Waldfenster
Kirche

Arbeit und Urlaub zugleich

In Argentinien seien die Gottesdienste spontaner, in der Rhön gebe es gemütlichere Menschen. Diese Unterschiede fallen Pfarrer Daniel Jany ein, wenn er seine Heimat und Burkardroth vergleicht. Jetzt hat er wieder die Urlaubsvertretung in der Pfarreiengemeinschaft übernommen.
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Der argentinische Priester Daniel Jany hat in Burkardroth wieder die Urlaubsvertretung übernommen.  Foto: Björn Hein
Der argentinische Priester Daniel Jany hat in Burkardroth wieder die Urlaubsvertretung übernommen. Foto: Björn Hein
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Seit 1996 kommt er regelmäßig hierher, um den Ortsgeistlichen zu vertreten. "Für mich ist Burkardroth zu einer zweiten Heimat geworden. Die Leute hier sind sehr freundlich", sagt Pfarrer Daniel Jany. Über die Jahre hat er hier Freunde gefunden, einige, die er schon als Kinder kannte, haben mittlerweile geheiratet. Bis Anfang September wird der Argentinier noch in Burkardroth bleiben.
Geboren wurde Daniel Jany am 19. Dezember 1949 in Bahia Blanca in Argentinien. Die Stadt liegt im Süden der Provinz Buenos Aires und hat rund 280 000 Einwohner. Die Großeltern Janys waren Anfang des 20. Jahrhunderts aus Europa hier eingewandert und fanden in Argentinien eine neue Heimat. Seine Mutter wurde in Argentinien geboren, sprach aber noch fließend Italienisch.

Europäische Einflüsse


Typisch für die Region, in der Pfarrer Jany aufwuchs, ist der europäische Einfluss: "Etwa ein Viertel der Diözese Bahia Blanca besteht aus Nachfahren von Wolgadeutschen. Zusammen mit den Italienern, Spaniern und Franzosen, die hier einwanderten, geben sie der Region eine wohl einzigartige Mischung", erzählt Pfarrer Jany.
In den Schulen in Argentinien gebe es keinen Religionsunterricht, wie er in Deutschland üblich ist. Dennoch gehören rund 90 Prozent der Argentinier der römisch-katholischen Konfession an, sechs Prozent sind Protestanten. Die Kirchen sind - gemessen an deutschen Verhältnisse - jedoch eher schlecht besucht, wie Jany aus Erfahrung zu berichten weiß. "Der Kirchenbesuch ist in meiner Heimat nicht das alleinige Zeichen von Glauben. Viele beten daheim und die meisten bezeichnen sich als Katholiken, auch wenn sie der Amtskirche kritisch gegenüberstehen", sagt Jany. Auch die Kirchengebäude seien sehr klein, und so praktiziere man den katholischen Glauben traditionell eher zu Hause.
So ist es in Argentinien eher unüblich, dass man Ministrant wurde. Dennoch verrichtete Jany als solcher seinen Dienst - sein Elternhaus war ohnehin sehr katholisch geprägt. Nach seiner Grundschulzeit kam er dann auf eine katholische Schule und entschloss sich dort, Priester zu werden. 1968 trat er in das Priesterseminar ein, studierte Theologie und Philosophie in La Plata und wurde 1977 zum Priester geweiht. Ihn prägte vor allem die Zeit nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil.
"Gerade in Argentinien brachte das Zweite Vatikanum starke Veränderungen und reformierte den christlichen Glauben", ist Pfarrer Jany überzeugt. Man merkt das auch am Gottesdienst in Argentinien: Die meisten Lieder, die während des Gottesdienstes gesungen werden, entstanden nach 1965 und stehen ganz im Geist der Reformbewegung, die durch das Zweite Vatikanische Konzil angestoßen wurde. Traditionell werden die Kirchenlieder auch nicht wie bei uns mit der Orgel, sondern mit der Gitarre begleitet.

Gitarre statt Orgel


"In meiner Heimat kann fast jeder Priester Gitarre spielen", ergänzt Pfarrer Jany, "Orgeln gibt es bei uns so gut wie keine." Seit 1999 ist Jany in Cabildo, einer kleinen Gemeinde mit 2000 Einwohnern, Ortsgeistlicher. Da die Gemeinde für den Unterhalt des Priesters aufkommen muss - Kirchensteuer wie in Deutschland gibt es in Argentinien nicht - arbeitet Jany zudem an zwei Tagen in der Woche als Kaplan bei der Marine im Militärhafen.

Herausforderung Dialekt


In Kontakt mit Deutschland und der deutschen Sprache kam Daniel Jany eher zufällig. In seinem Priesterseminar in La Plata unterrichtete der Schönstatt-Pater Dr. Herbert King aus Lauterbach (Schwarzwald). Dieser inspirierte Jany dazu, Deutsch zu lernen. "Dr. King war ein Vorbild für mich - auch deshalb kam ich zur Schönstatt-Bewegung", erinnert sich Jany. 1981 kam er dann das erste Mal nach Deutschland. "Anfangs tat ich mir mit dem Sprechen schwer - ich konnte zwar Deutsch lesen, allerdings nur schwer sprechen und verstehen." Auch heute noch hat er hin und wieder mit dem Rhöner Dialekt zu kämpfen, obwohl er sehr gut Deutsch spricht. 1996 kam er zum ersten Mal als Urlaubsvertretung nach Waldfenster, seitdem ist er regelmäßig Jahr für Jahr hier, seit 2008 regelmäßig in Burkardroth.
"Die Menschen hier in der Rhön sind gemütlicher und freundlicher als in Argentinien. Vor allem die Freundlichkeit gegenüber der Kirche ist hier weit stärker ausgeprägt", sagt der Pfarrer. Er meint auch, dass die Leute hier besser mitarbeiten als in seiner Heimat, auch in der Verwaltung. "Man ist hier in der Rhön eher traditionell. Die Wallfahrten und die vielen Ministranten bin ich aus meiner Heimat nicht gewöhnt. Wenn bei uns in Argentinien Wallfahrten unternommen werden, dann meist mit dem Bus. Aber die Wegstrecken, die bei uns zurückgelegt werden müssen, sind auch viel weiter als hier", ergänzt Daniel Jany. Die Gottesdienste seien in Argentinien etwas spontaner - und man sei auch flexibler, ebenso bei der Predigt, die eher frei gehalten werde.
In seiner Freizeit liest Pfarrer Jany sehr gern und beschäftigt sich mit den Schriften von Dr. Herbert King. Außerdem betreut er in Argentinien einen Wallfahrtsort: Paso Mayor. "Ich bin sehr gerne Priester. Die Arbeit mit Menschen macht mir viel Spaß", sagt Jany. Er möchte auch in den nächsten Jahren in die Region kommen. "Am Fuße der Rhön zu sein ist immer auch ein wenig Urlaub."
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