeit, barrierefrei in den Sitzungssaal im Dachgeschoss zu gelangen. Dort finden beispielsweise jeden Monat die öffentlichen Gemeinderatssitzungen und auch Trauungen statt. Da man den Saal nur über eine Treppe erreichen kann, bleiben gehbehinderte Menschen von diesen ausgeschlossen. Auch die Mittelschule, die ehemalige Volksschule Burkardroth, und die angeschlossene Turnhalle sind nur über Treppen zugänglich.


Rathaus erhält Fahrstuhl

Bürgermeister Waldemar Bug (ödp) ist sich dessen bewusst. "Beides wird demnächst geändert", sagt er. So soll an die Rückseite des Rathauses ein Fahrstuhl angebaut werden. "Das wird bei den Arbeiten für die bereits seit langem geplante energetische Sanierung des Gebäudes erledigt, die über das Kommunale Investitionsprogramm (KIP) finanziert wird", so der Bürgermeister.

Auch die Mittelschule wird künftig barrierefrei. "Die Treppen an den Eingängen werden verschwinden und ebenfalls ein Aufzug eingebaut", fügt er hinzu. Die Arbeiten dafür wurden bei den Planungen für die Innensanierung des Schulhauses bereits berücksichtigt. Rund 3,3 Millionen Euro soll diese insgesamt kosten. In der vergangenen Woche hat die Regierung von Unterfranken Fördermittel in Höhe von 1,6 Millionen Euro für dieses Vorhaben zugesagt.

Auch auf Landkreisebene ist das Thema Barrierefreiheit präsent. "Grundsätzlich lautet die Empfehlung natürlich, Barrieren abzubauen", schreibt Lena Pfister, die Sprecherin der Behörde auf Nachfrage dieser Zeitung. So werde beispielsweise in den Bürgermeisterdienstbesprechungen regelmäßig über aktuelle Belange und Fördermöglichkeiten zur Barrierefreiheit informiert und den Kommunen bei der Antragstellung geholfen, etwa über das bereits angesprochene KIP oder auch das neue ELER-Programm "Lokale Basisinfrastruktur der Dorferneuerung", das von der Europäischen Union finanziert wird. "Darüber werden auch im Landkreis aktuell verschiedene Maßnahmen umgesetzt, zum Beispiel Barrierefreiheit Rathaus Hammelburg geschaffen und verschiedene Dorfplätze barrierefrei umgestaltet", so die Sprecherin. Außerdem werde das Thema bei allen Regionalentwicklungsprojekten berücksichtigt. "Jüngste Beispiele dafür sind die geplante Umgestaltung der Graf-Luxburg-Sammlung im Schloss Aschach oder die Projekte in Maria Bildhausen barrierefreier Bienenlehrpfad und Zeltplatz, die in den nächsten Jahren neu entstehen werden", erklärt Pfister.


Investition lohnt sich

Im Friseursalon Sommerfeld in Katzenbach ist man schon einen Schritt weiter. Dort besteht der barrierefreie Zugang schon einige Zeit. "Ich bin überrascht, wie viele unserer Kunden diesen nutzen", erklärt Inhaberin Waltraud Sommerfeld. Nicht immer müsse eine echte Gehbehinderung vorliegen, ist sie überzeugt. "Viele haben heutzutage auch Probleme mit den Knien und können daher nicht so gut Treppen steigen", fügt sie hinzu. Im Großen und Ganzen habe sich die Investition gelohnt, lautet ihr Fazit.
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