Maria Bildhausen

Alter Gartenpavillon wird Kapelle

Eine Installation von Thomas Pfarr zum "Tag des offenen Denkmals" hat den Anstoß gegeben, einen "Abstellraum" mit spätbarocker Stuckdecke einen neuen Sinn zu geben.
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Pater Jeremias Kiesl (links) und Thomas Pfarr im Stuckzimmer des Jugendhauses. Die Decke stammt aus dem Spätbarock.  Foto: Thomas Malz
Pater Jeremias Kiesl (links) und Thomas Pfarr im Stuckzimmer des Jugendhauses. Die Decke stammt aus dem Spätbarock. Foto: Thomas Malz
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Als man Thomas Pfarr fragte, ob er nicht zum "Tag des offenen Denkmals" sein "Buch der Offenbarung" ausstellen will, konnten sie nicht ahnen, was das für Folgen haben wird. Denn das Kunstwerk wird nun am Sonntag in einem Zimmer zu sehen sein, der in den letzten Jahren als Abstellraum gedient hat. Ursprünglich war es ein Gartenpavillon, der in der Zeit zwischen 1750 und 1780 errichtet wurde. Später hat man ihn in die Klosterschule integriert, aus der inzwischen das Jugendhaus am Dicken Turm geworden ist. "Der Raum hat es verdient, dass er gezeigt wird", sagt Pater Jeremias Kiesl, der Leiter des Jugendhauses am Dicken Turm.
Das "Buch der Offenbarung" hatte Thomas Pfarr bereits bei seiner Ausstellung "Verletzungen Mystik" in Maria Bildhausen ausgestellt. Es besteht aus hölzernen Fundamentpfeilern, die man beim Bau des neuen Traktes am Juliusspital ausgegraben hat. Die Pfeiler sind rund 1000 Jahre alt.

Suche nach sakralem Raum


Weil der Altstadtverein anlässlich des "Tag des offenen Denkmals" am Samstag, 8. September, um 18 Uhr eine Ausstellung mit Gegenständen aus Holz im Schloss eröffnet, waren Sabine Scheuble und Hans Petsch auf Thomas Pfarr zugekommen. Der war zwar prinzipiell bereit, sein Kunstwerk auszustellen, fand aber keinen geeignet Raum im Schloss. Er wünschte sich einen sakralen Raum für sein "Buch der Offenbarung". Nachdem die Ritterkapelle in der Stadtpfarrkirche wegen einer möglichen Terminüberschneidung ausgeschlossen werden musste, hat sich Thomas Pfarr an Pater Jeremias mit der Frage gewandt, ob es dort vielleicht einen geeigneten Raum geben könnte."Ich bin auf offene Ohren gestoßen", sagt Thomas Pfarr.
"Das Zimmer gehört zum Jugendhaus, war schon Kapelle, Musikraum, Speiseraum, Spieleraum und zuletzt Abstellraum", sagt Pater Jeremias in dem großen Zimmer, das mit einer spätbarocken Stuckdecke versehen ist. Wenn er ohnehin erst einmal ausgeräumt ist, könnte man ihn nach der Ausstellung doch wieder als Kapelle nutzen, hat sich Pater Jeremias überlegt. Die derzeitige Kapelle im Jugendhaus liegt ein wenig ungünstig.Und wenn der Stuckraum zur Kapelle wird, dann hat Pater Jeremias einen neuen Gruppenraum, "der auch dringend gebraucht wird."
So weit ist es allerdings noch nicht. Nachdem das Stuckzimmer ausgeräumt ist, muss es auch noch hergerichtet werden. "Da muss man mit Sorgfalt rangehen", meint Pater Jeremias.

Pavillons groß in Mode


Es sei offensichtlich eine Mode gewesen, dass sich der Abt bzw. Prior eines Klosters einen Gartenpavillon bauen lässt. Auch in Maria Bildhausen gibt es einen Gartenpavillon, der Abt der Zisterzienser wollte es aber noch weitaus prachtvoller, als der Prior der Augustiner. Pater Jeremias weist auf die vielen Bildnisse in der Stuckdecke, die alle etwas mit dem Hirten zu tun haben. Er vermutet, dass das den Prior an seine Aufgabe als Hirte erinnern sollte. Damals war er der Hirte von zahlreichen Brüdern und Patres, die im Kloster lebten. In der Mitte der Stuckdecke ist ein großes Relief von vier Vögeln zu sehen, einem Muttertier und drei Jungvögeln. Pater Jeremias bringt das mit den Erzählungen von Thomas von Aquin in Verbindung. Der hatte im 13. Jahrhundert von Pelikanen berichtet, die sich den Leib aufreißen, um ihre Jungen mit eigenem Fleisch und Blut zu füttern, wenn nicht genügend Nahrung vorhanden ist. Ursächlich dafür war die rosa Färbung des Bauches. Das Blut hingeben, dass ist natürlich im Christentum von großer Bedeutung.
Das Muttertier auf dem Relief sieht verdächtig nach einem Schwan aus, aber auch darauf hat Pater Jeremias eine Antwort. "Damals wusste man nicht, wie ein Pelikan aussieht, Zoos gab es schließlich nicht", sagt er.
Der ganze Stuck sei früher weiß gewesen, sagen Pater Jeremias und Thomas Pfarr. Erst vor etwa 40 Jahren sei die Decke bemalt worden.Auch wenn es noch eine Weile dauern wird, bis das Stuckzimmer wieder als Kapelle dienen kann, schon jetzt können sich Interessierte einen Eindruck holen, wenn Thomas Pfarr am Sonntag von 11 bis 17 Uhr sein "Buch der Offenbarung" ausstellt. Der Raum sei ideal geeignet, schwärmt er.

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