"Den rückläufigen (Mitglieder)-Zahlen in den Abteilungen wollen wir mit verstärkter Werbung begegnen, Sportheim und Sportanlagen in Schuss halten, das dringend nötige Trainingsfeld bauen und geordnete Finanzen bewahren", erläutert Vorsitzender Sven Schüller die aktuelle Situation des Vereins.

Kuhn-Dynastie


Das Jubiläum ist auch Anlass, auf die Geschichte des Vereins zurückzublicken. Am 3. Juni 1912 gründeten elf junge Männer, nämlich Wilhelm Kuhn (später über viele Jahre Bürgermeister), Josef Keß, Karl Krug, Andreas Kuhn, Bruno Kuhn, Emil Kuhn, Hermann Kuhn, Max Kuhn, Georg Nöth, Isidor Werner und Martin Werner den TSV und beriefen aus der Kuhn-Dynastie Wilhelm Kuhn zu ihrem Vorsitzenden. Mit seinen Kameraden veranstaltete er am Gründungstag ein Schauturnen, um die Jugend für diesen Sport zu begeistern. Rasch stellten sich Erfolge wie in Bad Kissingen und Poppenhausen ein. Da eigene Geräte fehlten, übte die junge Riege beim TSV Poppenhausen, dem Patenverein des TSV Oerlenbach.
Während des Ersten Weltkrieges hielten einige wenige Jugendliche den Verein am Leben. Beim Turnfest 1921 begeisterten 22 aktive Geräteturner mit ihren Übungen. Bald kamen als weitere Sparten Faustball und Fußball dazu. Beim zehnjährigen Gründungsfest konnte die erste Vereinsfahne geweiht werden. Schon damals spielten die TSVler Theater, um die Fahne finanzieren zu können.

David gegen Goliath


In der Folgezeit entwickelte sich der TSV zu einer Hochburg im Faustball. Mehrere unterfränkische Meisterschaften und 1926 sogar die nordbayerische errang der TSV zum Erstaunen der Stadtvereine Nürnberg, Würzburg und Schweinfurt. Bei einem Turnier 1927 in Aschaffenburg traf der TSV aus dem kleinen 300-Seelen-Dorf im Finale auf den deutschen Meister "Licht und Luft" Frankfurt und unterlag nach dramatischem Verlauf knapp mit 24:27.
Fußball stand eindeutig im Schatten des Faustballs, auch wenn bei Turnieren in der Umgebung der eine oder andere Pokal mitgenommen werden konnte. Als Zeichen der Mitverantwortung für das Dorf legte der TSV in den 20er Jahren den Aspensee als Wasserreservoir für den Brandschutz an.
Die nächsten Jahrzehnte wurden aber schwierig: Die Mitgliederzahl sank, von 1939 bis 1946 unterblieben Einträge im Protokollbuch. Am 1. Juli 1946 startete der TSV neu mit dem Bau eines Fußballplatzes an der Ramsthaler Straße.
Die offizielle Wiedergründung des TSV folgte am 8. September 1946, initiiert vom damaligen Spielführer der Fußballmannschaft Josef Zimmermann. Zur Runde 1946/47 meldete der TSV eine Fußballmannschaft und pflegte daneben weiterhin Faustball und Turnen.
Doch der Fußball rückte jetzt stärker in den Vordergrund. 1947/48 schaffte das Team den Aufstieg in die Bezirksklasse 1.
Gegen Ende der 60er Jahre endete im TSV das Kapitel Faustball. In dieser Phase stand dem TSV ein neuer Kraftakt bevor: Der alte Sportplatz wurde von der Firma Hegler benötigt, ein neues Spielfeld mit Sportheim konnte im Juli 1971 eingeweiht werden.
In den folgenden Jahrzehnten erlebte der TSV einen Aufschwung und erweiterte sein Angebot an Breitensport stetig. Dazu gehörten z.B. Damengymnastik, Tischtennis, Basket- und Volleyball, Wandern, die Skiabteilung, Mutter-Kind-Turnen sowie Triathlon. Die Basketballmädchen errangen viele Titel mit ihrem "Meistermacher" Peter Iberl. Parallel stieg die Mitgliederzahl von 434 Personen in 1984 auf 800 in 1993 und 900 in 2002. Doch seitdem gehen die Zahlen wieder zurück. Derzeit sind es 750 Mitglieder.