Bad Kissingen

Auf den Spuren seiner Familie

Stephen Lowe suchte in Bad Kissingen nach seinen familiären Wurzeln. Vor dem Stolperstein seiner Großtante Else Löwinsky kniete er nieder.
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Unzählige Fotos machte Rechtsanwalt Stephen Lowe vom Stolperstein für seine Großtante Else Löwinsky.  Foto: Sigismund von Dobschütz
Unzählige Fotos machte Rechtsanwalt Stephen Lowe vom Stolperstein für seine Großtante Else Löwinsky. Foto: Sigismund von Dobschütz
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Die Stolpersteine in den Straßen Bad Kissingens mögen für viele Passanten nur eine unbedeutende Auffälligkeit im Boden sein. Doch für manche Besucher der Kurstadt sind sie ein Ort des Gedenkens und Erinnerns. Dies spürte auch Rechtsanwalt Stephen Lowe (72) aus Hollywood (Los Angeles), als er in der Unteren Marktstraße vor dem Stolperstein für seine Großtante Else Löwinsky niederkniete.
Schon vor vielen Jahren hatte sich Stephen Lowe vorgenommen, mit Lebenspartnerin Marilyn Levin einmal Bad Kissingen zu besuchen. Sein Vater Walter hatte ihm früher oft von der kleinen Kurstadt in Nordbayern vorgeschwärmt, in der dieser in den zwanziger Jahren als Schuljunge glückliche Sommerferien im Hotel von Großmutter Rosamunde Löwinsky (1861-1940) am Marbachweg verbracht hatte.
Doch erst ab 2015 wurde aus dieser Idee langsam Wirklichkeit, nachdem der an Familienforschung interessierte Gavin Peacock, Ehemann von Nichte Deborah Lowe in San Francisco, den Kontakt zur Arbeitsgemeinschaft "Bad Kissinger Stolpersteine" fand und in der Lowe-Familie das Geld für einen Stolperstein sammelte. Der goldene Gedenkstein zur Erinnerung an Rosamundes unverheiratete Tochter Else Löwinsky (1883-1942), die sich 1942 im Ghetto Theresienstadt das Leben genommen hatte, wurde im November 2016 verlegt.
Noch vor der Verlegung kam Gavin Peacock schon im Frühsommer 2016 in die Kurstadt und ließ sich von Stadtrat Sigismund von Dobschütz, dem Sprecher der Stolperstein-Arbeitsgemeinschaft, alle Lebensstationen der beiden Löwinsky-Damen in Bad Kissingen und den künftigen Verlegungsort zeigen. Ihm folgte im Herbst Jaime Lowe (41) aus New York, Tochter des jetzigen Besuchers Stephen Lowe. Sie hatte ihrem Vater in Hollywood seitdem oft von Bad Kissingen vorgeschwärmt.


Unzählige Fotos

Wie schon die ersten zwei Besucher führte Sigismund von Dobschütz auch ihn zunächst wieder zum Hotel Bayerischer Hof in der Maxstraße. Dies hatte seine Urgroßmutter Rosamunde Löwinsky in den Jahren 1915 bis 1920 gepachtet und mit Tochter Else gemeinsam betrieben. Ab 1921 führten dann beide ihr eigenes Hotel Löwinsky am Marbachweg 2. Als Rosamunde Löwinsky 1932 altersbedingt verkaufen musste, mieteten sich beide Frauen in der Theresienstraße eine Wohnung. Nach dem Tod der Mutter zog Tochter Else schließlich 1941 in die Untere Marktstraße.
An jeder Lebensstation seiner Urgroßmutter Rosamunde und deren Tochter machten Stephen Lowe und Marilyn Levin unzählige Erinnerungsfotos. Vor dem Stolperstein von Großtante Else verbeugte sich das Paar ergriffen, kniete dann sogar nieder, um die kleine Inschrift genau entziffern zu können. "Der Kissingen-Besuch erinnert mich an unsere Familiengeschichte. Ich bin sehr stolz auf unsere deutsche Vergangenheit", zeigte sich der 72-Jährige nach dem dreistündigen Rundgang gerührt. "Für mich war es wichtig zu erfahren, wo meine Urgroßmutter gelebt hat." Auch den Namen seiner Großtante Else Löwinsky auf dem Stolperstein zu lesen, habe ihn sehr bewegt.
Zurück in den Staaten wird man innerhalb der Familie viele Fotos und Erinnerungen austauschen. Besonders neugierig wird dann Stephens älterer Bruder Peter Lowe (75) in La Canada, einem Vorort von Los Angeles, auf den aktuellen Reisebericht sein. Denn auch Peter hat sich längst als viertes Mitglied der Lowe-Familie für den 7. September in Bad Kissingen angemeldet, um auf den Spuren seiner Urgroßmutter Rosamunde und seiner Großtante Else Löwinsky zu wandeln.

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