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Bad Kissingen
Silvester

Aspirin und Badehosen in der Silvesternacht

Wo die einen feiern, müssen andere arbeiten. Steve Adler und Elke Seifert-Kaess sorgen in der Kisssalis-Therme Bad Kissingen für einen relaxten Rutsch und Apothekerin Kathrin Lenhart hilft morgens um vier gegen den Neujahrs-Kater.
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Weihnachten, Silvester und Neujahr: Steve Adler und Elke Seifert-Kaess arbeiten in der Kisssalis-Therme, wenn andere frei haben.  Foto: Benedikt Borst
Weihnachten, Silvester und Neujahr: Steve Adler und Elke Seifert-Kaess arbeiten in der Kisssalis-Therme, wenn andere frei haben. Foto: Benedikt Borst
600 Besucher werden heute gegen 19.30 Uhr im Foyers der Kisssalis-Therme darauf warten, Silvester in Badehosen zu feiern. Sie lassen es sich gut gehen: Es gibt ein großes Buffet, live Musik, die Besucher schwimmen, saunen, lesen. Für das Kisssalis Personal endet 2014 weniger entspannt. Vier Mal so viele Mitarbeiter wie sonst haben Dienst. "Bis 17 Uhr geht der normale Badebetrieb, auch in der Sauna. Dann wird umgeräumt", sagt Steve Adler.
Er leitet den Bade- und Saunabereich.

Um 17 Uhr wird die Therme geschlossen und die Tagesgäste verlassen das Bad. Für die Angestellten beginnt jetzt der Stress: An der Kasse werden 600 Eintrittsbänder für die seit Wochen ausverkaufte Silvesterparty vorbereitet, das Servicepersonal bestückt Buffet und Bar, es werden 100 zusätzliche Liegen verteilt, Tische aufgestellt, Bühne für die Band aufgebaut. "Das muss alles in zwei Stunden passieren", sagt Elke Seifert-Kaess. Um 19.30 Uhr beginnt die Party. Seifert-Kaess ist bereits zum achten Mal an Silvester im Dienst. Normalerweise leitet sie den Bereich Kasse, an Silvester hilft sie im Service aus, bedient Besucher und räumt Geschirr ab.

Einsatzspitze zum Jahreswechsel

Wenn viele Menschen feiern, steigt die Wahrscheinlichkeit auf Unfälle. Deshalb bereiten sich die Kräfte des Roten Kreuzes auf eine ereignisreiche Nacht vor. "Bis kurz vor Mitternacht ist es häufig sehr ruhig", sagt BRK-Kreisgeschäftsführer Thomas Stadler. Pünktlich zum Jahreswechsel folgt eine Einsatzspitze, dann sind die fünf diensthabenden Rettungsmannschaften und die drei Notärzte gefragt. "Da geht es rund. Aber dafür sind wir ja auch da", sagt Stadler.

Um 18 Uhr ist für das Personal, das die Silvester-Schicht in der Kisssalis-Therme übernimmt, offizieller Dienstbeginn. "Ich werde wie immer ein bisschen früher da sein, dass auch alles reibungslos funktioniert", sagt Chef-Bademeister Adler. Bis 2 Uhr hat die Therme geöffnet, danach wird alles für den regulären Badebetrieb am Neujahrstag gerichtet. Dennoch findet Adler Silvester nicht stressig: "Sobald die Leute etwas gegessen haben, wird es lockerer. Das Arbeiten ist sehr angenehm. Ich finde, dass der Abend schnell vorbei geht." Kollegin Seifert-Kaess schließt sich an. Es bleibe Gelegenheit, mit Kollegen und Gästen zu plaudern. Dass sie arbeitet, wenn andere feiern, stört sie nicht. "Für uns ist das regelmäßig der Fall. Und es ist ja nicht so, als ob wir noch nie Silvester gefeiert hätten", sagt sie.

Neben dem Gastgewerbe und Dienstleistungsbranchen, sind überwiegend die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und medizinisches Personal gefordert. Apothekerin Kathrin Lenhart etwa hat bis zum Neujahrsmorgen 8 Uhr in der Salinen-Apotheke Notdienst. "An Silvester oder Neujahr hat es mich bisher immer erwischt. Aber ich mache es gern", sagt sie. Silvester unterscheide sich nicht von anderen Notdiensten. Wie viel sie zu tun hat, hängt vor allem davon ab, welche Erkältung gerade grassiert. In einem Punkt aber sei der erste Morgen im neuen Jahr besonders: "Zwischen 4 und 6 Uhr kommen die Feiernden, die sich Aspirin besorgen oder was halt sonst gegen Kopfschmerzen hilft", sagt Lenhart.

Für das Kisssalis Personal ist gegen 3 Uhr Schluss. Dann ist alles verräumt. Nachdem der letzte Mitarbeiter die Therme verlassen hat, betreten Reinigungskräfte das Bad und beseitigen die letzten Spuren der Party. Steve Adler wird um 11 Uhr wieder seinen Dienst antreten, die Badegäste beaufsichtigen und Aufgüsse machen. Silvester ist dann Geschichte und der Arbeitsalltag hat den Ausnahmezustand verdrängt.

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