Bad Kissingen
Luitpoldbad

Balustrade als Krone fürs Bad Kissinger Behördenzentrum

Mehr als tausend Baluster wurden nach historischem Vorbild gegossen und zieren bald die Dächer des Behördenzentrums. Die Bauarbeiten sind genau im Plan.
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Vorher, nachher: Während auf dem Pavillon links noch keine Balustrade hat, ist sie auf dem Treppenhaus hinten schon zum Teil montiert. Foto: Ralf Ruppert
Vorher, nachher: Während auf dem Pavillon links noch keine Balustrade hat, ist sie auf dem Treppenhaus hinten schon zum Teil montiert. Foto: Ralf Ruppert
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In manchem Bad Kissinger Garten steht einer der alten Baluster vom Dach des Luitpoldbades: Vor 15 Jahren wurden so gut wie alle Balustraden wegen Baufälligkeit abgenommen. "Die wurden damals für 20 D-Mark das Stück verkauft", erinnert sich Erwin Full vom Staatlichen Bauamt. Der Erlös sei unter anderem zur Sicherung der Buntglasfenster verwendet worden. Aktuell werden die Balustraden erneuert.
"Das sind rund 270 Meter und mehr als tausend einzelne Baluster", berichtet Architekt Ralf Alsheimer vom Büro "Grellmann, Kriebel, Teichmann".


Bauteile genau dokumentiert

"Einzelne Baluster wurden in der Mitte durchgeschnitten und Schablonen gefertigt", berichtet Full über die Aktion im Jahr 2001. Vier verschiedene Formen - von schlank bis bauchig - werden nun in einem Spezialwerk in Österreich nachgegossen. Aus faserarmiertem und gefärbtem Beton wie die Vorgänger. "Es gibt nur ganz wenige Naturstein-Baluster am Luitpoldbad", berichtet Alsheimer. Vermutlich seien bereits beim Bau des Südflügels 1905 bis 1907 die meisten Baluster in Beton ausgeführt worden. Auch bei der Verteilung der Balustraden hält sich das Staatliche Bauamt streng an das historische Vorbild und die Auflagen der Denkmalpflege. "Die langen Gebäude hatten noch nie welche, nur die Kopfbauten und Treppenhäuser", sagt Architekt Alsheimer.
"Da entsteht so eine Rhythmisierung", schwärmt Full von der Wirkung der Balustraden. "Für ein Behördenzentrum bräuchte man die natürlich eigentlich nicht", verweist er auf die Diskussionen während der Planung. Trotzdem seien sie nie in Frage gestellt worden, schließlich habe sich das Staatliche Bauamt schon bei der Sicherungsmaßnahme 2001 dazu verpflichtet, die Baluster irgendwann wieder aufzubauen. "Man spürt jetzt schon, dass es ein ganz anderes Erscheinungsbild ist", sieht Full das als richtige Entscheidung an: Die Baluster wirkten wie eine Krone auf den Gebäudeteilen. Mitte Juli wurde mit dem aufwendigen Aufbau begonnen. Die neuen Balustraden stehen nicht einfach auf dem Dach wie die alten, sondern sind mit Gewindestangen in Beton verankert. Auf dem älteren Teil des Gebäudes, also West-, Nord- und Ost-Flügel, stehen sie über dem Dach, dort fließt das Wasser darunter durch in die Dachrinne. Beim neueren, einstöckigen Südflügel wurde eine innenliegende Rinne gewählt, wodurch die Balustraden die Fassaden optisch verlängern.


Baluster kosten 600 000 Euro

Erhalten blieben 2001 die so genannten Schildwände: kleine Giebel an den Kopfbauten. "Die wurden damals nur nach hinten gesichert", berichtet Full. Nun werden sie restauriert und ergänzen die Wirkung der Balustraden nach außen und zum Innenhof hin. Noch bis Ende September wird der Aufbau der Balustraden voraussichtlich dauern, veranschlagt sind dafür rund 600 000 Euro von 37 Millionen Euro Gesamtkosten. "Wir sind genau im Zeit- und Kostenrahmen, in einem Jahr können die Behörden einziehen", fasst Erwin Full den aktuellen Stand zusammen.

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