Bad Kissingen
Stadtrat

Altes Rathaus in Bad Kissingen - Ein Sturm im Weinglas

Die Tourist-Information zieht in den Arkadenbau, ein Vinothek-Betreiber ist abgesprungen. Was passiert mit dem Alten Rathaus?
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Bis die Bauarbeiten für die Vinothek beginnen, soll das Alte Rathaus geöffnet bleiben. Die Tourist-Information zieht aber aus.  Foto: Edgar Bart/ Archivl
Bis die Bauarbeiten für die Vinothek beginnen, soll das Alte Rathaus geöffnet bleiben. Die Tourist-Information zieht aber aus. Foto: Edgar Bart/ Archivl
"Wir sind uns ja im Grunde einig." Diesen Satz hörte man bei der Stadtratssitzung am Mittwoch häufig, von allen Parteien. Meist war er aber die Einleitung für eine Streitposition. Über eine Stunde diskutierten die Stadtvertreter darüber, wie es mit dem Alten Rathaus weitergehen soll. Am Ende wurde beschlossen, dass es vorerst geöffnet bleiben soll.

Grund für die Diskussion war der Absprung des vorgesehenen Betreibers der Vinothek. Denn die Tourist-Information wird am Karfreitag in den Arkadenbau umziehen, ein neuer Vinothek-Betreiber ist noch nicht gefunden. Um einen Leerstand auf unbestimmte Zeit zu vermeiden, stellte die CSU-Fraktion einen Antrag auf Weiterbesetzung der Tourist-Information. Einig waren sich alle darüber, dass das historische Gebäude am Marktplatz "ein Kleinod, etwas ganz Besonderes" (Michael Heppes, CSU) sei. Einig waren sich die Fraktionen auch, dass sich niemand gegen die Pläne des Staatsbades stellen wolle, die beiden Tourist-Informationen im Arkadenbau zusammenzulegen, mit erweiterten Öffnungszeiten. Auch die Vinothek wollen alle. "Aber Kissingen lebt vom verwöhnten Gast", sagte Michael Heppes, Fraktionssprecher der CSU. "Und dem müssen wir den maximalen Service bieten, auch wenn das etwas kostet." Heppes plädierte dafür, einen Service-Point einzurichten und diesen mit einer halben Stelle zu besetzen. "Mindestens bis die Bauarbeiten für die Vinothek beginnen", sagte er, aber seiner Meinung nach würde sich eine Weiterbesetzung auch in der Vinothek anbieten. Karin Renner (CSU) pflichtete ihm bei und sprach von "Synergieeffekten": Informationssuchende Touristen würden so auch die Vinothek kennenlernen, Weinliebhaber sich über die Stadt informieren.

"Gerne", antwortete Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) darauf, "aber wer soll das bezahlen?" Bad Kissingen bräuchte nicht alle 200 Meter eine Tourist-Information. Außerdem seien für eine solche das Staatsbad und das Landratsamt zuständig, nicht die Stadt. Und eine Vinothek benötige jeden Quadratmeter, um zu funktionieren. Für einen Infostand sei also gar kein Platz. Die Diskussion verglich der Oberbürgermeister mit einem "Sturm im Wasserglas", der unsinnig sei. Denn der Wirtschaftsauschuss stimmte bereits am 9. März dem Umzug der Tourist-Information zu. "Der Beschluss wird heute nicht geändert. Deshalb werde ich dem Antrag der CSU so auch nicht zustimmen."


Altes Rathaus bleibt geöffnet

Sigismund von Dobschütz (Freie Wähler) drängte darauf, dass das Alte Rathaus keinesfalls geschlossen werden dürfe - was parteiübergreifend auf Zustimmung stieß. "Das wäre eine Blamage für die Stadt", meinte von Dobschütz. Einen Anlaufpunkt für Touristen halte er in jedem Falle für sinnvoll. "Stadtpläne verteilen und den Weg zum Arkadenbau erklären kann jeder Bäcker", sagte Christina Scheit (SPD). Dafür benötige es keine Stelle der Stadt. Man müsse sich nur bemühen, dass ein Vinothek-Betreiber sich auskenne.

Blankenburg änderte den Antrag ab: Das Alte Rathaus soll bis zu Beginn der Bauarbeiten auf jeden Fall geöffnet bleiben. Eine Touristen-Information wird es nicht geben, Ideen für die zeitweilige Belegung werde man suchen. Dem Beschluss stimmten alle Stadträte zu.



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