Bad Kissingen
Integration

Asylbewerber fühlen sich in Reiterswiesen wohl

Mit einer Multikulti-Grillfeier bedankten sich die Asylbewerber beim Reiterswiesener Helferkreis. An einer großen Tafel fanden sich alle zusammen. Die Fremden sind dankbar, dass sie bei uns so gut aufgenommen werden.
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Gemeinsam wird gekocht. Bildmitte: "Herbergsmutter" Funda Erisidigil Foto: Werner Vogel
Gemeinsam wird gekocht. Bildmitte: "Herbergsmutter" Funda Erisidigil Foto: Werner Vogel
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Sie heißen Anduela, Imsar, Zijada oder Kleart, schauen neugierig aus meist dunklen Augen und freuen sich, wenn die Mitglieder vom Helferkreis aus Reiterswiesen vorbeischauen. Aus fremden Kulturen kommend, haben sie mit ihren Eltern eine befristete Bleibe im ehemaligen "Hotel Ballinghain" gefunden.
Im Kindergarten oder in der Schule lernen die Kinder schnell und können sich schon einigermaßen verständigen.
Der jüngste Bewohner der Unterkunft ist erst vier Wochen alt. Der kleine Elonis ist hier geboren. Seine Eltern Zymer und Florije Trbunja haben für Elmonda und das damals ungeborene Kind im Kosovo keine Zukunft gesehen. In dem zerrissenen Land auf dem Balkan, Zankapfel zwischen Serbien, Jugoslawien und Albanien mit fünf Sprachen und drei Religionen, scheint es für sie keine Zukunft zu geben. Ebenso geht es vielen anderen Bewohnern des Flüchtlingsheimes am Fuß von Burg Botenlauben.


Schlimme Erlebnisse

Von goldenen Versprechungen der Schleuser gelockt, haben sie fast alles, was sie hatten, zu Geld machen müssen, um über Italien, Ungarn, oder wie die beiden jungen Syrer, übers Meer nach Deutschland zu kommen. Fast alle haben Schlimmes erlebt, ein Freund der Kriegsflüchtlinge ist auf der Überfahrt ertrunken. Nun hoffen alle auf ein kleines Wunder in Deutschland.
Für die Kosovaren und Albaner stehen die Chancen schlecht. Der Kosovo wird als ein sicheres Land eingestuft werden, und so droht ihnen die Abschiebung. Dem Helferkreis von Reiterswiesen ist die Situation durchaus bewusst, aber sie mühen sich sehr, um den Menschen die Zeit des Wartens auf eine ungewisse Zukunft erträglich zu gestalten.


Hotelcharakter statt Container

Funda Erisidigil, die Eigentümerin des Hotels, ist ein Glücksfall für die Bewohner. Sie war Vorsitzende des Ausländerbeirats und Mitglied des Integrationsbeirats der Stadt Schweinfurt und kennt so die Sorgen und Nöte der Migranten. Ihre türkisch-syrische Herkunft und ihre Sprachkenntnisse helfen den meist balkanstämmigen Bewohnern, sich in Deutschland zurechtzufinden. "Was ich tun kann, die Menschen zu integrieren, das tue ich", sagt sie. Sie ist täglich vor Ort, informiert, hilft bei Behördengängen, organisiert den Helferkreis, sorgt für ein auskömmliches Miteinander. Und das ist keine leichte Aufgabe, wenn ethnische Konflikte Grund für die Flucht waren und man im Flüchtlingsheim doch wieder unter einem Dach zusammenleben muss.


Fünf Sterne für das Heim

Funda, wie sie von allen respektvoll genannt wird, führt alle zusammen: "Wir kochen gemeinsam, essen am großen Tisch, und heute wollen wir alle feiern", sagt sie. Die Familien aus dem Kosovo, Albanien, Bosnien und die beiden Syrer wissen inzwischen, dass es in Flüchtlingsunterkünften auch ganz anders aussehen kann als in Reiterswiesen. Deljadin Celja sagt "alles gutt hir" und zeigt mit den fünf Fingern seiner Hand auf das Hotel. Fünf Sterne für das Flüchtlingsheim soll das heißen.


Gefüllte Weinblätter von der Burg

Zymer Trbunja steht am Grill, es gibt Lamm, Hühnerfleisch und Lammbratwürste. In der Küche rollen die Frauen eine feurige Reisfüllung in die Weinblätter, die sie am Burghang gepflückt haben. Die Helfer haben Getränke und Salate mitgebracht. In lockerer Reihe sitzt man auf der Terrasse an langen Tischen und versteht sich, die Unterhaltung der zusammengewürfelten Schicksalsgemeinschaft wird mit Händen und Gesten unterstützt. "Ohne die Helfer aus Reiterswiesen könnte ich das nicht schaffen", meint Funda. So ist Monika Kiesel - "mich faszinierten die fremden Kulturen" - fast jeden Tag vor Ort, fährt mit den Familien zum Einkaufen, kennt alle, lernt dreimal pro Woche mit den Frauen Deutsch. Doris Trapp bringt die Deutschkenntnisse der Asylbewerber voran, begleitet auch schon mal eine Familie, die zur Ausländerbehörde nach Nürnberg fahren muss. Mit den Männern paukt Norbert Paulus Deutsch. "Jetzt merke ich erst, wie schwer die deutsche Sprache ist" , meint der ehemalige Stadtrat, der viel Verständnis für die Bewohner aufbringt: "Auch meine Mutter war eine Heimatvertriebene."


Organisation auf Südländisch

Funda Erisidigil dankt allen Helfern, die "immer da sind, wenn sie gebraucht werden". Sie organisiert das "südländisch", wie sie verrät, ohne große Strukturen: "Mail, Handy, SMS und vor allem viel Verständnis füreinander, das genügt".
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