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Umwelt

Bad Kissingen auf dem Weg zur Fair-Trade-Stadt

Eine Kommission prüft gerade, ob Bad Kissingen das Zeug zur Fair-Trade-Stadt hat. Das Siegel soll für einen bewussten Konsum sensibilisieren.
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Genau hier könnten sich Susanne Wahler-Göbel und Christina Scheit das "Fairtrade-Town"-Siegel gut vorstellen - am Eingang zum Rathaus neben den anderen Auszeichnungen. Noch läuft die Bewerbung. Foto: Carmen Schmitt
Genau hier könnten sich Susanne Wahler-Göbel und Christina Scheit das "Fairtrade-Town"-Siegel gut vorstellen - am Eingang zum Rathaus neben den anderen Auszeichnungen. Noch läuft die Bewerbung. Foto: Carmen Schmitt
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Hammelburg hat sie, Bad Brückenau schon längst, Riedenberg auch, Bad Neustadt ebenso. Schweinfurt will sie und Bad Kissingen jetzt auch. Die Auszeichnung zur "Fairtrade-Stadt". Die Initiatoren wollen für Bad Kissingen mehr als ein weiteres Siegel und fair gehandelten Kaffee im Büro des Oberbürgermeisters.

Die "Mango Monkeys" sind bei den Stadträten besonders beliebt. 1,80 Euro klimpern in die kleine Kasse neben dem Nasch-Fesskorb. Die fair gehandelten Fruchtgummis sorgen nicht nur dafür, dass der Blutzuckerspiegel während der Abstimmungen kurzzeitig ansteigt. Die Ratsmitglieder unterstützen mit dem Kauf gleichzeitig philippinische Kleinbauern und die Preda-Stiftung, die sich dafür einsetzt, Kindern von den Philippinen eine medizinische und schulische Versorgung zu bieten. Eine Kaufentscheidung hat Konsequenzen. Jede einzelne. Dafür will Susanne Wahler-Göbel sensibilisieren.


Bad Kissingen bald Fairtrade-Town?

"Wir haben die verdammte Pflicht", sagt sie. Susanne Wahler-Göbel ist im Vorstand der DBK und leitet die Gruppe, die Bad Kissingen den Titel "Fairtrade-Town" verschaffen will. Doch ihr geht es um mehr als ein Siegel: "Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, was es an Alternativen gibt." Die Bewerbung um die Auszeichnung liegt seit ein paar Tagen bei der Prüfkommission in Köln. Damit ist die Arbeit der Initiatoren aber noch nicht beendet.
"Einen Anstoß geben, Unternehmen ansprechen, Vereine, Schulen, Kindergärten", zählt Christina Scheit auf. Sie sitzt für die SPD im Stadtrat und hat das Naschwerk organisiert, mit dem sich ihre Kollegen mit reinem Gewissen die Sitzungen versüßen. Eine Reihe von Unternehmen haben sich bereits an der Kampagne beteiligt. Dafür müssen sie mindestens zwei Artikel mit einem sauberen Produktionshintergrund anbieten. Dass die auch wirklich im Angebot sind, ist "Vertrauenssache", sagt Susanne Wahler-Göbel.

Die Theologin ist mit dem "Eine-Welt-Gedanken" aufgewachsen, erzählt sie. Dass Bad Neustadt Mitte April 2015 die 322. Fairtrade-Stadt in Deutschland wurde, war für sie Ansporn. Bei einem "fairen Frühstück" festigte sich die Idee des Antrags zu einer fraktionsübergreifenden Mission. Mit knapper Mehrheit beschloss der Wirtschaftsausschuss der Stadt im März, sich an der Fair-Trade-Kampagne zu beteiligen. "Wir fangen in der Stadt ja nicht bei Null an", sagt die Initiatorin.


Selbstverständlich fair

"Bei uns macht sich darüber niemand mehr Gedanken", sagt Anita Schmitt von der Heiligenfeld Akademie. "Für uns ist das ein Selbstverständnis und in den Unternehmensgrundsätzen verankert." Seit Bestehen der Heiligenfeld Kliniken, also seit 26 Jahren, gibt es dort Kaffee aus fairem Handel - ausschließlich. Charlotte Fries ist Vorsitzende des Eine-Welt-Vereins Bad Kissingen. Im Weltladen in der Prinzregentenstraße in der Fußgängerzone bekommt sie die Reaktionen der Kundschaft direkt. Seit bald 20 Jahren bietet der Weltladen in Bad Kissingen fair gehandelte Produkte an. Das Projekt "Fairtrade-Town" hat Charlotte Fries mit initiiert. "Es ist eine gute Sache für eine Stadt, für fairen Handel zu werben", sagt sie. Und der würde das Siegel als "gesundheitsorientierte Stadt" "gut zu Gesicht" stehen, meint Thomas Hack, Sprecher der Stadt.

Wie viel Potenzial in der Aktion steckt? Schon jetzt wachse das Bewusstsein für den Konsum und seine Konsequenzen, meint Susanne Wahler-Göbel. Dass die Wahl auf faire Produkte einmal wie selbstverständlich fällt, das ist ihre Vision. Was es dafür braucht, beantwortet Anita Schmitt: Zeit und Aufklärung. "Jeder kann etwas tun."


Was steckt hinter und in einer Fair-Trade-Stadt?

Siegel "Fair Trade" ein Zertifizierungssystem, das sich zum Ziel gesetzt hat, den Handel auf sozialer, ökologischer und ökonomischer Ebene zu verbessern. Das beinhaltet laut der Website der Organistaion bessere Preise für Kleinbauern, menschenwürdege Arbeitsbedingungen für Beschäftigte auf Plantagen in Entwicklungs- und Schwellenländern. Fair Trade will Unternehmer, Produzenten und Konsumenten ansprechen.

Stempel Die Bezeichnung "Fairtrade-Town", also "Fair-Trade-Stadt", darf sich ein Ort nur anhaften, wenn er bestimmte Prüfkriterien erfüllen. Eines besteht darin, dass eine Reihe von Einzelhändlern und Gastronomen mindestens zwei Produkte aus fairem Handel anbieten müssen. Auch der öffentliche Bereich - wie Schulen, Kirchen und Vereine - soll mitziehen. Ein weiteres Kriterium ist, dass die örtlichen Medien über die Bemühungen der sogenannten Steuerungsgruppe, die durch ihren Bestand Kriterium Nummer zwei erfüllt, berichtet. Und: Die Kommune muss im Stadtrat beschließen, fairen Handel zu unterstützen und verpflichtet sich, in ihren Sitzungen auch fair gehandelten Kaffee auszuschenken. Der Titel "Fairtrade-Town" wird für zwei Jahre verliehen und danach erneut überprüft.

Mitmachen Geschäfte, Gastronomie und Hotelerie, Vereine, Kirchen, Kindergärten, Schulen - jeder kann teilnehmen und sich bei der Leiterin der Steuerungsgruppe, Susanne Wahler-Göbel, unter 0173/6936424 melden.

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