Bad Kissingen
Standort

Bad Kissingen wird Hochschul-Standort

Die Leitung des neuen LGL-Instituts für Kurortmedizin wird in Kooperation mit der Uni Würzburg ausgeschrieben. Mit Kommentar am Ende des Textes.
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Fototermin mit den Chefs: LGL-Präsident Andreas Zapf (Mitte) und Bereichsleiter Bernhard Liebel (rechts) schauen Mitarbeiterin Sabrina Förtsch für ein Foto über die Schulter. Die ersten sieben Mitarbeiter der neuen LGL-Außenstelle sind ins Telekom-Gebäude in der Münchner Straße eingezogen.  Foto: Ralf Ruppert
Fototermin mit den Chefs: LGL-Präsident Andreas Zapf (Mitte) und Bereichsleiter Bernhard Liebel (rechts) schauen Mitarbeiterin Sabrina Förtsch für ein Foto über die Schulter. Die ersten sieben Mitarbeiter der neuen LGL-Außenstelle sind ins Telekom-Gebäude in der Münchner Straße eingezogen. Foto: Ralf Ruppert
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Nach Bad Kissingen soll zwar kein Lehrstuhl kommen, aber immerhin eine so genannte W2-Professur: "Wir haben mit der Universität Würzburg einen Kooperationsvertrag verhandelt, der im März unterzeichnet werden soll", bestätigt der Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Dr. Andreas Zapf, auf Nachfrage. Der Leiter des neuen Instituts für Kurortmedizin wird gleichzeitig Professor an der medizinischen Fakultät Würzburg. "Landesamt und Universität müssen die Stelle einvernehmlich besetzen", beschreibt Zapf das weitere Vorgehen. Die so genannte Brücken-Professur soll unmittelbar nach der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages ausgeschrieben werden.


Belege für Wirksamkeit der Kur

"Das wird der erste Professor der Uni Würzburg, der in Bad Kissingen seinen Sitz hat", freut sich Regierungspräsident Paul Beinhofer, der in die Vorgespräche eingebunden war. Damit erhalte Bad Kissingen ein staatliches Forschungsinstitut, das nicht nur an die LGL angebunden sei. Zumindest Kooperationen mit Universitäten gibt es bereits in Bad Kissingen: Die Deegenberg-Klinik arbeitet mit der Uni Würzburg zusammen, die Marbachtal-Klinik mit der Hochschule Marburg und der niederländischen Rijksuniversiteit Groningen. Aber ein Professor, der von Bad Kissingen aus forscht und lehrt, wäre neu.
Laut LGL-Präsident Zapf soll der Forschungsschwerpunkt auf Rehabilitation und Gesundheitsförderung liegen. Das Konzept sei bereits mit dem Bayerischen Heilbäderverband abgestimmt. Ein Ziel sei, die Wirksamkeit klassischer Kurmittel wissenschaftlich zu belegen.
"Wir beschäftigen uns schon seit einigen Jahren mit dem Thema", verweist Zapf auf Programme der Bayerischen Gesundheitsakademie. Bereits jetzt gebe es zum Beispiel Projekte zu Themen wie Heil- und Moorbäder. Die Betreuung dieser Projekte sei bereits nach Bad Kissingen verlagert worden, ebenso die Vergabe von Stipendien für künftige Landärzte. Aktuell arbeiten sieben LGL-Mitarbeiter in Bad Kissingen.


Burnout bis Ruhestand

Prof. Bernhard Liebl, Bereichsleiter Gesundheit am LGL, geht davon aus, dass am Bad Kissinger Institut auch neue Themen behandelt werden: Burnout, Stress am Arbeitsplatz, Flexibilisierung der Arbeitszeit oder der Übergang in den Ruhestand gehörten dazu: "Wichtig ist eine Ausrichtung der Methoden an die Bedarfe", nennt Liebl als mögliche Forschungsziele.
Im Stellenmarkt der Tageszeitung ist Sabrina Förtsch auf die Ausschreibung des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit aufmerksam geworden: "Das klingt interessant", dachte sie sich. Sabrina Förtsch stammt aus Oberfranken, wohnt in Würzburg, hat ihren Bachelor in Sport-Management und den Master in Betriebswirtschaftslehre gemacht. In der neuen LGL-Außenstelle Bad Kissingen ist sie für Förderprogramme, Vergaben und rechtliche Fragen zuständig. Sie ist eine der ersten Mitarbeiterinnen, die in der Münchner Straße die Arbeit aufgenommen haben.


"Hundert klasse Arbeitsplätze"

"Damit wird unser Profil als Gesundheitsstadt gestärkt", freut sich der Bad Kissinger Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) über die angekündigte Professur. Auch die Ansiedlung des LGL insgesamt lässt das Stadtoberhaupt jubeln: "Es kommen hundert klasse Arbeitsplätze zu uns", sagt er, und: "Da ist Bad Kissingen besser geeignet als jeder andere Standort, weil wir zentral in Deutschland und Europa liegen."
Auch Landrat Thomas Bold (CSU) begrüßt die Pläne, "da wir Bad Kissingen auch als Standort für Wissenschaft und Forschung ausbauen wollen". Die angekündigte Professur stärke das gemeinsame Oberzentrum Bad Kissingen-Bad Neustadt und sei ein "wichtiges Signal für die gesamte Region" . Neben der Professur freut ihn natürlich auch die geplante Verlagerung im Rahmen der Heimatstrategie: "Wir sind sehr froh, dass das LGL in Bad Kissingen angesiedelt wurde, um Gesundheit als die Kernkompetenz in Bad Kissingen und im Landkreis weiter zu stärken", kommentiert Landrat Thomas Bold die Ansiedlung. Der Landkreis Bad Kissingen pflege bereits jetzt im Rahmen der "Gesundheitsregion plus" einen engen Kontakt zum LGL.


Dazu ein Kommentar von Redakteur Ralf Ruppert:
Ein echter Glücksfall

Die Ansiedlung einer LGL-Außenstelle im bekanntesten Kurort Deutschlands ist ein Glücksfall für die gesamte Region. Den Verlust von Arbeitsplätzen etwa in Elfershausen kann es freilich nicht kompensieren, aber es pusht die Gesundheitsregion. Die Professur ist dabei das Sahnehäubchen oben drauf: Es ist längst überfällig, dass die gute Präventions- und Reha-Arbeit in den Kliniken endlich wissenschaftlich untermauert ist. Das ist der einzige Weg, um einen Kahlschlag in der Kur wie in den 1990er Jahren zu verhindern: Niemand kann Patienten etwas wegnehmen, was nachweislich hilft!

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