Schweinfurt
Jahresrückblick

Arbeitsmarkt Main-Rhön: Fachkräfte Mangelware

Der Arbeitsmarkt ist stabil - doch es droht Ungemach. Globale Probleme und fehlende Spezialisten verdüstern die Aussichten.
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Wie hier bei Probebohrungen in der Kissinger Fußgängerzone wurde 2016 viel gebaut. Doch dem Bausektor geht es wie vielen anderen Bereichen: Es fehlen die ausgebildeten Fachkräfte. Foto: Julia Albert/Archiv
Wie hier bei Probebohrungen in der Kissinger Fußgängerzone wurde 2016 viel gebaut. Doch dem Bausektor geht es wie vielen anderen Bereichen: Es fehlen die ausgebildeten Fachkräfte. Foto: Julia Albert/Archiv
"Wenn Sie mich vor drei Jahren gefragt hätten, hätte ich gesagt: Das wird alles sehr schwierig", sagt Thomas Stelzer, Leiter der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schweinfurt, im Blick auf den hiesigen Arbeitsmarkt. Ukraine-Krise, Syrienkrieg, Streit um die Freihandelsabkommen TTIP und CETA - alles Phänomene mit dem Potenzial, die wirtschaftliche Entwicklung auch in der Main-Rhön-Region abzubremsen. "Die Befürchtungen haben sich nicht bewahrheitet", stellt Stelzer fest. Bisher zumindest.

Denn die globalen Probleme sind nicht kleiner geworden: Die Briten - wirtschaftlich eng mit Bayern verwoben - verlassen die EU. Erdogan baut die Türkei zielsicher zur Diktatur um. Die USA werden unter Donald Trump unberechenbarer. Dazu kommen technische und ökonomische Entwicklungen wie die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt. Und die alten Probleme sind ja nicht verschwunden. Er fühle sich deshalb ein bisschen wie eine Maus, die vor einer Schlange hockt, erklärt Thomas Stelzer. Seriös sei das alles nicht einzuschätzen. "Ich bleibe lieber bei den regionalen Zahlen, die ich interpretieren kann", sagt der Leiter der Geschäftsführung.


Im Durchschnitt nur Durchschnitt

Und die sehen ganz gut aus: Die Arbeitslosenquote in der Region Main-Rhön lag im Durchschnitt bei 3,7 Prozent - wie auch in den letzten sechs Jahren. In Bad Kissingen lag sie nur unwesentlich höher bei 3,8 Prozent. Damit stehe man zwar etwas schlechter da als Gesamtbayern (3,5 Prozent) und Unterfranken (3,3 Prozent). Allerdings deutlich besser als der bundesweite Durchschnitt (6,1 Prozent).

Auch die zentralen Kennzahlen der zukünftigen Entwicklung machen Hoffnung: Die Meldungen von Kurzarbeit sanken binnen Jahresfrist von 2509 auf 1270, statt in 39 gibt es nur noch in 29 Betrieben Kurzarbeit. Die Auftragsbücher der Firmen seien voll, betont Stelzers Stellvertreter Klaus Seebach. Die Zahl der offenen Stellen ist im Jahr 2016 von knapp 3000 auf etwa 4000 gestiegen.

Gerade die letzte Zahl offenbart dabei jedoch auch Probleme: Obwohl es 8000 Arbeitslose (2000 im Landkreis Kissingen) in der Region Main-Rhön gibt, können immer mehr offene Stellen nicht besetzt werden. "Die Passgenauigkeit zwischen Bewerbern und Stellen ist nicht immer gegeben", erklärt Stelzer. Der Anteil der Langzeitarbeitslosen liege mittlerweile bei 27 Prozent. Die Gründe dafür seien individuell unterschiedlich. "Bei vielen fehlt die Qualifikation. Es gibt aber auch viele Fälle, bei denen Krankheit, Sucht oder schwere Schicksalsschläge eine Rolle spielen", erzählt Stelzer.


Offene Stellen in allen Bereichen

Auf der anderen Seite fehlen Fachkräfte. "Vor drei Jahren hätten wir noch einzelne Branchen rausgesucht, in denen der Mangel besonders groß ist", sagt Stelzer. "Jetzt gibt es ihn eigentlich überall." Im Handwerk, in der Baubranche, im produziernden Gewerbe. Selbst in Bereichen, in denen man es nicht erwartet hätte: "Es werden Sozialpädagogen und Sozialarbeiter gesucht - das war vor kurzem noch unvorstellbar."

Auch im Gesundheitsbereich und in der Pflege, traditionell starke Beschäftigungsfelder in Bad Kissingen, fehlen Arbeitskräfte. Annähernd ein Viertel der 980 offenen Stellen in Bad Kissingen ist im Bereich Gesundheit, Soziales und Erziehung angesiedelt. Insbesondere die Pflege hätte, zu Unrecht, einen schlechten Ruf. Menschen in den Bereich zu bringen, sei eine der Aufgaben der Agentur für Arbeit für 2017. Zumindest dann, wenn sich die globale Lage nicht verschlechtert und die Probleme der Weltwirtschaft nicht ihren Schatten auch auf die hiesige Ökonomie wirft.

Auch die Eingliederung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt wird im Jahr 2017 eine große Aufgabe. Lesen Sie dazu hier einen Artikel.

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